# taz.de -- Ramadan in Israel und dem Westjordanland: Einschränkungen, Gewalt und Raketenbeschuss
> Palästinenser*innen erleben in diesem Jahr keinen schönen Ramadan:
> Seit Beginn des Irankriegs ist die Al-Aksa-Moschee geschlossen, immer
> wieder gibt es Gewalt.
(IMG) Bild: Eid al-Fitr in Gaza, oder Zuckerfest trotz Krieg
Zerstörte Kameras, beschlagnahmte Speicherkarten, ein gebrochenes
Handgelenk: Dies ist die Bilanz von Dienstagnacht für mehrere
Journalist*innen in Jerusalem. Unter ihnen sind auch ausländische
Presseteams und eine Produzentin des US-Senders CNN. Das hat am Mittwoch
der israelische Journalistenverband bekanntgegeben.
Laut der israelischen Zeitung Haaretz wollten die Journalist*innen
Polizeigewalt in Ostjerusalem dokumentieren. Die Sicherheitsbeamten hätten
demnach eine Ansammlung von muslimischen Gläubigen, die an einer Mauer der
Altstadt beten wollten, gewaltsam aufgelöst. Sie sollen dabei Blendgranaten
geworfen und Menschen geschlagen haben. Dann sollen sie, so die
Rekonstruktion, einheimische und ausländische Pressevertreter*innen, die
das Geschehen filmen wollten, angegriffen haben.
Die israelische Polizei ließ eine entsprechende Anfrage unbeantwortet,
teilte indes israelischen Medien mit: Die Journalist*innen hätten an
einer verbotenen Versammlung teilgenommen, sich Befehlen widersetzt und
sich nicht als Pressevertreter*innen ausgewiesen.
Dies ist nur der letzte Fall von Gewalt [1][während des Fastenmonats
Ramadan] in Israel und dem Westjordanland. Der Ramadan ist für
Muslim*innen der heiligste Monat im Jahr, tagsüber fasten viele
Gläubige, beim Sonnenuntergang brechen sie das Fasten gemeinsam mit Familie
und Nachbarn, dann beten sie in der Moschee. Er endet in diesem Jahr am
Donnerstagabend.
## Menschenansammlungen verboten
Doch seit Beginn des Irankriegs sind große Menschenansammlungen in Israel
verboten. Die Behörden haben die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem geschlossen,
die Altstadt abgeriegelt und den Zutritt Palästinenser*innen
untersagt, die nicht dort leben. „Aus Sicherheitsgründen“, hieß es. Die
Geschäfte bleiben zu.
Die israelische Nichtregierungsorganisation Association for Civil Rights in
Israel (ACRI) [2][schickte am Mittwoch einen Brief an die Jerusalemer
Polizei] und forderte die Behörden auf, die Einschränkungen in der Altstadt
aufzuheben. Ebenso verlangt die NGO, dass die Geschäfte der größtenteils
arabischstämmigen Bevölkerung dort wieder öffnen und Gebete im kleinen
Kreis rund um die Mauern stattfinden dürfen. Schließlich würden Cafés und
Geschäfte überall sonst in Jerusalem unter Auflagen weiter betrieben, sowie
jüdische Besucher*innen in der Altstadt spazieren.
Immer wieder versuchten Muslim*innen, das traditionelle Abendgebet in der
Nähe der Al-Aksa-Moschee abzuhalten. Und seit Wochen häufen sich die
Meldungen von gewaltsamen Vertreibungen rund um die Altstadt, in der sich
die Moschee befindet. Ein Video, das der taz zugespielt wurde, zeigt einen
Mann, der die Hände in die Luft hebt, umgeben von drei Polizisten, die ihn
zu Boden werfen, in Handschellen legen und ihm das Smartphone wegnehmen.
Ein weiterer Mann versucht, mit den Polizisten zu reden, wird aber
aggressiv zurückgewiesen. Auf Nachfrage äußerte sich die Polizei nicht zum
Vorfall.
Laut dem palästinensischen Verein Palestinian Prisoner’s Society haben
israelische Sicherheitskräfte mehr als 100 Menschen seit Beginn des
Konflikts mit Iran in Ostjerusalem und dem Westjordanland festgenommen.
## Vier Frauen durch Raketenteile getötet
In diesem Letzteren ist die Gewalt derweil eskaliert. Mehrmals täglich
erreichen inzwischen Meldungen von Siedlerangriffen die
Nachrichtenagenturen. [3][Mindestens sechs Menschen sind dabei bislang
umgekommen], weitere wurden von Soldat*innen erschossen.
Das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen (UN) monierte in seinem
jüngsten Bericht, seit Beginn des Konflikts mit Iran habe sich die Lage
zugespitzt. Laut UN gab es seit Beginn des Ramadans 188 Verletzte und 15
Tote, [4][inklusive eines Elternpaars und zwei ihrer Kinder am vergangenen
Sonntag.]
Palästinenser*innen im Westjordanland unterliegen derzeit starken
Bewegungseinschränkungen, anders als die israelischen Siedler*innen.
Checkpoints hindern oder versperren den Weg zu Dörfern und Städten, was den
Alltag, die Arbeit der Bewohner*innen sowie deren Zugang zu Schulen und
Kliniken stark beeinträchtigt.
Außerdem sind palästinensische Gemeinschaften bei Luftangriffen
ungeschützt, Bunker gibt es hier nicht. Erst am Mittwoch kamen [5][vier
Palästinenserinnen nahe Hebron ums Leben], als Fragmente einer iranischen
Rakete auf einen Friseursalon fielen. Auch in Israel gab es einen Toten und
mehrere Verletzte durch iranischen Beschuss.
19 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Fastenmonat-in-Jordanien/!6154488
(DIR) [2] https://www.english.acri.org.il/post/palestinians-must-be-allowed-to-enter-the-old-city-and-open-their-shops
(DIR) [3] /Siedlergewalt/!6160930
(DIR) [4] /Angriff-auf-palaestinensische-Familie/!6163483
(DIR) [5] https://www.haaretz.com/west-bank/2026-03-19/ty-article/.premium/iranian-barrages-kill-at-least-four-palestinians-in-west-bank-one-man-in-israel/0000019d-02e2-da5c-a3bd-0ee231080000
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