# taz.de -- Durchfahrt der Straße von Hormus: Seeleute in Lebensgefahr
> Das Durchfahren der Straße von Hormus ist lebensgefährlich. Ein
> griechischer Reeder schickt dennoch Schiffe durch die Meerenge.
> Seeleutegewerkschaften protestieren.
(IMG) Bild: Viele Schiffe sitzen fest, manche wagen die Durchfahrt. Ein Tanker in Maskat, Oman, am 12. März
Griechische Seeleute haben am Freitag in der Früh in Piräus sowohl für ihre
im Persischen Golf und im Golf von Oman festsitzenden Kollegen als auch
gegen die fortgesetzte Durchfahrt griechischer Öl- und Gastanker [1][in der
Straße von Hormus] demonstriert. Dazu hatten die beiden führenden
griechischen Seeleutegewerkschaften Pemen sowie Stefenson aufgerufen.
Die Gewerkschaften der Seeleute weisen darauf hin, dass seit Beginn des
Krieges der USA und Israels gegen Iran vor drei Wochen nach Angaben der
Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) etwa 3.200 Schiffe und
20.000 Seeleute festsitzen. Darunter sind auch von griechischen Reedereien
kontrollierte Schiffe. Ferner würden griechische Reeder indes zu den
Kriegsgewinnlern zählen, dabei die Seeleute aber in große Gefahr bringen.
„Die griechische Regierung weigert sich weiterhin, die Seegebiete, in denen
kriegerische Auseinandersetzungen toben, [2][als Kriegsgebiet einzustufen].
Gleichzeitig durchqueren von griechischen Reedereien kontrollierte Schiffe
die äußerst gefährliche Region der Straße von Hormus“, stellen sie fest.
Die beiden Gewerkschaften weisen darauf hin, dass „die Seeleute mitten im
Feuer stehen, während die Haltung der Regierung in Athen den Reedern
Rückenwind gibt, die davon profitieren, dass die Frachtraten in die Höhe
schnellen und sich neue Wege für höhere Gewinne eröffnen“.
## Griechische Schiffe sind enorm wichtig für den Welthandel
Hintergrund: Griechenland ist eine globale Supermacht der
Handelsschifffahrt. Die griechischen Reeder besitzen knapp 5.700
Handelsschiffe und verfügen damit über nahezu zwanzig Prozent der
weltweiten Tonnage-Tragfähigkeit. Auf europäischer Ebene verfügen die
griechischen Schiffseigner über sechzig Prozent der gesamten maritimen
Kapazität der Europäischen Union. Beim Transport fossiler Kraftstoffe wie
Öl und Gas sind die Griechen Weltspitze: dreißig Prozent des Rohöls und ein
Viertel des [3][Flüssiggases (LNG) werden auf Schiffen] von griechischen
Reedern auf dem Seeweg transportiert.
Griechische Reeder scheinen nicht davor zurückzuschrecken, in Kriegszeiten
große Risiken einzugehen – aus Profitgründen. So etwa der griechische
Großreeder Georgios Prokopiou: Seit Kriegsbeginn am 28. Februar haben
mehrere seiner Öltanker die Straße von Hormus durchquert. Trotz der
herrschenden Gefahr von Angriffen von Seiten des Irans. Seine Strategie,
erhebliche Risiken einzugehen, lohnt sich für den 79-jährigen Reeder: Die
Frachtraten sind in die Höhe geschnellt.
Prokopiou gründete 1991 das Unternehmen Dynacom Tankers, 2013 brachte der
Grieche ein eigenständiges Flüssigerdgasunternehmen namens Dynagas an die
New Yorker Börse. Das US-Magazin Forbes schätzt das Vermögen der Familie
Prokopiou auf etwa 4,7 Milliarden US-Dollar. „Wenn man nicht bereit ist,
Risiken einzugehen, kann man in der Schifffahrt nicht tätig sein“, erklärte
Prokopiou 2014 gegenüber dem Schifffahrtsmagazin Tradewinds. Das sehen die
griechischen Seeleute jedenfalls anders.
20 Mar 2026
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