# taz.de -- Wie weiter im Nahen Osten?: Wer den Irankrieg entscheidet, ist noch nicht ausgemacht
       
       > Israel eskaliert den Krieg – das Verhältnis von Trump und Netanjahu
       > verändert sich. Das hat Einfluss auf die geopolitische Lage der gesamten
       > Region.
       
 (IMG) Bild: Keine glänzenden Aussichten für Trump: Hauptsitz des staatlichen Erdölkonzerns Qatar Energy in Doha
       
       Der Irankrieg befindet sich in einem gefährlichen Moment. Nicht nur der
       weltweite Energiehandel wird unterbrochen, sondern es werden wichtige
       Grundlagen der globalen Energieversorgung zerstört. Es geht nicht mehr um
       einzelne Angriffe auf Tanker und Raffinerien, jetzt geht es gegen die
       Energieproduktionsstätten selbst, mit langfristigen Folgen. Ausgelöst hat
       diese neue Eskalation der israelische Premier Benjamin Netanjahu – am
       Mittwoch mit einem [1][israelischen Angriff auf das iranische Gasfeld South
       Pars], das größte und [2][wichtigste des Landes].
       
       Es war ein Angriff auf ein Herzstück der zivilen iranischen Ökonomie. Das
       iranische Regime antwortete mit Angriffen auf das Gasfeld Ras Laffan in
       Katar, das jetzt geschlossen ist. Ras Laffan ist nicht irgendein Gasfeld,
       es produziert 20 Prozent des weltweiten Flüssiggases. In den benachbarten
       Arabischen Emiraten wurden nach einem iranischen Angriff die
       Gasproduktionsstätten Habshan geschlossen, Saudi-Arabien vermeldet Angriffe
       auf zwei Ölraffinerien. Das iranische Regime eskaliert seine Strategie in
       diesem asymmetrischen Krieg und treibt den Preis für ihn nach oben. Und die
       angegriffenen Golfstaaten stehen unter Handlungsdruck. Bisher haben sie
       sich darauf verlegt, ihr Territorium militärisch zu verteidigen. Sie
       wissen, dass sie auch nach dem Krieg mit ihrem iranischen Nachbarn leben
       müssen.
       
       Aber den Emiren und Königen wird aus dem Aus- wie Inland die Frage
       gestellt, wann sie Iran offen den Krieg erklären. Genau das bezweckt
       Netanjahu mit seinem Angriff auf das iranische Gasfeld South Pars und der
       reflexartigen iranischen Antwort darauf: Er hofft, die Golfstaaten in eine
       militärische Allianz mit Israel zu treiben – und langfristig in eine
       politische. Dafür ist Netanjahu buchstäblich bereit, nicht Öl ins Feuer zu
       gießen, sondern Feuer ans Öl zu halten.
       
       Ob die Strategie funktioniert, ist fraglich. Die Golfstaaten befinden sich
       in einem Dilemma. Sie wollen zeigen, dass sie etwas unternehmen, aber nicht
       in einer offenen Allianz mit Israel erscheinen. Sie sind verärgert, dass
       Netanjahu und US-Präsident Donald Trump diesen Krieg überhaupt begonnen
       haben, der über ihren Köpfe hinweg entschieden wird. Sie wollen ihn
       zeitlich begrenzen und nicht durch ihre eigene Teilnahme ausweiten.
       
       Doch während Netanjahu versucht, die Golfstaaten zu einer militärischen
       Antwort gegen Iran zu zwingen, stößt er seinen wichtigsten Verbündeten vor
       den Kopf. Der israelische Angriff auf das iranische Gasvorkommen führte
       erstmals seit dem Beginn des Krieges zu einem öffentlichen Zerwürfnis
       zwischen Netanjahu und Trump. Der US-Präsident fordert von Israel, keine
       weiteren Angriffe auf das iranische Gasfeld zu fliegen. Er behauptet auch,
       im Vorfeld nichts von den israelischen Angriffsplänen gewusst zu haben. Ob
       das stimmt oder nicht: Trump distanziert sich öffentlich von Netanjahu.
       
       Im gleichen Atemzug warnt er allerdings Iran davor, das große Gasfeld Ras
       Laffan in Katar weiter anzugreifen, sonst werde das US-Militär selbst das
       iranische Gasfeld South Pars attackieren und „ausradieren“. Trump baut also
       eine weitere Drohkulisse auf, nimmt aber gleichzeitig Abstand von
       Netanjahu, der diese neueste Eskalation begonnen hat. Im besten Falle ist
       das der Anfang vom Ende des Krieges, im schlimmsten eine Eskalation, wie
       sie die Region und die Energiemärkte noch nie erlebt haben.
       
       Je länger dieser Krieg dauert, umso deutlicher wird, dass [3][Trump und
       Netanjahu nicht am gleichen Strang ziehen]. Trump muss in diesem Krieg die
       Sicherheit der Golfstaaten mitdenken. Ein seit Jahrzehnten gewahrter
       Sicherheitspakt besagt, dass die USA die Sicherheit der Golfstaaten
       garantieren. Im Gegenzug darf Washington dort die strategisch so wichtigen
       US-Militärstützpunkte unterhalten. Trump muss also dafür sorgen, dass die
       Region einigermaßen stabil bleibt. Er kann nicht riskieren, dass sich die
       Golfmonarchien von ihm abwenden, weil der Sicherheitspakt obsolet geworden
       ist, und am Ende womöglich eine Schließung der Stützpunkte fordern.
       
       Netanjahu hat ganz andere Erwägungen. Ihm macht es nichts aus, wenn in Iran
       und in den umliegenden Golfstaaten auf lange Zeit Chaos ausbricht. Er
       träumt davon, dass aus der Asche langfristig ein „neuer Naher Osten“
       entsteht, in dem Israel eine dominante Rolle spielt und die
       Palästinenserfrage in der Versenkung verschwindet. Mit derart
       unterschiedlichen Perspektiven lautet die entscheidende Frage für die
       nächsten Wochen oder Monate: Wer kontrolliert diesen Krieg, Netanjahu oder
       Trump?
       
       20 Mar 2026
       
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