# taz.de -- Vor den Landtagswahlen am Wochenende: Wenn Energiefische im Rhein schwimmen
> In Rheinland-Pfalz kommt eine neue Technologie für Wasserkraft zum
> Einsatz. Kein Wunder, denn das Land ist Vorreiter beim Klimaschutz –
> noch.
(IMG) Bild: Drei Energyfishe im Rhein: funktionieren geräuschlos und im Dauerbetrieb, also auch dann, wenn Sonne und Wind einmal nicht Strom liefern
Im Rhein entsteht ein neuartiges Wasserkraftwerk: Nahe der
rheinland-pfälzischen Stadt Sankt Goar werden sogenannte [1][„Energyfishe“]
am Flussgrund verankert. Dabei handelt es sich um schwimmende
Strömungsturbinen, rund 2,8 mal 2,4 Meter lang und tief und 80 Kilogramm
schwer. Diese Turbinen haben eine Leistung von 6 Kilowatt und schwimmen in
der Strömung.
Der Rhein weist hier im Rhein-Hunsrück-Kreis eine Fließgeschwindigkeit von
bis zu 2 Metern pro Sekunde auf, im Jahresmittel kann eine solche
Strömungsturbine 15 Megawattstunden Strom produzieren. Interessant wird das
Konzept, wenn einhundert solcher Energyfishe zusammen installiert werden:
Das Schwarmkraftwerk kann dann jährlich 1,5 Gigawattstunden Strom
produzieren, ausreichend für 450 deutsche Durchschnittshaushalte.
Die neue Technologie besitzt einige Vorteile: Energyfishe werden ohne
schweres Gerät installiert und fallen im Fluss oder Kanal nicht störbar
auf. Sie funktionieren geräuschlos und im Dauerbetrieb, also auch dann,
wenn Sonne und Wind einmal nicht Strom liefern. Führt der Rhein einmal
wenig Wasser, sinken die Turbinen bis auf den Grund ab, produzieren dort
aber weiterhin Strom, wenn auch weniger. Die Strömungsturbinen sind auch
für Eisgang und Hochwasser gerüstet.
Im Gegensatz zu bestehenden Wasserkraftwerken verursachen sie keinen
Aufstau, der für die Wanderfischarten des Mittelrheins wie Barbe und Nase
ein unüberwindbares Hindernis darstellt. Die Technische Universität München
hatte in einer Studie die Fischverträglichkeit untersucht und keine
negativen Einflüsse gefunden. Drei Systeme sind bereits in Betrieb, im
nächsten Schritt folgen 21 weitere, zum Schluss soll der Schwarm aus 124
Energyfishen bestehen.
## Wasserkraft steht oft in der Kritik
„Mir ist es wichtig, dass allen Menschen günstige Energie zur Verfügung
steht, die Klima und Umwelt nicht schadet“, erklärte Landesumwelt- und
Klimaschutzministerin Katrin Eder (Bündnis 90/Die Grünen), die jetzt den
Ausbau zum Schwarmkraftwerk in einem Nebenarm des Rheins genehmigt hat.
Diese Genehmigung zeige, „dass Innovation, Wissenschaft und behördliche
Sorgfalt Hand in Hand gehen können“, sagte Georg Walder, Chef der Firma
Energyminer, die das Konzept entwickelt hat.
Elektrizität aus [2][Wasserkraft steht oft in der Kritik] von
Umweltverbänden, etwa weil Staudämme die Lebensräume von Fischen verändern
und große Gebiete überfluten. Das Schwarmkonzept der Energyfishe hält
solcher Kritik stand. In Deutschland trug die klimafreundliche Wasserkraft
im Jahr 2025 etwa 3 Prozent zur Bruttostromerzeugung bei, was rund 16 bis
17 Terawattstunden entspricht. Aufgrund niedriger Niederschläge sank der
Anteil gegenüber 2024, im Vorjahr waren es noch 4 Prozent.
Dass die Energiefische jetzt ausgerechnet in Rheinland-Pfalz starten, ist
nicht verwunderlich: Das Land gehört zu den Vorreitern bei der
Energiewende, Kohlekraftwerke gibt es nicht mehr, dafür aber 310.000
Solaranlagen – bei 3 Millionen Wahlberechtigten. Die erneuerbaren Energien
tragen aktuell 64 Prozent zur Bruttostromerzeugung bei, bundesweit sind es
knapp 56 Prozent. Während die energiebedingten Emissionen im
bundesdeutschen Durchschnitt zuletzt über 10 Tonnen pro Kopf und Jahr zu
Buche schlugen, bleiben die Rheinland-Pfälzer unter 7.
Rheinland-Pfalz war 2014 eines der ersten Bundesländer, das sich ein
Landesklimaschutzgesetz mit bindenden Reduktionszielen gab. Demnach muss
beispielsweise die Landesverwaltung bis zum Jahr 2030 klimaneutral werden,
zwischen 2035 und 2040 soll dann das ganze Land klimaneutral sein. „Es geht
natürlich immer mehr“, sagte Sabine Yacoub, Landesvorsitzende des Bundes
für Umwelt und Naturschutz (BUND). „Vorbildlich ist aber die Unterstützung
der Kommunen mit einem Förderprogramm, das auch sehr gut angenommen wird.“
Zudem hatte es in dieser Legislatur eine Änderung am Klimaschutzgesetz
gegeben, „die konkrete Ziele auch in den einzelnen Sektoren festschreibt“,
so Yacoub.
## Wahlkampf in Rheinland-Pfalz
Am Sonntag wählt Rheinland-Pfalz einen neuen Landtag; tatsächlich spielte
Klimaschutz im Wahlkampf eine Rolle. [3][SPD-Spitzenkandidat und
Ministerpräsident Alexander Schweitzer] erklärte am Donnerstag in einer
Diskussionsrunde in Mainz: „Wer glaubt, wir können uns Klimaschutz gerade
nicht leisten, weil die Wirtschaft jetzt gerade in Schwierigkeiten ist, der
kennt die reale Situation vieler Unternehmen nicht.“ Zahlreiche Unternehmen
betrieben Klimaschutz, gerade um wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben.
„Darum wird es von mir auch keine Abkehr vom Klimaschutz geben – im
Gegenteil, es brauche hier künftig sogar noch mehr Investitionen.“
Die Landes-CDU hingegen hatte sich im Wahlkampf immer wieder [4][gegen
Klimaschutz positioniert] – die Wahl an diesem Wochenende wird also auch
eine Klimawahl. BUND-Chefin Sabine Yacoub befürchtet: „Wenn es eine große
Koalition unter der Führung der CDU wird, werden wir Rückschritte erleben.“
20 Mar 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Nick Reimer
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