# taz.de -- Schutz wandernder Süßwasserfische: Gut genug für den Hauptgang
       
       > Wandernde Süßwasserfische finden sich auf vielen Tellern, aber kaum auf
       > Schutzlisten. Ihr Schutzstatus wird laut UN-Bericht massiv unterschätzt.
       
 (IMG) Bild: Geschütze Fischart: Europäischer Aal
       
       An den Rätseln des europäischen Aals scheiterte Aristoteles genauso wie
       Sigmund Freud. Bis heute rätselt die Wissenschaft über die Fortpflanzung
       dieses Fisches, der bis zu 10.000 Kilometer [1][von der atlantischen
       Tiefsee] die Flüsse Europas hinaufwandert, hier groß wird und dann die
       Rückreise antritt. Und doch ist der europäische Aal immerhin eine von
       gerade mal 23 wandernden Süßwasserfischarten, die unter Schutz stehen.
       
       Viele Wanderer in Flüssen und Seen sind ähnlich bedroht wie der Aal, aber
       nicht geschützt. Obwohl teils als Delikatessen verehrt, stehen
       Süßwasserfische weniger im Fokus als etwa Zugvögel oder Wale. Ein [2][am
       Dienstag veröffentlichter UN-Bericht] kommt zu dem Schluss, dass der Schutz
       von wandernden Süßwasserfischen bislang massiv unterschätzt wurde. Demnach
       sollten wesentlich mehr dieser Fische geschützt werden: 325 statt 23.
       
       Die AutorInnen um den Biologen Zeb Hogan von der Universität Nevada
       werteten eine Vielzahl von Quellen und Daten aus, wie den Gefährdungsstatus
       von rund 15.000 Süßwasserfischen auf der Roten Liste der Internationalen
       Union [3][zur Bewahrung der Natur] (IUCN). In mehr als 50 Jahren nahmen die
       Bestände wandernder Süßwasserfische um über 80 Prozent ab.
       
       „Dass 325 Arten identifiziert wurden, ist nicht überraschend – das zeigt
       eine schon lange bestehende, systematische Schutzlücke“, sagte Sonja
       Jähnig, kommissarische Direktorin des Leibniz-Instituts für
       Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Wandernde Süßwasserfische
       gehörten global zu den am stärksten rückläufigen Wirbeltiergruppen. Sie
       würden aber politisch und institutionell unterschätzt, übersehen oder
       ignoriert. „Kurz gesagt: Wanderfische haben bisher eine schwache Lobby“, so
       Jähnig.
       
       ## Staaten verhandeln weitere Schutzmaßnahmen
       
       Staudämme, die Fragmentierung von Lebensräumen, Umweltverschmutzung und
       [4][klimabedingte Veränderungen der Ökosysteme] erschweren den Fischen ihre
       Wanderungen. Andere Forschende wiesen in einem Kommentar darauf hin, dass
       das CMS-Abkommen zum Schutz wandernder Tiere Süßwasserfische nicht genug
       berücksichtige.
       
       Die Veröffentlichung steht im Kontext der 15. Vertragsstaatenkonferenz,
       kurz COP, des sogenannten Übereinkommens zur Erhaltung wandernder
       wildlebender Tierarten (CMS) im brasilianischen Campo Grande. Hier will die
       Weltgemeinschaft Maßnahmen gegen den Verfall von Ökosystemen und den
       Verlust der Artenvielfalt aushandeln. Die Staaten wollen mehr wandernde
       Tierarten unter Schutz stellen, illegale Jagd bekämpfen und den weiteren
       Verlust von Lebensräumen bremsen.
       
       Der Zustand wandernder Tierarten ist kritisch: Knapp die Hälfte der durch
       das Abkommen geschützten Arten erleidet schrumpfende Bestände. Ein knappes
       Viertel wandernder Tiere ist vom Aussterben bedroht. Ihr Schutz ist
       besonders schwierig, da sich ihre Wanderungen häufig über Landesgrenzen
       hinweg erstrecken. Ein umso wichtigeres Forum ist CMS, in dem über 130
       Vertragsstaaten Schutzmaßnahmen im Rahmen des UN-Abkommens aushandeln.
       
       24 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Meeresforschung/!6142378
 (DIR) [2] https://www.cms.int/news/un-vital-freshwater-fish-migrations-are-collapsing
 (DIR) [3] /UN-Bericht-zur-Finanzierung-von-Natur/!6147757
 (DIR) [4] /Studien-zeigen-dramatischere-Klimakrise/!6160431
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tim Feldmann
       
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