# taz.de -- Antisemitismus befürchtet: Prüfstand für die Gesinnung
> Die Filmemacherin Basma al-Sharif bleibt Teil des Osnabrücker European
> Media Art Festival. Stadt und Land warfen ihr Förderung des
> Antisemitismus vor.
(IMG) Bild: Installation „Night Companions“ von Nieves de la Fuente Gutiérrez im Rahmen des 37. European Media Art Festival (Emaf) 2024
[1][Basma al-Sharif: Seit ihrem umstrittenen Auftritt an der Kunstakademie
Düsseldorf] Anfang 2026 ist die palästinensisch-US-amerikanische
Filmemacherin für deutsche Kulturveranstalter Gift.
Al-Sharif stehe der israelkritischen Kampagne Boycott, Divestment and
Sanctions (BDS) nahe, heißt es, schüre Antisemitismus, distanziere sich
nicht deutlich von der Gewalt der Hamas. Ein hartes Framing.
Das [2][Osnabrücker European Media Art Festival (Emaf)], das Ende April
beginnt, gibt Al-Sharif trotzdem Raum. Es zeigt ihren Kurzspielfilm
„Morgenkreis“, der sehr empfindsam von Integration und Verlust handelt.
Die Folgen fallen unter die Rubrik Cancel Culture: Die Stadt Osnabrück
straft ihr international renommiertes Festival mit Distanzierung.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hat seine Schirmherrschaft
widerrufen.
Man messe der verfassungsrechtlich garantierten Kunstfreiheit „einen hohen
Wert bei“, schreibt Katja Sauer auf taz-Anfrage, Sprecherin der
Niedersächsischen Staatskanzlei, man respektiere die Entscheidung der
Festivalleitung für das diesjährige Programm des Emaf. Aber: „Zugleich
sieht sich der Niedersächsische Ministerpräsident in der Verantwortung,
klare Haltung gegen jede Form von Antisemitismus zu zeigen und für ein
respektvolles Miteinander in Niedersachsen einzutreten.“
Lies habe seine Schirmherrschaft nur für das diesjährige Festival
widerrufen. „Die Förderung des Emaf durch das Land Niedersachsen“, stellt
Sauer klar, „steht dadurch nicht in Frage“.
## Hier wird eine Weltanschauung bewertet
„Morgenkreis“ steht dabei nicht in der Kritik. Es geht um Al-Sharifs
politische Positionierung in Social-Media-Posts, sämtlich durch die
Meinungsfreiheit gedeckt. Hier greift also keine Werkdiskussion, hier wird
eine Weltanschauung bewertet.
Al-Sharifs Haltung stehe „im Widerspruch zu den Werten der Stadt
Osnabrück“, schreibt Arne Köhler der taz, Sprecher der Stadt. Die
Verantwortung für die Programmauswahl liege allein bei der Festivalleitung.
„Die Stadt respektiert diese Unabhängigkeit, distanziert sich jedoch
ausdrücklich von der inhaltlichen Entscheidung.“ Ein Eingriff in die
Kunstfreiheit lasse sich daraus nicht ableiten.
„Kunst- und Meinungsfreiheit sind für mich ein hohes Gut“, sagt Osnabrücks
Kulturdezernent Wolfgang Beckermann der taz. „Aber ich hätte mir gewünscht,
dass die Festivalleitung auf Al-Sharifs Beitrag verzichtet. Die Gefahr ist
ja, dass so Narrative entstehen, die den Antisemitismus fördern.“
[3][Wie Wolfram Weimer aufzutreten, der Beauftragte der Bundesregierung für
Kultur und Medien], der jüngst drei politisch linke Buchhandlungen von der
Preisträgerliste des Deutschen Buchhandelspreises strich, liege ihm fern,
betont Beckermann.
Die rund 150.000 Euro pro Jahr, mit denen die Stadt Osnabrück das Emaf
fördert, stehen daher nicht auf der Kippe – bisher. „Die kritische Haltung
der Stadt in diesem konkreten Fall“, betont Stadtsprecher Köhler, bestehe
„völlig unabhängig von der laufenden Förderung“.
„Leider geht in dieser aufgeheizten Diskussion verloren, dass der
Themenschwerpunkt des Festivals, ‚An Incomplete Assembly‘, genau diese
Prozesse adressiert“, sagt Katrin Mundt, die Künstlerische Leitung des
Emaf, der taz.
„Wir fragen in ihm: Welche Verantwortung haben Kunst- und politische
Institutionen, wenn es um die Kunstfreiheit geht? Wo müssen wir sagen:
Finger weg, das ist unser Programm, das ist unser Gast, und den laden wir
nicht aus?“ Mundt bitter: „Es hat Ironie, dass wir gewissermaßen mit Ansage
unser eigenes Beispiel werden.“
Dass es heiße, das Emaf habe Al-Sharif klandestin ins Programm genommen,
undercover, in der Hoffnung, ein Skandal bleibe aus, sei „natürlich
Unsinn“, sagt Mundt. „Wir wussten um die Dynamiken, die entstehen können.“
Aber rechtlich sei alles unbedenklich, und das Kuratorium stehe voll und
ganz hinter Al-Sharifs Werk. „Seit Jahren zeigen wir ihre Filme. Und die
waren nicht nur von uns ausgewählt, auch von jüdischen Israelis“, sagt
Mundt.
Die Stadt habe das Emaf vorab gefragt, ob es Strittiges gebe, sagt
Beckermann. Das sei verneint worden. Mundt: „Hätten wir der Stadt gesagt,
hört mal, wir zeigen da einen Film von Al-Sharif, und in Düsseldorf läuft
gerade ein Riesenskandal zu ihr, hätten wir jemanden als Problem markiert –
aber genau dieser Dynamik wollen wir ja entgegenwirken.“
## Zu Halloween mit dem Hamas-Dreieck
Das Emaf habe oft mit palästinensischen KünstlerInnen zusammengearbeitet.
Es seien immer auch jüdische Positionen im Programm gewesen, israelische.
„Und es gab immer friedlichen, toleranten Austausch“, sagt Mundt. „Das
Schreckgespenst, dass wir Antisemitismus schüren, nur weil dieser Name im
Programm steht, hat keine Grundlage.“
Man müsse mit Al-Sharifs Social-Media-Posts nicht einverstanden sein. Aber
man müsse sie differenziert interpretieren. „Etwa dieses Foto, das sie an
Halloween zeigt, in einem Kostüm mit aufgenähtem roten Dreieck.
Dass eine palästinensische Künstlerin sich so [4][mit propalästinensischen
Insignien zeigt], ist durchaus doppelbödig, denn zu Halloween kleidet man
sich in Horrorkostüme. Das lässt sich auch lesen als: Ich weiß, dass ich
für manche jetzt eine Horrorfigur bin.“ Al-Sharif sei „viel zu klug“, um
solche Doppelbödigkeiten nicht mitzudenken.
[5][Thomas Groß, in Osnabrück in der anstehenden Kommunalwahl
Oberbürgermeisterkandidat für Die Linke]: „Es dient nicht dem Frieden im
Nahen Osten, wenn man die palästinensische Seite unter dem Deckmantel der
Bekämpfung des Antisemitismus weitgehend mundtot macht.“
1 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Debatte-um-Kunstakademie-Duesseldorf/!6163777
(DIR) [2] /European-Media-Art-Festival-in-Osnabrueck/!5929470
(DIR) [3] /BKM-laesst-Jury-Listen-erstellen/!6164851
(DIR) [4] /Erfahrungen-palaestinensischer-Schueler/!6161128
(DIR) [5] https://www.dielinke-osnabrueck.de/
## AUTOREN
(DIR) Harff-Peter Schönherr
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