# taz.de -- Europäische Unternehmensform: Schnell und für 100 Euro gründen: „EU Inc.“ vorgestellt
> Die EU-Kommission will einfache Bedingungen für Gründer*innen, um sich
> etwa gegenüber den USA zu behaupten. Gewerkschaften sind teils skeptisch.
(IMG) Bild: Gründen soll einfacher werden in der EU. Na dann
afp | Schneller gründen, einfacher Investitionen an Land ziehen: Die neue
Unternehmensform „EU Inc.“ soll Start-ups beim Wachsen helfen und sie damit
in der [1][Europäischen Union] halten. „Jeder Unternehmer wird innerhalb
von 48 Stunden eine Firma gründen können, vollständig digital und von jedem
Ort in der Europäischen Union aus“, erklärte EU-Kommissionspräsidentin
[2][Ursula von der Leyen] am Mittwoch. Sie stellte „EU Inc.“ in Brüssel
vor.
Bislang gibt es in den 27 EU-Staaten nach Kommissionsangaben mehr als 60
verschiedene Unternehmensformen, für eine deutsche GmbH gelten andere
Regeln als für eine vergleichbare Firma in Frankreich oder Irland. Für
kleine Unternehmen ist es deshalb kompliziert, in einem anderen EU-Land
einen Standort aufzubauen. Investoren aus anderen Staaten sind bisweilen
skeptisch.
Die Kommission will nun eine zentrale Internetseite aufsetzen, wo sich
Unternehmerinnen und Unternehmer registrieren können, für maximal 100 Euro
und innerhalb von zwei Tagen. Die Informationen sollen nach Vorstellung der
Kommission automatisch an nationale Register in allen 27 Staaten fließen.
Die neue Firma soll ohne weitere Anträge Steuer- und Umsatzsteuernummern
bekommen.
Auch neue Investitionen oder die Übertragung von Anteilen sollen digital
abgewickelt werden können. Das Gleiche gilt für Insolvenzen. „Das
ermöglicht es Gründerinnen und Gründern, innovative Ideen zu testen, und
bei Bedarf von Neuem anzufangen“, teilte die Kommission mit.
## Gewerkschaften besorgt
Die Kommission will so verhindern, dass erfolgreiche Start-ups abwandern
und in den USA oder anderswo weiterwachsen und an die Börse gehen – wie in
der Vergangenheit der Musikstreamingdienst Spotify oder der
Finanzdienstleister Klarna.
Deutsche Wirtschaftsverbände begrüßten, dass die neue Rechtsform allen
Unternehmen offensteht, Start-ups wie bestehenden Firmen. EU Inc. könnte
Unternehmen „die Expansion im Binnenmarkt deutlich erleichtern“, erklärte
der stellvertretende Geschäftsführer des Industrieverbands [3][BDI], Holger
Lösch.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) forderte, die Vorschläge
nun rasch umzusetzen. DIHK-Chefjustiziar Stephan Wernicke warnte davor,
„Sonderinteressen im Arbeitsrecht, im Insolvenzrecht oder im
Finanzierungsrecht zu Voraussetzungen des Gesamtprojekts zu machen“ und die
Rechtsform damit zu verkomplizieren. In den vergangenen Jahrzehnten gab es
schon einmal eine einheitliche EU-Rechtsform, die wegen hoher Hürden kaum
genutzt wurde.
Gewerkschaftsverbände hatten im Vorfeld gemahnt, die neue Unternehmensform
dürfe nicht die Arbeitsrechte der verschiedenen Länder untergraben. Die
Kommission schlägt nun vor, dass für Beschäftigte die Gesetze des Landes
gelten, wo sie den Großteil ihrer Arbeit erledigen. Das betrifft etwa den
Mindestlohn, Arbeitszeiten, Sicherheitsvorkehrungen und Betriebsräte.
Die Vorschläge aus Brüssel gehen nun in die Verhandlungen im
Europaparlament und im Rat der 27 Mitgliedstaaten. Der Rat hat sich zum
Ziel gesetzt, die neue Rechtsform bis Jahresende zu beschließen – in jedem
Fall dürften die Beratungen aber mehrere Monate dauern.
18 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Europaeische-Union/!t5013441
(DIR) [2] /Ursula-von-der-Leyen/!t5008988
(DIR) [3] /BDI/!t5035304
## TAGS
(DIR) Europäische Union
(DIR) Ursula von der Leyen
(DIR) Wirtschaftspolitik
(DIR) Start-Up
(DIR) Unternehmen
(DIR) EU-Kommission
(DIR) Stefanie Hubig
(DIR) Ampel-Koalition
(DIR) Gemeinwohl
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Neue Unternehmensform: Gewinne zurück in die Konzerne
Justizministerin Hubig bringt eine neue Unternehmensform auf den Weg. Sie
soll einer Genossenschaft ähneln und sich an ihren Mitgliedern orientieren.
(DIR) Neue Rechtsform für Unternehmen: Profite einzig für die Firma
Eine neue Rechtsform soll verhindern, dass Einzelne aus Unternehmen
beliebig Geld abziehen können. Streit gibt es aber noch um das Wie.
(DIR) Firmen fordern neue Unternehmensform: Wenn Gewinn nicht alles sein soll
Hunderte Firmen fordern eine neue Unternehmensform, die Profit nicht ins
Zentrum stellt. Die Ampel-Koalition ist dafür – eigentlich.