# taz.de -- Nordkorea hilft Russland: Sie kämpfen mit veralteter Munition
> 2025 war Nordkorea ein wichtiger Munitionslieferant für Russland. Laut
> Recherchen sind diese Lieferungen inzwischen stark zurückgegangen – mit
> drastischen Folgen.
(IMG) Bild: So sehen sympathische Menschen aus: Putin und Kim Jong Un im Juni 2024 im Kreml
Die taz präsentiert unter [1][taz.de/unserfenster] jeden Mittwoch eine
wöchentliche Auswahl aktueller Berichte aus russischen kritischen Medien.
Mit diesem Projekt stärkt die taz Panter Stiftung unabhängigen Journalismus
und ermöglicht es kritischen Redaktionen, ihre Arbeit auch unter
schwierigen Bedingungen fortzuführen.
IStories öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland. Die
ganze Recherche ist [2][auf Russisch] und [3][Englisch verfügbar.]
Innerhalb von nur zweieinhalb Jahren [4][hat Nordkorea] der russischen
Armee offenbar große Mengen an Munition geliefert. Mindestens 112 Fahrten
sollen vier russische Schiffe unternommen haben. Zwischen 8 und 11
Millionen Artilleriegeschosse und Raketen sollen von Pjöngjang nach
Russland transportiert worden sein.
Nun zeigen exklusive Recherchen der unabhängigen Redaktion IStories, wie
umfangreich diese Lieferungen tatsächlich sind. Den Journalist:innen
liegen detaillierte Daten zu sämtlichen Bewegungen der russischen
Frachtschiffe vor, die für den Transport der Waffen eingesetzt wurden. In
Zusammenarbeit mit Forscher:innen des Open Source Center konnte die
Redaktion die Routen der Schiffe rekonstruieren und die Lieferketten
nachvollziehen.
Als der ukrainische Militärnachrichtendienst (GUR) im September 2023
berichtete, dass Waffen aus Nordkorea nach Russland geliefert würden, hatte
das Frachtschiff „Angara“ bereits einen festen Fahrplan: Jede Woche
durchlief das Schiff montags oder dienstags eine Zollkontrolle in
Wladiwostok und fuhr anschließend zum nahegelegenen Militärhafen Dunaj, der
zu Sowjetzeiten als U-Boot-Stützpunkt diente. Dort wurden die mit Waffen
beladenen Container auf eine Eisenbahnstrecke verladen, um sie mit Zügen in
Lager in den Westen Russlands zu transportieren.
Anfang 2025 hatte Munition aus Nordkorea für die russische Armee enorme
Bedeutung. Sie machte zwischen 75 Prozent und 100 Prozent aller täglich
abgefeuerten Geschosse [5][im russischen Angriffskrieg in der Ukraine aus],
sagen Berichte russischer Artilleristen, die der Nachrichtenagentur Reuters
vorlagen.
## Für Social Media machten Seeleute verbotenerweise Fotos
Die Redaktion von IStories hat in den Unterlagen die Namen von 145
russischen Seeleuten gefunden, die an Fahrten nach Nordkorea beteiligt
waren. Die Identität von mehr als 100 von ihnen konnte bestätigt werden.
Zudem wurden ihre Profile in den sozialen Netzwerken gefunden.
Die meisten Besatzungsmitglieder waren zuvor im kommerziellen
Schiffsverkehr tätig. Unter ihnen befinden sich jedoch auch frisch
gebackene Absolvent:innen von Seefahrtschulen, für die der Transport
von Waffen aus Nordkorea die ersten internationalen Fahrten waren.
Offizielle Anweisung war offenbar, das Mobiltelefon gegen Unterschrift
abzugeben, was viele der Seeleute aber ignoriert hätten. Im Internet
veröffentlichten sie mehr als 60 Fotos und Videos von ihren Fahrten aus
Nordkorea. Offenbar wollten sich erfahrene Kapitän:innen und die
Absolvent:innen in den sozialen Netzwerken präsentieren. Dafür machten
sie Fotos mit Blick auf den Militärhafen Dunaj und Videos, auf denen
anlegende russische Schiffe zu sehen sind.
Ende November 2025 sollen die Munitionslieferungen aus Nordkorea nach
Russland dann deutlich zurückgegangen sein. Laut den Recherchen von
IStories haben sie sich mehr als halbiert. Auch die Logistik ist offenbar
betroffen: Die Zahl der an den Transporten beteiligten Schiffe soll sich
ebenfalls halbiert haben.
Laut Einschätzung des ukrainischen Geheimdienstes sind die nordkoreanischen
Bestände inzwischen so weit erschöpft, dass Russland zunehmend veraltete
und kaum einsatzfähige Munition erhält. Demnach muss mittlerweile jede
zweite Granate zunächst in russischen Fabriken aufbereitet werden, bevor
sie verwendet werden kann.
Mit Ihrer [6][Spende an die taz Panter Stiftung] helfen Sie, kritischen
Journalismus zu stärken und auch unter schwierigen Bedingungen zu
ermöglichen.
18 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Unser-Fenster-nach-Russland/!t5916992
(DIR) [2] https://istories.media/stories/2026/03/16/kak-severnaya-koreya-postavlyala-snaryadi-rossii/
(DIR) [3] https://istories.media/en/stories/2026/03/16/how-north-korea-armed-russia/
(DIR) [4] /Nordkorea/!t5008169
(DIR) [5] /Schwerpunkt-Krieg-in-der-Ukraine/!t5008150
(DIR) [6] https://secure.spendenbank.de/form/1705?langid=1--
## AUTOREN
(DIR) Tigran Petrosyan
## TAGS
(DIR) Unser Fenster nach Russland
(DIR) Munition
(DIR) Nordkorea
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) GNS
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Nordkorea
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Unser Fenster nach Russland
(DIR) Ungarn
(DIR) Unser Fenster nach Russland
(DIR) Unser Fenster nach Russland
(DIR) Podcast „Freie Rede“
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Umstrittene Streubomben: Nordkorea will Streumunition getestet haben
Pjöngjang behauptet, mehrere neue Waffensysteme getestet zu haben.
Unterdessen ist Chinas Außenminister Wang Yi nach Nordkorea aufgebrochen.
(DIR) Irisches Aluminium für Russland: „Das könnte die Ziele der Nato untergraben“
Russland ist der größte Absatzmarkt für irisches Aluminiumoxid, das für die
Waffenherstellung benötigt wird. Trotzdem unterläuft Irland damit keine
EU-Sanktionen.
(DIR) Preise für russisches Öl steigen: Wie der Irankrieg den russischen Haushalt rettet
Russland profitiert vom Krieg in Nahost, weil seine Erdöllieferungen nicht
von der Straße von Hormus abhängig sind. Doch dem Kremlregime droht bereits
ein neues Problem.
(DIR) EU-Gipfel und Ukrainekredite: Merz nennt Ungarns Vorgehen „Akt grober Illoyalität“
Viktor Orbán nimmt die EU und die Ukraine in Geiselhaft. Beim Gipfel in
Brüssel sollte er unter Druck gesetzt werden. Doch das Ergebnis ist
ernüchternd.
(DIR) Justiz in Russland: Wie Trickbetrüger Russen zur Brandstiftung anstachelten
Vor einiger Zeit ging ein Phänomen durch Russland: Telefonbetrüger
stifteten Menschen zu Anschlägen an. Manche von ihnen werden wegen
Terrorismus angeklagt.
(DIR) Wenn einen der Krieg nicht mehr loslässt: Die „Mutter eines Helden“ hat nicht zu weinen
Wer steht den Müttern und Ehefrauen von Soldaten in Russland bei? Zum
Beispiel eine Chat-App, die Hilfe verspricht – und den Frauen Gehorsam
eintrichtert.
(DIR) Unser Fenster in die Ukraine: Vier Jahre Krieg – Medien im Exil
Leben und arbeiten im Exil: Ukrainische Medienschaffende sprechen über
Krieg, geopolitische Risiken und die Rolle der russischen Sprache.