# taz.de -- Justiz in Russland: Wie Trickbetrüger Russen zur Brandstiftung anstachelten
       
       > Vor einiger Zeit ging ein Phänomen durch Russland: Telefonbetrüger
       > stifteten Menschen zu Anschlägen an. Manche von ihnen werden wegen
       > Terrorismus angeklagt.
       
 (IMG) Bild: Unter den Brandstiftern befanden sich sowohl Schüler als auch 80-jährige Rentnerinnen (Symbolbild)
       
       Die taz präsentiert unter [1][taz.de/unserfenster] jeden Mittwoch eine
       wöchentliche Auswahl aktueller Berichte aus russischen kritischen Medien.
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       Mediazona öffnet [2][mit dem folgenden Beitrag] ein Fenster nach Russland. 
       
       Im Dezember 2024 gab es in Russland viele Brandanschläge. Sie [3][standen
       im Zusammenhang mit ukrainischen Telefonbetrügern] – die diese Menschen zu
       solchen Taten angestiftet haben sollen.
       
       Innerhalb von zwei Wochen – vom 13. bis 27. Dezember – wurden 59 solcher
       Angriffe in 21 Regionen Russlands registriert. Das war die größte Welle
       dieser Art bisher. Sie wurden von ganz unterschiedlichen Menschen verübt:
       Unter den Brandstiftern befanden sich sowohl Schüler als auch 80-jährige
       Rentnerinnen. Ziele der Brandstiftungen waren Banken, Postämter,
       Polizeidienststellen und Polizeiautos, Militärkommissariate und
       Einkaufszentren. Eine Frau zündete auf Anweisung der Betrüger
       Feuerwerkskörper am Weihnachtsbaum auf dem Roten Platz in Moskau.
       
       Die unabhängige russische Medienplattform Mediazona untersuchte, was mit
       den festgenommenen Personen passiert ist. Dabei stellte sich heraus, dass
       die russischen Behörden diese ähnlichen Taten sehr unterschiedlich
       bewerten. Manchmal wurden sie einfach als Brandstiftung eingestuft,
       manchmal jedoch als Terrorismus – ohne eine klare oder nachvollziehbare
       Begründung.
       
       Diese unterschiedliche Einstufung hat große Folgen für das Strafmaß: Manche
       Täter bekommen nur eine Geldstrafe oder eine Bewährungsstrafe. Andere
       werden jedoch wegen Terrorismus angeklagt – und in diesem Fall drohen
       mindestens zehn Jahre Haft in einer Strafkolonie. Für ältere Menschen kann
       eine so lange Strafe praktisch lebenslange Haft bedeuten.
       
       Die 22-jährige Mitarbeiterin eines Sushi-Restaurants namens Elizaveta
       Mironova aus Krasnojarsk wurde von Telefonbetrügern dazu überredet, eine
       Tankstelle in Brand zu setzen. Die Anrufer verwendeten dabei ein
       Standardverfahren: Sie gaben sich als Mitarbeiter der Zentralbank aus und
       versicherten der jungen Frau, dass sie an einer „Sonderoperation“ zur
       Festnahme von Betrügern beteiligt sei. Für ihre Mitarbeit an der Festnahme
       der Kriminellen versprachen sie ihr eine Million Rubel (etwa 11.000 Euro).
       
       Ende Dezember 2024 beendete Mironowa ihre Schicht im Restaurant, erhielt
       ihren Lohn und gab das Geld für die Zutaten für Molotowcocktails aus. Alle
       Anweisungen erhielt sie per Telefon. Am 25. Dezember packte sie die
       Flaschen in eine Tasche und fuhr zur Tankstelle „Midas“ in der
       Popowa-Straße – dort sollen sich die Betrüger versteckt haben.
       
       Sie warf Molotowcocktails auf die Tankstelle, und es kam zu einem Brand.
       Die Flammen konnten sich nicht ausbreiten, es gab keine Explosion, und die
       Mitarbeiter der Reifenwerkstatt löschten das Feuer.
       
       Doch nicht jeder Fall geht so aus. Die Frau eines Mitarbeiters des Moskauer
       Flughafens Vnukovo, Ivan Zelinsky, erinnerte sich vor Gericht daran, dass
       dieser am Vorabend des neuen Jahres 2024 „vielleicht etwas verstimmt“ war
       und ständig mit jemandem telefonierte.
       
       Am 24. Dezember fuhr er dann mit seinem Auto zur Moskauer
       Polizeidienststelle im Bezirk Arbat und warf zwei Molotowcocktails auf ein
       in der Nähe geparktes Polizeiauto; beide zerschellten auf dem Asphalt.
       
       Später erklärte der Mann den Ermittlern, er sei überzeugt gewesen, einen
       Auftrag des „Mitarbeiters des militärischen Geheimdienstes FSB Chlebnikow“
       auszuführen. So stellte sich der Mann vor, mit dem der ältere Moskauer in
       den letzten vier Monaten über Whatsapp kommuniziert hatte.
       
       Zelinskys Frau betonte vor Gericht: Ihr Mann sei gegenüber
       Staatsbediensteten stets „respektvoll“ gewesen und habe „die
       Selbstverteidigungskräfte unterstützt“ – gemeinsam sammelten sie Geld für
       Medikamente für russische Soldaten.
       
       Der Rentner wurde wegen eines Terroranschlags zu 16 Jahren Haft verurteilt.
       Nach der Interpretation der Ermittlungsbehörden wurde Zelinsky von
       Unbekannten angeworben und sollte einen Terroranschlag verüben, um „die
       Behörden und ihre Unfähigkeit, Menschen und Eigentum zu schützen, zu
       diskreditieren“.Vor Gericht erklärte Zelinsky, dass er zunächst selbst zum
       unfreiwilligen Helfer der Betrüger gemacht worden sei – er habe einen
       anderen betrogenen Moskauer zum Ort der Geldübergabe gefahren. Er glaubte,
       dass er als Reserveoffizier der „militärischen Spionageabwehr“ half.
       
       Am Silvesterabend überredeten sie ihn dann, angeblich die Bereitschaft des
       Innenministeriums zu Provokationen zu überprüfen. Außerdem drohten die
       Betrüger, seiner Frau Schaden zuzufügen – sie schickten Zelinsky ein Video,
       in dem sie von Unbekannten bis zu ihrem Haus verfolgt wurde.
       
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       11 Mar 2026
       
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