# taz.de -- Irisches Aluminium für Russland: „Das könnte die Ziele der Nato untergraben“
> Russland ist der größte Absatzmarkt für irisches Aluminiumoxid, das für
> die Waffenherstellung benötigt wird. Trotzdem unterläuft Irland damit
> keine EU-Sanktionen.
(IMG) Bild: Rotes Laterit-Gestein, eine Form von Bauxit, wie es auf Irland vorkommt; Bauxit wird zu Aluminium verarbeitet
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wöchentliche Auswahl aktueller Berichte aus russischen kritischen Medien.
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Istories öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland. Die
ganze Recherche [2][ist auf Russisch] und [3][Englisch verfügbar].
Der größte europäische Hersteller von Aluminiumoxid, einem zentralen
Rohstoff für die Aluminiumverhüttung, ist in die Lieferkette der russischen
Rüstungsindustrie eingebunden.
Die Lieferungen stammen aus Irland, genauer gesagt aus dem Werk Aughinish.
Dieses gehört dem Unternehmen Rusal, dessen Gründer Oleg Deripaska auf den
Sanktionslisten der USA und der Europäischen Union steht. Deripaska hatte
bereits 2018 seinen Anteil an En+ reduziert, nachdem er von US-Sanktionen
betroffen war. En+ ist die Muttergesellschaft von Rusal und zählt zu den
weltweit größten Aluminiumproduzenten. Nachdem Deripaska seinen Anteil
verringert hatte, wurden beide Unternehmen von den Sanktionen ausgenommen.
Aluminium ist aufgrund seiner Robustheit und Korrosionsbeständigkeit ein
zentraler Werkstoff für Militärtechnik und damit für den
Verteidigungssektor von großer Bedeutung. Auch die Europäische Kommission
hat die Mitgliedstaaten dazu aufgerufen, entsprechende Vorräte anzulegen.
Das Werk in Aughinish ist ein bedeutender Bestandteil der europäischen
Industrie. Patrick O’Donovan, Minister für Medien, Kommunikation, Kultur
und Sport sowie Abgeordneter des Wahlkreises Limerick, in dem das Werk
liegt, erklärte gegenüber IStories: „Das Werk versorgt Europa mit bis zu 30
Prozent des Aluminiums, das für Bauwesen sowie Luftfahrt- und
Automobilindustrie benötigt wird.“ Zugleich betonte er: Das Werk stehe in
keinerlei Verbindung [4][zur russischen Militärmaschinerie].
Dennoch haben sich [5][seit Beginn der russischen Vollinvasion] in der
Ukraine die Lieferungen von Aluminiumoxid aus diesem Werk nach Russland
mehr als verdoppelt.
## Keine Exportverbote für Aluminiumoxid nach Russland
Im Sommer 2023 fragte die Abgeordnete Réada Cronin während einer
Parlamentsanhörung den Minister für Unternehmen, Handel und Beschäftigung,
Simon Coveney, warum Russland weiterhin der größte Absatzmarkt für irisches
Aluminiumoxid sei. Schließlich könne dieses im russischen Angriffskrieg
verwendet werden. Der Export von Aluminiumoxid verstoße in keiner Weise
gegen das geltende Sanktionsregime, erhielt Cronin als Antwort.
Aluminiumoxid gilt als wichtigster Rohstoff zur Herstellung von Aluminium.
Tatsächlich bestehen in der Europäischen Union keine Exportverbote für
Aluminiumoxid nach Russland. Erst im Februar 2025 untersagte die EU den
Import von Aluminiumoxid aus Russland, um eine Finanzierung des
Angriffskriegs zu verhindern. Für Exporte in die entgegengesetzte Richtung
gelten jedoch keine entsprechenden Sanktionen.
Das Werk in Aughinish exportiert den produzierten Rohstoff weiterhin, wobei
Russland der wichtigste Abnehmer bleibt. Etwa 50 Prozent der Exporte gehen
an russische Rusal-Werke. Laut irischen Zollangaben belief sich der Wert
des Aluminiumoxids, das 2024 aus Irland in die Werke in Krasnojarsk und
Sajanogorsk geliefert wurde, auf über 400 Millionen US-Dollar.
Recherchen von IStories zufolge werden Lieferungen an russische
Rüstungsunternehmen über die formal unabhängige Firma ASK abgewickelt.
Zwischen 2022 und 2024 zahlte ASK mehr als 50 Milliarden Rubel für
Aluminium an die Handelsvertretung von Rusal. Ein erheblicher Teil dieses
Metalls wurde aus Aluminiumoxid hergestellt, das unter anderem aus dem Werk
in Aughinish stammt.
ASK fungiert als Zwischenhändler und verkauft das Aluminium unter anderem
an Unternehmen der russischen Rüstungsindustrie weiter. Laut Finanzdaten
erhielt das Unternehmen in diesem Zeitraum rund 28,5 Milliarden Rubel aus
Verträgen mit Bezug zum Verteidigungssektor – etwa ein Drittel seiner
Gesamteinnahmen. Zu den Kunden zählen Hersteller von Marschflugkörpern,
ballistischen Raketen und Komponenten für Panzer.
Alexander Danilyuk ist ehemaliger Mitarbeiter des ukrainischen
Verteidigungsministeriums und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Royal
United Services Institute in London. Er sagt: „Lieferungen von in der EU
hergestelltem Aluminiumoxid nach Russland könnten die erklärten Ziele der
Nato untergraben: die Ukraine zu unterstützen und Russland in Schach zu
halten.“ Selbst wenn diese Lieferungen formal legal seien, offenbarten sie
Lücken in der europäischen Sanktionspolitik.
Eine Einschränkung der Tätigkeit von Rusal könnte laut Danilyuk
weitreichende Folgen für die Herstellung von Hightechwaffen in Russland
haben: „Das Unternehmen spielt eine so wichtige Rolle in der russischen
Rüstungsproduktion, dass Einschränkungen potenziell zu einem Mangel an
Aluminium und entsprechenden Legierungen führen könnten.“
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1 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tigran Petrosyan
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