# taz.de -- Preise für russisches Öl steigen: Wie der Irankrieg den russischen Haushalt rettet
       
       > Russland profitiert vom Krieg in Nahost, weil seine Erdöllieferungen
       > nicht von der Straße von Hormus abhängig sind. Doch dem Kremlregime droht
       > bereits ein neues Problem.
       
 (IMG) Bild: Ein Tanker mit russischem Öl bei der Ankunft in Indien im März 2026
       
       Die taz präsentiert unter [1][taz.de/unserfenster] jeden Mittwoch eine
       wöchentliche Auswahl aktueller Berichte aus russischen kritischen Medien.
       Mit diesem Projekt stärkt die taz panterstiftung unabhängigen Journalismus
       und ermöglicht es kritischen Redaktionen, ihre Arbeit auch unter
       schwierigen Bedingungen fortzuführen. 
       
       Meduza öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland. Die
       ganze Analyse [2][ist auf Russisch verfügbar].
       
       Russland gilt als einer der Hauptprofiteure des Kriegs im Nahen Osten:
       Seine Öllieferungen sind, anders als bei Saudi-Arabien, Irak, den
       Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen Exporteur:innen, nicht von der
       Straße von Hormus abhängig. Seit Kriegsbeginn Ende Februar ist der Preis
       für die russische Sorte „Urals“ von 45 US-Dollar pro Barrel auf rund 75
       US-Dollar gestiegen. Zugleich haben die USA [3][die Sanktionen gegen
       Russland vorübergehend gelockert].
       
       Wie viel Russland am Krieg der USA und Israels gegen Iran verdient, hängt
       maßgeblich von Dauer und Intensität des Konflikts ab. Eine Eskalation im
       Nahen Osten, die die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzt und die
       Ölnachfrage einbrechen lässt, wäre auch für den Kreml nachteilig.
       Profitabel wäre hingegen ein langwieriger Konflikt, der nicht vollends
       eskaliert, bei dem die Ölpreise einige Zeit auf hohem Niveau bleiben.
       Entweder wegen einer tatsächlichen Blockade der Straße von Hormus oder
       wegen der bloßen Drohung damit.
       
       Es gibt verschiedene Berechnungen, wie der Krieg dem Kreml nutzt. Würde der
       durchschnittliche monatliche Urals-Preis um 10 US-Dollar pro Barrel
       steigen, brächte das dem russischen Staat monatlich Mehreinnahmen in Höhe
       von circa 1,63 Milliarden US-Dollar (etwa 134 Milliarden Rubel). Das hat
       Sergej Wakulenko, Senior Fellow am Berliner Carnegie-Zentrum für Russland-
       und Eurasienstudien, berechnet. Er sagt: „Steigt der Preis um 20 US-Dollar
       und bleibt einen Monat lang auf diesem Niveau, verdient der russische Staat
       rund 3 Milliarden US-Dollar zusätzlich.“ Würde der Preis wiederum um 40
       US-Dollar steigen und ein halbes Jahr auf diesem Niveau bleiben, würde der
       Kreml 38 Milliarden US-Dollar zusätzlich erhalten. Es wäre ein Geldsegen
       für die angeschlagene russische Haushaltskasse.
       
       Sollte der Krieg im Nahen Osten noch Monate andauern, könnte Russland
       tatsächlich seinen Haushaltsplan für 2026 erfüllen. Die [4][russische
       Wirtschaft] allein ist dazu nicht in der Lage. Trotz der Zusatzeinnahmen
       verlangsamt sie sich immer weiter, die Produktion im zivilen Sektor geht
       zurück.
       
       ## Renteneintrittsalter könnte bald erhöht werden
       
       Für 2026 beträgt der geplante russische Gesamthaushalt rund 44,1 Billionen
       Rubel (circa 464 Milliarden US-Dollar). Davon sind etwa 27,8 Billionen
       Rubel für Verteidigung, Sicherheit und Schuldendienst vorgesehen und machen
       damit den größten Teil des Haushalts aus. Für Sozialpolitik sowie zivile
       Bereiche wie Wirtschaft, Gesundheit, Bildung und Infrastruktur bleiben rund
       16,3 Billionen Rubel übrig. Der Anteil für zivile Ausgaben ist im
       internationalen Vergleich eher niedrig.
       
       Der „Ölbonus“ kommt für die russische Wirtschaft unerwartet und könnte die
       Behörden zumindest kurzfristig davon abhalten, bei den Ausgaben zu kürzen.
       Doch die strukturellen Probleme der russischen Wirtschaft bleiben ungelöst.
       Dazu zählen die zunehmende Schwächung des zivilen Sektors, der
       Arbeitskräftemangel, Defizite in den Regionalhaushalten, eine
       flächendeckende Verschuldung und die wachsende Abhängigkeit von China.
       
       Ein weiteres Problem wird bislang kaum öffentlich thematisiert, gewinnt
       unter Ökonom:innen jedoch an Bedeutung: Wegen des demografischen
       Rückgangs, [5][der Verluste unter Männern im erwerbsfähigen Alter] infolge
       [6][der Vollinvasion in der Ukraine], der Emigration wegen des Krieges
       sowie steigender Löhne und Inflation ist das sogenannte Ersatzniveau
       deutlich gesunken. Es beschreibt das Verhältnis von durchschnittlicher
       Rente zu durchschnittlichem Lohn.
       
       Von 2018 bis 2025 fiel das Ersatzniveau von 31 auf 25 Prozent (zum
       Vergleich: 2012 bis 2015 lag es noch bei 35 bis 37 Prozent). Das zeigt,
       dass das Rentensystem zunehmend unter Druck gerät. Womöglich wird das
       Renteneintrittsalter in Russland bald erhöht.
       
       Mit Ihrer [7][Spende an die taz panterstiftung] helfen Sie, kritischen
       Journalismus zu stärken und auch unter schwierigen Bedingungen zu
       ermöglichen.
       
       25 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Unser-Fenster-nach-Russland/!t5916992
 (DIR) [2] https://meduza.io/feature/2026/03/24/voyna-na-blizhnem-vostoke-spasaet-rossiyskiy-byudzhet-dorogaya-neft-mozhet-prinesti-kremlyu-milliardy-dollarov-sverhdohodov
 (DIR) [3] /Meduza-Auswahl-10---16-Juli/!5960744
 (DIR) [4] /Russischer-Arbeitsmarkt-in-der-Krise/!6145482
 (DIR) [5] /Kolumne-Krieg-und-Frieden/!t5839531
 (DIR) [6] /Nordkorea-hilft-Russland/!6163640
 (DIR) [7] https://secure.spendenbank.de/form/1705?langid=1--
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tigran Petrosyan
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Unser Fenster nach Russland
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) GNS
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Russland
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Unser Fenster nach Russland
 (DIR) Russland
 (DIR) Unser Fenster nach Russland
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Irisches Aluminium für Russland: „Das könnte die Ziele der Nato untergraben“
       
       Russland ist der größte Absatzmarkt für irisches Aluminiumoxid, das für die
       Waffenherstellung benötigt wird. Trotzdem unterläuft Irland damit keine
       EU-Sanktionen.
       
 (DIR) Ölpreisschock in Deutschland: Energie verteuert sich im März um 7,2 Prozent
       
       Der Iran-Krieg treibt schon jetzt die Inflation. Es ist nur eine Frage der
       Zeit, bis auch die Zinsen steigen. Würgt das die aufkeimende Konjunktur ab?
       
 (DIR) Verhandlungen zwischen USA und Iran: Der Mann mit den vielen Gesichtern
       
       Könnte er der Ansprechpartner bei möglichen Verhandlungen über ein
       Kriegsende sein? Irans Parlamentspräsident Ghalibaf gilt als pragmatisch –
       und brutal.
       
 (DIR) Nordkorea hilft Russland: Sie kämpfen mit veralteter Munition
       
       2025 war Nordkorea ein wichtiger Munitionslieferant für Russland. Laut
       Recherchen sind diese Lieferungen inzwischen stark zurückgegangen – mit
       drastischen Folgen.
       
 (DIR) Wen Russland für den Krieg rekrutiert: Stanislav weiß nicht, wofür er kämpft
       
       Daten aus dem Moskauer Rathaus zeigen: Potenzielle Rekruten werden – trotz
       dass sie offensichtlich einfache Fragen nicht beantworten können – in den
       Dienst der Armee gestellt.
       
 (DIR) Krise auf dem russischen Arbeitsmarkt: Letzter Ausweg Krieg
       
       Während der russische Arbeitsmarkt in einer tiefen Krise steckt, lebt der
       Kreml in einer Fantasiewelt. Wie die Kriegswirtschaft den zivilen Sektor in
       Russland aushöhlt.