# taz.de -- Vor EU-Gipfel in Brüssel: Lösung in Sicht für Druschba-Pipeline?
       
       > Der ukrainische Präsident Selenskyj stimmt dem Angebot aus Brüssel für
       > Reparatur der Pipeline zu. Doch für Ungarn ist der Fall noch nicht
       > erledigt.
       
 (IMG) Bild: Empfangsstation der Druschba-Pipeline südlich von Budapest in Ungarn
       
       Das Thema sollte längst abgeräumt sein. Doch nun kommt das 90 Milliarden
       Euro schwere Darlehen der EU für die Ukraine wieder auf die Tagesordnung
       des EU-Gipfels. Kurz vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs, das
       am Donnerstag in Brüssel beginnt, hat die EU-Spitze in letzter Minute einen
       womöglich letzten Vorstoß gemacht, der die Blockade des Hilfskredits
       beenden soll.
       
       Es geht um die Druschba-Pipeline. Durch diese Röhre werden Ungarn und die
       Slowakei mit Öl aus Russland versorgt – doch nach mehreren Zwischenfällen
       ist der Zufluss durch die Ukraine unterbrochen. Dies führte zu dem „Nein“
       von Viktor Orbán und Robert Fico bei der Umsetzung des Ukrainekredits.
       Beide Regierungschefs sind auch bei anderen Themen als Blockierer bekannt.
       
       Die EU-Spitze weigerte sich lange, sich des Streits anzunehmen. Sie ergriff
       Partei für die Ukraine – doch kurz vor dem EU-Gipfel kam nun die
       überraschende Wende. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und
       Ratspräsident Antonio Costa bieten jetzt an, im Streit über die
       Druschba-Pipeline zu schlichten. Sie wollen Experten in die Ukraine
       schicken und für die offenbar fälligen Reparaturarbeiten zahlen.
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich wochenlang gegen
       Reparaturen gesträubt hatte, nahm das Angebot aus Brüssel an. Allerdings
       werde die Reparatur wohl noch bis Anfang Mai dauern, schreibt Selenskyj in
       einem Antwortbrief an Brüssel, den die EU-Kommission am Dienstag
       veröffentlicht hat. Dieser Termin liegt [1][nach der mit Spannung
       erwarteten Wahl in Ungarn Mitte April.]
       
       ## Blockade soll schon beim EU-Gipfel gelöst werden
       
       Das ist kein Zufall. Selenskyj hofft wohl – wie viele EU-Politiker –darauf,
       dass Regierungschef Viktor Orbán die Wahl verliert und sich das Problem
       damit in Luft auflöst. Allerdings kann die Ukraine nicht so lange auf ihr
       Geld warten; die Kassen in Kyjiw sind schon jetzt bedenklich leer. Der
       Briefwechsel und die Entsendung von Experten soll helfen, die Blockade
       schon beim EU-Gipfel zu lösen.
       
       Sie sei „zuversichtlich, dass wir in diesen Gesprächen bald Fortschritte
       sehen werden“, sagte eine Kommissionssprecherin in Brüssel. Bei der
       Druschba-Pipeline gebe es „eine gewisse Dynamik“, hieß es in deutschen
       Regierungskreisen in Berlin. Und: Die Kuh müsse so schnell wie möglich vom
       Eis. [2][Allerdings denkt Orbán offenbar nicht daran,] auf das Angebot aus
       Brüssel einzugehen und klein beizugeben.
       
       Nach Gesprächen mit Costa und dem slowakischen Regierungschef Robert Fico
       erklärte er, an seiner Haltung habe sich nichts geändert. „Wenn Präsident
       Selenskyj sein Geld aus Brüssel haben will, dann muss die Druschba wieder
       geöffnet werden“, teilte Orbán auf Facebook mit. [3][„Kein Öl, kein Geld“],
       fasste er seine Position zusammen. Ob sich daran beim EU-Gipfel noch etwas
       ändert, ist fraglich.
       
       Klar ist nur, dass Kanzler Friedrich Merz und andere Staats- und
       Regierungschefs ihren Druck auf Orbán nochmals erhöhen werden. Mit seinem
       Nein verstoße Orbán gegen das EU-Prinzip der loyalen Zusammenarbeit, heißt
       es in Berlin. Die EU habe der Ukraine den Milliardenkredit zugesagt und
       müsse nun endlich liefern. Beim EU-Gipfel müsse der Streit endlich gelöst
       werden.
       
       ## Benzinpreisschock und Wettbewerb auf der Agenda
       
       Weitere Themen des Spitzentreffens sind der Irankrieg und die Folgen für
       die Energieversorgung – Stichwort Benzinpreisschock – sowie die
       Wettbewerbsfähigkeit der EU. Bei den Energiepreisen sträubt sich die
       Bundesregierung gegen Eingriffe in den Markt. Hilfen für die Verbraucher
       müssten gezielt erfolgen und zeitlich begrenzt werden. Einen Preisdeckel
       etwa beim Gas lehnt Berlin ab.
       
       Bei der Wettbewerbsfähigkeit hofft die Bundesregierung auf weitgehende,
       industriefreundliche Reformen. Der Entwurf für den Gipfelbeschluss
       entspreche zu 80 bis 90 Prozent den deutschen Vorstellungen, hieß es. Von
       der Leyen hatte sich eng mit Merz und der deutschen Industrie abgestimmt.
       Demgegenüber bekam die Zivilgesellschaft nicht einmal einen Termin in
       Brüssel.
       
       18 Mar 2026
       
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 (DIR) Eric Bonse
       
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