# taz.de -- Nach Streit zwischen Ungarn und Ukraine: Druschba-Pipeline laut Selenskyj repariert
> Kurz vor einem EU-Treffen meldet die Ukraine, dass russisches Öl wieder
> nach Ungarn und die Slowakei fließen kann. Bekommt sie jetzt den
> 90-Milliarden-Kredit?
(IMG) Bild: Laut ukrainischen Angaben soll sie wieder repariert sein: die Druschba-Pipeline, hier beim Bau 1963
afp/rtr | Die von den EU-Ländern Ungarn und Slowakei geforderten russischen
Öllieferungen durch die Druschba-Pipeline können nach Angaben des
ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wieder aufgenommen werden. Die
Ukraine habe die Reparaturarbeiten an der durch russischen Beschuss
beschädigten Pipeline abgeschlossen, sodass sie wieder in Betrieb genommen
werden könne, erklärte Selenskyj am Dienstag in Onlinenetzwerken. Ungarn
hatte mit Verweis auf die ausbleibenden Druschba-Öllieferungen sowohl ein
EU-Darlehen für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro als auch das
neue Sanktionspaket gegen Russland blockiert.
Am Mittwoch sollen die Botschafter der EU-Länder über die Auszahlung des im
Dezember beschlossenen 90-Milliarden-Kredits für die Ukraine abstimmen. Um
die für die Auszahlung notwendige Anpassung des EU-Haushalts zu
beschließen, müssen alle 27 Mitgliedstaaten zustimmen. Die
Druschba-Pipeline transportiert normalerweise russisches Öl durch die
Ukraine nach Ungarn und in die Slowakei. Sie war nach ukrainischen Angaben
im Januar bei einem russischen Angriff beschädigt und deshalb vorübergehend
stillgelegt worden. Ungarn und die Slowakei warfen Kiew vor, Reparaturen an
der Leitung zu verzögern und die mutmaßlichen Schäden als Vorwand für eine
Stilllegung zu nutzen.
## Kreditfreigabe angemahnt
Bundesaußenminister Johann Wadephul mahnt die schnelle Freigabe des
EU-Kredits für die Ukraine im Volumen von 90 Milliarden Euro an. „Die
ungewöhnlichen Blockaden gegen die dringend notwendige
Ukraine-Unterstützung müssen schnellstmöglich aufgelöst werden“, sagt
Wadephul vor einem Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg mit Blick auf
die Abwahl des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban, der die
Auszahlung des Geldes blockiert hatte. „Die Freigabe des
90-Milliarden-Kredites braucht es nicht erst nach dem Regierungswechsel,
sondern sehr schnell“, mahnt Wadephul mit Blick nach Budapest. „Für die
Ukraine geht es um alles.“
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas rechnet nach eigenen Worten bis
Mittwoch mit „positiven Entscheidungen“ über einen Kredit für die Ukraine
in Höhe von 90 Milliarden Euro. „Die Ukraine braucht diesen Kredit
wirklich, und er ist auch ein Zeichen dafür, dass Russland nicht länger
durchhalten kann als die Ukraine“, sagt Kallas vor einem Treffen der
EU-Außenminister in Luxemburg.
## Insider: Russland will kasachische Öllieferungen nach Deutschland
stoppen
Russland will Insidern zufolge ab dem 1. Mai den Transit von kasachischem
Erdöl über seine Druschba-Pipeline nach Deutschland einstellen. Ein
angepasster Exportplan sei bereits an Kasachstan und Deutschland
übermittelt worden, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen aus der
Industrie der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Das russische
Energieministerium reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um
Stellungnahme. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, er wisse davon nichts.
„Wir werden versuchen, das zu prüfen“, fügte er hinzu.
Ein Transitstopp könnte die deutschen Bemühungen um alternative Lieferanten
nach der Abkehr von russischer Energie im Zuge des Ukraine-Kriegs
erschweren, bei denen Kasachstan eine wichtige Rolle spielt. Das
zentralasiatische Land liefert Öl über den nördlichen Strang der russischen
Druschba-Pipeline, der durch Polen verläuft, in die Bundesrepublik. Diese
Exporte beliefen sich im Jahr 2025 auf 2,146 Millionen Tonnen oder rund
43.000 Barrel pro Tag. Dies entspricht einem Anstieg von 44 Prozent im
Vergleich zu 2024.
Das kasachische Rohöl versorgt unter anderem die PCK-Raffinerie im
brandenburgischen Schwedt, eine der größten Anlagen Deutschlands. Die
Bundesregierung hatte den Import von russischem Öl über die Pipeline im
Zuge des 2022 ausgebrochenen Angriffskrieges gegen die Ukraine gestoppt und
als Ersatz auf kasachische Lieferungen gesetzt. Die Beziehungen zwischen
Moskau und Berlin sind wegen der deutschen Unterstützung für die Ukraine
stark angespannt.
Die Bundesregierung hatte zudem 2022 die deutschen Töchter des größten
russischen Ölkonzerns Rosneft unter Treuhandverwaltung gestellt und damit
die jahrzehntelangen Energiebeziehungen zu Russland gekappt. Ukrainische
Drohnenangriffe auf die Pipeline in Russland hatten die Lieferungen in der
jüngeren Vergangenheit wiederholt unterbrochen.
## Angriffe und Geländegewinne
Die Ukraine griff nach Angaben des Geheimdienstes SBU in der Nacht eine
Ölpumpstation in der russischen Region Samara mit Drohnen an. In der
Anlage, die zur Druschba-Pipeline gehört, sei ein Feuer ausgebrochen, teilt
ein SBU-Vertreter mit. Ersten Erkenntnissen zufolge seien fünf Rohöltanks
beschädigt worden. Der Gouverneur von Samara bestätigt einen den
Drohnenangriff auf eine Industrieanlage, nennt aber keine Details. Über die
Druschba-Pipeline beziehen unter anderem Ungarn und die Slowakei russisches
Öl.
Russische Truppen haben nach Angaben von Generalstabschef Waleri Gerassimow
in diesem Jahr bislang 1700 Quadratkilometer ukrainisches Gebiet
eingenommen. Die Streitkräfte rückten in alle Richtungen vor, sagt der
General im Staatsfernsehen.
21 Apr 2026
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