# taz.de -- Unverschämt hohe Spritpreise: Ölkonzerne machen 21 Millionen Euro täglich Zusatzprofit
> Die Preise an den Zapfsäulen steigen stärker als an den Rohölbörsen, so
> eine Greenpeace-Studie. Die Rufe nach einer Übergewinnsteuer werden
> lauter.
(IMG) Bild: Vor allem die hohen Dieselpreise sind ein Problem, weil sie die Transporte von Lebensmitteln und anderen Waren verteuern
Angesichts der hohen Spritpreise in Deutschland werden die Rufe nach einer
Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne lauter. Nach Angaben der
Umweltorganisation Greenpeace verdienen Ölkonzerne in Deutschland seit
Beginn des Irankriegs täglich 21 Millionen Euro zusätzlich. Das geht
[1][aus einer Studie des Energieexperten Steffen Bukold im Auftrag von
Greenpeace] hervor. Danach sind die Spritpreise deutlich stärker
angestiegen als die Preise für Rohöl.
Im Zuge des Irankriegs ist die weltweite Ölversorgung unter Druck geraten.
Der Iran hat den wichtigen Seeweg Straße von Hormus am Persischen Golf
gesperrt und lässt nur wenige, ausgewählte Schiffe passieren. Durch die
Meerenge gelangt etwa 20 Prozent des globalen Ölbedarfs auf den Weltmarkt.
Durch die Blockade gibt es in Asien bereits einen akuten Mangel. [2][Der
Ölpreis] ist von vor dem Krieg von 70 auf jetzt um die 100 Dollar je Barrel
gestiegen.
Europa und Deutschland beziehen ihr Öl weitgehend aus anderen Regionen.
Trotzdem sind vor allem in Deutschland die Preise an den Tankstellen in den
vergangenen zwei Wochen stark gestiegen – obwohl die Bestände noch zu
Vorkriegspreisen eingekauft wurden. Der Greenpeace-Studie zufolge haben die
Ölkonzerne durch die Preisanhebungen seit Kriegsbeginn zusätzlich mit dem
Verkauf von Diesel täglich 17,9 Millionen Euro und mit dem Absatz von
Benzin pro Tag 3,2 Millionen Euro Gewinn gemacht.
Die Studie widerlegt die Behauptung der Ölbranche, sie gebe mit den
Preiserhöhungen nur die Bewegungen auf dem Weltmarkt weiter. Auch ihr
Argument, die Tarife an den Zapfsäulen müssten vorsorglich steigen, weil
die Dauer der Blockade nicht absehbar und die Neubeschaffung ansonsten
nicht gesichert sei, lässt Autor Bukold nicht gelten. „Hier wird das
unternehmerische Risiko auf die Verbraucher abgewälzt“, heißt es in der
Studie. Um mögliche Gewinneinbußen in Zukunft von vornherein
auszuschließen, würden die Gewinnmargen schon jetzt ausgeweitet. „Das
widerspricht nicht, sondern bestätigt die These, dass in der aktuellen
Marktphase Übergewinne erzielt werden“, schreibt Bukold.
## Übergewinne abschöpfen
Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, nicht tatenlos zuzusehen. „Die
Bundesregierung muss diese unmoralischen Übergewinne abschöpfen und das
Geld so investieren, dass wir künftig unabhängiger werden von fossilen
Abzockern und Kriegsprofiteuren“, fordert Greenpeace-Verkehrsexpertin Lena
Donat. Sie macht Vorschläge für die Verwendung: Die 21 Millionen Euro an
Übergewinnen könnte die Bundesregierung nutzen, um jeden Tag 1.300 kleine
E-Autos zu verschenken oder 840 Haushalten den Einbau einer Wärmepumpe zu
finanzieren.
Die Linkspartei im Bundestag bekräftigt ihre Forderung nach einer
Übergewinnsteuer für Ölkonzerne. „Die Bundesregierung darf nicht zusehen,
wenn Konzerne Krisen zum lukrativen Geschäftsmodell machen“, sagte die
erste parlamentarische Geschäftsführerin Ina Latendorf am Montag. Auch die
Grünen sind für eine Übergewinnsteuer für Ölkonzerne.
Vor allem die hohen Dieselpreise sind ein Problem, weil sie die Transporte
von Lebensmitteln und anderen Waren verteuern, was die Inflation anheizt.
Das Transportgewerbe warnt davor, dass Unternehmen die hohen Dieselpreise
nicht stemmen können. Nach Angaben des Logistikverbands BGL macht der
Kraftstoffaufwand rund ein Drittel der gesamten Transportkosten aus.
## Gespräch ohne Ergebnis
Am Montag hat sich die von der Regierungskoalition eingerichtete
Energiepreis-Taskforce mit Repräsentanten der Mineralölbranche getroffen.
Den Konzernvertretern sei es nicht gelungen, ihre Preisgestaltung
glaubwürdig zu erklären, sagte der SPD-Abgeordnete Armand Zorn im
Anschluss. In der vergangenen Woche hatte [3][ein Bericht der
Monopolkommission der Bundesregierung gezeigt, dass die Spritpreise in
Deutschland im EU-Vergleich am stärksten gestiegen] sind.
16 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.greenpeace.de/publikationen/Uebergewinne_im_Tankstellenmarkt.pdf?utm_campaign=verkehr&utm_source=www.greenpeace.de&utm_medium=referral&utm_content=press-release
(DIR) [2] /Oelpreis/!t5008367
(DIR) [3] /Deutsche-Spritpreise-sind-EU-weit-am-staerksten-gestiegen/!6161978
## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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