# taz.de -- Kosten für Benzin und Diesel: Regierung will Kartellrecht verschärfen
> Schwarz-Rot will mehr Rechte fürs Kartellamt und strengere Regeln für
> Ölkonzerne. Derweil fahren die Deutschen trotz hoher Preise nicht weniger
> Auto.
(IMG) Bild: Fossiles Autofahren ist immer klimaschädlich – und aktuell auch echt teuer
dpa/taz | Die Bundesregierung will als Reaktion auf Kritik an
[1][deutlichen Preissteigerungen] an den Tankstellen seit dem
[2][Iran-Krieg] das Kartellrecht verschärfen. Zudem bringt die Regierung
die geplante neue Regel auf den Weg, dass Tankstellen nur noch einmal am
Tag die Preise erhöhen dürfen – und zwar um 12 Uhr. Für entsprechende
Gesetzesänderungen wurde am Sonntag die Ressortabstimmung eingeleitet,
sagte ein Sprecher der Bundesregierung.
Im Kartellrecht soll konkret die Missbrauchsaufsicht im Kraftstoffsektor
verschärft werden. Dem Bundeskartellamt soll ermöglicht werden, einfacher
gegen marktbeherrschende Unternehmen aus dem Kraftstoffbereich vorzugehen,
wenn Hinweise auf unangemessen hohe Preise vorliegen. Zudem soll das
Verfahren vereinfacht werden, um strukturelle Störungen des Wettbewerbs
festzustellen und zu beheben.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte angekündigt, die
Regierung prüfe eine Verschärfung der Missbrauchsaufsicht des Kartellamts
beim Kraftstoffsektor, die zu verschärften Kontrollen bei Kosten und
Preisen führen solle. Politiker hatten Mineralölkonzernen eine „Abzocke“ an
Tankstellen vorgeworfen.
Reiche hatte außerdem die neue „Einmal-täglich-Regel“ an den Tankstellen
nach österreichischem Vorbild angekündigt. Preissenkungen sollen beliebig
oft erlaubt sein. Angestrebt wird, dass die neue Regel vor Ostern greift.
Umstritten ist, ob die neue Regel tatsächlich preisdämpfend wirkt – oder ob
Tankstellen dann zu ihrer einen Gelegenheit am Tag die Preise besonders
kräftig erhöhen.
## Deutsche fahren nicht weniger Auto
Obwohl Autofahrer*innen in ganz Deutschland über die hohen Spritpreise
klagen und zum Großteil noch fossil betriebene Fahrzeuge nutzen, fahren sie
offenbar nicht messbar weniger. Eine Analyse des Navi-Herstellers und damit
Verkehrsdatensammlers Tomtom für die Deutsche Presse-Agentur ergab keinen
relevanten Rückgang der Fahrleistung. Im Gegenteil: Es wurde sogar noch
etwas mehr gefahren.
„Unsere Daten liefern keinen Hinweis darauf, dass die Fahrleistung in der
Hochpreisphase spürbar zurückgegangen ist“, sagt ein TomTom-Sprecher.
„Stattdessen lag sie in den betrachteten Zeiträumen tendenziell höher. Das
könnte mit der typischen saisonalen Belebung der Mobilität im Frühjahr
zusammenhängen. Falls die höheren Spritpreise überhaupt einen kleinen
dämpfenden Effekt hatten, ist er in den Daten jedenfalls nicht erkennbar.“
Offenbar reiche der Anstieg der Preise nicht aus, um eine echte Veränderung
im Verhalten auszulösen. Das deckt sich mit einer ähnlichen Untersuchung
aus der Zeit kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges, als die Spritpreise
ebenfalls massiv gestiegen waren. Damals hatte sich auch in den auf der
Autobahn gefahrenen Geschwindigkeiten kein relevantes spritsparendes
Verhalten erkennen lassen.
Basis der Betrachtung sind die von mehreren Millionen Fahrzeugen
zurückgelegten Strecken, deren Daten Tomtom anonym erfasst. Am 5., 9. und
10. März – also zu Zeiten, als die Spritpreise bereits massiv angezogen
hatten – zeigte sich dabei ein um einige Prozent höheres Fahraufkommen als
am 26. Februar vor Kriegsbeginn sowie dem 2. und 3. März, an denen die
Preise noch bei weitem niedriger waren. Das gilt sowohl für den Vergleich
der drei Tage zusammen, als auch für den Vergleich der jeweils
zusammenpassenden Wochentage.
Das Autofahren gehört zu den Haupttreibern der schlechten Klimabilanz im
deutschen Verkehrssektor. Im vergangenen Jahr stiegen die CO₂-Emissionen in
dem Bereich [3][aufgrund eines wachsenden Verkehrsaufkommens sogar noch
leicht, statt zu sinken].
15 Mar 2026
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