# taz.de -- Repressionen für Migrant*innen: Unabhängige Asylberatung vor dem Aus
> Das Bundesinnenministerium will ab 2027 beratende Unterstützung
> streichen. Die SPD sagt: Das sei in der Koalition nicht abgesprochen
> gewesen.
(IMG) Bild: Wichtiges Papier: Aufklärung zur Asylverfahrensberatung
afp | Das Bundesinnenministerium plant ab 2027 einen Finanzierungs-Stopp
für unabhängige Asylberatung. Das vom CSU-Politiker Alexander Dobrindt
geführte Ministerium habe die zuständigen Verbände der Freien
Wohlfahrtspflege bereits über den geplanten Schritt informiert, berichteten
das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) und das [1][Recherche-Netzwerk
Correctiv] am Samstag. Kritik kam von den betroffenen Einrichtungen und den
Grünen, aber auch von der an der Regierung beteiligten SPD.
Die sogenannten behördenunabhängigen Asylverfahrens-Beratungen waren 2023
von der damaligen Ampel-Koalition eingeführt worden. Laut Paragraf 12a des
Asylgesetzes fördert der Bund demnach eine „behördenunabhängige,
ergebnisoffene, unentgeltliche, individuelle und freiwillige
Asylverfahrensberatung“. Union und SPD hatten sich in ihrem
Koalitionsvertrag darauf verständigt, dieses Beratungsangebot ergebnisoffen
zu evaluieren.
Den Berichten zufolge will das Bundesinnenministerium die Förderung 2027
auslaufen lassen. Ein Ministeriumssprecher wollte dies am Samstag gegenüber
AFP nicht bestätigen. „Entscheidungen über Mittelvergaben finden im Rahmen
der Haushaltsverhandlungen statt“, erklärte der Sprecher. „Die
Haushaltsberatungen für das Jahr 2027 stehen noch bevor.“
Aus der SPD verlautete gegenüber Correctiv, die geplante vollständige
Streichung der Mittel sei in der Koalition nicht abgesprochen gewesen. Die
SPD setze sich „weiter für die unabhängige Asylverfahrensberatung ein“,
sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Hakan Demir zu Correctiv. „Gerade für
vulnerable Gruppen wissen wir, wie wichtig es ist, nicht nur mit
Behördenvertretern über ein anstehendes Asylverfahren zu sprechen.“
## Evaluierungsergebnis
Der Haushaltspolitiker Leon Eckert (Grüne) bestätigte die Information über
den Finanzierungsstopp der Asylberatungen. Das Innenministerium berufe sich
in seiner Entscheidung „auf angebliche Sparzwänge im Einzelplan sowie ein
Evaluierungsergebnis, das es gleichzeitig unter Verschluss hält“, sagte
Eckert dem RND. Innenminister Dobrindt (CSU), der auch die Mittel für
Integrationskurse kürzen will, setze mit dem Schritt „seinen
migrationspolitischen und humanitären Blindflug fort“, kritisierte Eckert.
Der [2][Präsident der Arbeiterwohlfahrt, Michael Groß], bezeichnete die
Pläne als einen „schweren politischen Fehler“. „Nach all den Angriffen auf
das Recht auf Asyl wird nun auch noch aktiv die Zivilgesellschaft aus der
Unterstützung Geflüchteter zurückgedrängt“, sagte er den RND-Zeitungen.
[3][Auch Pro Asyl] zeigte sich schockiert: Unabhängige
Asylverfahrensberatung sei „kein Luxus, sondern eine zentrale
rechtsstaatliche Absicherung im Asylverfahren“, sagte Geschäftsführer Karl
Kopp dem RND. In einem komplexen Verfahren bräuchten Schutzsuchende
behördenunabhängige Orientierung. Wenn diese Beratung wegfalle, verlören
Schutzsuchende „eine der wenigen Strukturen, die Vertrauen schaffen und
einen wirksamen Zugang zum Recht ermöglichen“.
Scharfe Kritik kam auch vom Lesben- und Schwulen-Verband Deutschland. „Das
Ende der behördenunabhängigen Asylverfahrensberatung kann insbesondere für
vulnerable Gruppen wie LSBTIQ* fatale Folgen haben“, sagte
Vorstandsmitglied Patrick Dörr zu Correctiv.
15 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://correctiv.org/aktuelles/asylpolitik/2026/03/13/innenministerium-will-beratungsleistungen-fuer-asylbewerber-streichen/
(DIR) [2] https://awo.org/projekt/asylverfahrensberatung/
(DIR) [3] https://www.proasyl.de/geschaeftsstelle/
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