# taz.de -- Rüstungsproduktion bei VW in Osnabrück: Vom Cabrio zum Armee-Pick-up
> Im VW-Werk Osnabrück endet 2027 die Cabrio-Produktion. Der Konzern prüft
> neue Perspektiven: Militärfahrzeuge und Kooperationen mit der
> Rüstungsindustrie.
(IMG) Bild: Werden hier bald Militärfahrzeuge gebaut? VW-Werk in Osnabrück
Die Autoindustrie kriselt und Volkswagen steht ganz besonders mies da. Die
[1][VW-Geschäftszahlen für 2025] waren so schlecht wie lange nicht. Ein
neues Geschäftsfeld muss also her und das heißt: Militärfahrzeuge. Für den
Standort Osnabrück, dessen zivile Produktion im kommenden Jahr ausläuft,
ist die Rüstungsindustrie längst zur zentralen Zukunftsperspektive
geworden.
Auf der [2][Nürnberger Sicherheits- und Rüstungsmesse „Enforce Tac“]
präsentierte der Konzern Ende Februar gleich zwei militärische
Fahrzeugstudien, die unter Geheimhaltung im Werk Osnabrück entwickelt
wurden. Im Osnabrücker Werk arbeiten derzeit rund 2.300 Beschäftigte.
Hauptprodukt ist das T-Roc-Cabriolet, doch dessen Fertigung läuft nur noch
bis Mitte 2027. Da auch die Produktion einzelner Porsche-Modelle bereits im
Laufe des Jahres 2026 endet, droht dem kleinsten deutschen Fahrzeugwerk von
Volkswagen eine massive Auslastungslücke.
Konzernchef Oliver Blume erklärte bei der jüngsten Bilanzvorlage, man wolle
bis spätestens Ende 2026 final entscheiden, wie es mit dem Werk weitergeht.
Blume betonte dabei, dass man sich in einem „lösungsoffenen Prüfprozess“
befinde, der auch Gespräche mit Rüstungsunternehmen einschließe. VW werde
aber „keine eigene Fahrzeugproduktion weiterführen“, sagte Blume vergangene
Woche der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.
Nach Informationen aus Betriebsratskreisen wird der Werksumbau auf Rüstung
intern aktiv vorangetrieben. Auf einer Betriebsversammlung in der
vorvergangenen Woche deuteten Arbeitnehmervertreter an, dass dies „kein
kurzes Experiment“ in der Verteidigungsproduktion bleibe.
Das Aktionsnetzwerk „Zukunftswerk Osnabrück“ berichtet von einer engen
Abstimmung zwischen Konzernvorstand, Geschäftsführung und Gewerkschaft, um
diesen Transformationsprozess für die Belegschaft abzusichern. IG Metall
und Betriebsrat ließen taz-Anfragen zu den Details bislang unbeantwortet.
Auf der „Enforce Tac“ 2026 sorgte Volkswagen [3][mit den beiden
Konzeptfahrzeugen für Aufsehen]: dem MV.1 auf Basis des Pick-ups Amarok und
dem MV.2 auf Basis des Transporters Crafter. Beide Fahrzeuge trugen statt
des VW-Logos die Bezeichnung „D.E.S. Defence“. Volkswagen erklärt dazu auf
Anfrage, dass die Studien entwickelt wurden, um „mögliche Marktchancen und
Perspektiven auszuloten“, ob daraus konkrete Serienprojekte entstehen, sei
jedoch noch offen. Dass das VW-Logo fehlte, legt die Einordnung in ein
spezielles Segment jenseits des Primärmarktes nahe.
Die Fahrzeuge folgen einem modularen Prinzip: Der MV.1 ist für den Wechsel
zwischen Sanitäts-, Drohnen- und Logistikmodulen ausgelegt und verfügt über
einen Unterbodenschutz gegen Minen. Der MV.2 dient als mobiles
Kommandozentrum. VW stellt auf Anfrage klar, dass militärische Güter oder
sogenannte Dual-Use-Produkte ein „schmales Segment“ der Produktpalette
bilden.
Dass ein Autokonzern militärische Optionen prüft, ist nicht neu. Über die
Holding Traton ist Volkswagen bereits indirekt an militärischer Produktion
beteiligt, da die Tochter MAN Militärlastwagen liefert. Zugleich wächst in
Europa seit dem russischen Angriff auf die Ukraine [4][die Nachfrage nach
militärischer Ausrüstung].
Dabei rücken auch industrielle Kapazitäten der Autoindustrie in den Fokus.
Das Osnabrücker Werk mit seiner Erfahrung in der Kleinserienfertigung –
[5][ein Erbe des traditionsreichen Karosseriebauers Karmann] – passt da
ideal ins Profil.
## Standort vor dem Umbruch
Zeitweise kursierten Spekulationen über eine [6][Übernahme durch
Rheinmetall]. Doch der Rüstungskonzern erteilte diesen Plänen eine Absage;
eine Übernahme sei „unter den gegebenen Voraussetzungen kein Thema“. Das
Werk hätte sich zur Produktion von 6x6-Radpanzern angeboten. Derzeit würden
aber keine weiteren Kapazitäten benötigt. „Um der erhöhten Nachfrage bei
8x8-Radpanzern des Modells Boxer gerecht zu werden, weitet Rheinmetall
seine Kapazitäten in Kassel aus“, fügte ein Konzernsprecher hinzu.
Stattdessen rücken nun Kooperationen und Auftragsfertigungen in den Fokus,
etwa die Produktion schusssicherer Fahrerhäuser. Ein möglicher
Anknüpfungspunkt ist das [7][Joint Venture „Rheinmetall MAN Military
Vehicles“], an dem Unternehmen ist neben Rheinmetall auch Traton beteiligt.
Zudem gilt der deutsch-französische Panzerbauer KNDS als neuer potenzieller
Partner. Berichten zufolge gibt es Sondierungen über eine Einmietung von
KNDS in Werksteile, um dort Transportpanzer zu fertigen. KNDS selbst
reagierte auf taz-Anfragen bisher nicht.
## Offen für Rüstung
Die Arbeitnehmerseite zeigt sich angesichts fehlender Alternativen offen
für diese Entwicklung. Die Vorsitzende des Volkswagen-Gesamtbetriebsrats,
Daniela Cavallo, betonte zuletzt, dass Europa im Verteidigungsbereich
unabhängiger werden müsse und Osnabrück hier eine Perspektive habe.
In der Belegschaft sorgt die Ungewissheit für Kritik. Die Spekulationen
über mögliche Militär‑ oder Rüstungsproduktion setzten die Beschäftigten
unter Druck, sagte Stephan Soldanski, erster Bevollmächtigter der IG Metall
in Osnabrück, im Dezember der Deutschen Presse-Agentur.
Auf der Betriebsversammlung habe Soldanski aber laut Aktionsnetzwerk die
Beschäftigten dazu angehalten, sich nicht an antimilitaristischen Aktionen
zu beteiligen. Er habe dazu aufgerufen, auf keinen Fall mit
Aktivist:innen oder der Presse zu sprechen und behauptet, solche
„Störfeuer“ seien schädlich im Kampf um zukünftige Arbeitsplätze, schreibt
das Aktionsnetzwerk. Eine taz-Anfrage dazu ließ Soldanski unbeantwortet.
## Aktivist:innen warnen vor schleichender Militarisierung
In der Region wird die Entwicklung kontrovers diskutiert. Während
Landespolitik und Teile der Gewerkschaften vor allem den Erhalt der
Arbeitsplätze in den Vordergrund stellen, [8][warnen Friedensinitiativen
vor einer militärischen Umwidmung des Werks]. Aktivist:innen wie Robin
Wood argumentieren, [9][der Standort könne auch für zivile Zukunftsprojekte
genutzt werden] – etwa für Busse oder Kleintransporter für den öffentlichen
Verkehr, für Fahrzeuge kommunaler Dienste oder für Komponenten der
Energiewende.
[10][Protest gegen eine mögliche Ausweitung der Rüstungsproduktion] gab es
schon im vergangenen Jahr. Bei einer Aktion gegen eine mögliche
Rheinmetall-Niederlassung in der Stadt wurde etwa das Osnabrücker
Heger-Tor-Kriegerdenkmal mit dem Schriftzug „Kriegstüchtig? Nicht mit uns!“
überklebt. Die Aktivist:innen kritisierten, dass [11][ausgerechnet in
der selbst ernannten „Friedensstadt“ Osnabrück] – die historisch mit dem
Westfälischen Frieden verbunden ist – militärische Produktion ausgeweitet
werden könnte.
23 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /VW-praesentiert-schwaechstes-Ergebnis-seit-11-Jahren-Zehntausende-Stellen-werden-gestrichen/!6161165
(DIR) [2] /Kamikazedrohnen-fuer-die-Bundeswehr/!6154490
(DIR) [3] https://defence-network.com/enforce-tac-volkswagen-militaergeschaeft/
(DIR) [4] /EU-Ruestungskonferenz-in-Bruessel/!6008574
(DIR) [5] /Kultobjekt-Karmann/!5087983
(DIR) [6] /Neue-Aufgabe-fuer-Autofabrik/!6079840
(DIR) [7] /Neue-Ruestungsallianz/!5149485
(DIR) [8] https://oskurier.de/2025/10/osnabruecker-initiative-ruft-zum-friedensprotest-vor-dem-theater-osnabrueck/
(DIR) [9] https://www.robinwood.de/pressemitteilungen/protest-bei-vw-osnabrueck-busse-und-bahnen-statt-panzer?utm_source=chatgpt.com
(DIR) [10] /Kritik-an-Rheinmetall-Niederlassung/!6133115/
(DIR) [11] /Friedensstadt-Osnabrueck/!5903823
## AUTOREN
(DIR) Robert Matthies
## TAGS
(DIR) Rüstungsindustrie
(DIR) Autoindustrie
(DIR) Osnabrück
(DIR) Rüstung
(DIR) Volkswagen
(DIR) Militär
(DIR) Boris Pistorius
(DIR) Osnabrück
(DIR) Rüstung
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Kunst gegen Verteidigungsminister: Bumm, Bumm, Boris
Die Osnabrücker Antimilitarismus-Ini Rausmetall hat die Skulptur Fountain
of Wishes zum Kriegsgeilen Boris umgestaltet. Der Staatsschutz ermittelt.
(DIR) Kritik an Rheinmetall-Niederlassung: Aufrüstungsprotest am Soldatendenkmal
Aktivist*innen haben das Kriegerdenkmal „Heger Tor“ in Osnabrück
umgewidmet. Sie protestieren so gegen eine geplante
Rheinmetall-Niederlassung.
(DIR) Neue Aufgabe für Autofabrik?: Osnabrück baut den Friedenspanzer
Übernimmt der Rüstungskonzern Rheinmetall 2027 das Osnabrücker VW-Werk?
Gerüchte brodeln. Rheinmetall hat den Standort schon in Augenschein
genommen.