# taz.de -- Kunst gegen Verteidigungsminister: Bumm, Bumm, Boris
> Die Osnabrücker Antimilitarismus-Ini Rausmetall hat die Skulptur Fountain
> of Wishes zum Kriegsgeilen Boris umgestaltet. Der Staatsschutz ermittelt.
(IMG) Bild: Polit-Guerillaaktion: Fernando Sánchez Castillos Bronze-Skulptur „Fountain of Wishes“ wurde zu „Der kriegsgeile Boris“
Die Osnabrücker Antimilitarismus-Initiative Rausmetall hat Biss.
Vergangenen Freitag hat sie in einer Guerilla-Intervention Fernando Sánchez
Castillos Bronze-Skulptur Fountain of Wishes umgestaltet, einen
lebensgroßen Polizisten, der seit rund 15 Jahren im Stadtfluss Hase steht,
mit Körperpanzer, Schlagstock, Schild und Pumpgun.
Wenn die Bedienungsapparatur nicht kaputt ist, pisst der Polizist in weitem
Strahl. „Rausmetall“ hat ihm eine Maske vor den Helm gebunden, mit einem
Foto des Gesichts von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD)
drauf. Über den Originalpenis kam eine gewaltige Erektion aus Gips.
Pistorius geilt sich an einem Gemälde auf, das vor ihm hängt, mit
Kampfpanzer, Granaten, Detonationen, Soldaten. Ans Geländer der Brücke, von
der aus sich Osnabrücks Ex-Oberbürgermeister besonders gut betrachten ließ,
war ein Schild gebunden: „‚Der kriegsgeile Boris‘ – Kunstinstallation,
Mixed Media, 2026, anonym“.
Rausmetall ist keine feste Gruppe, eher ein Aktions-Motto, das viele
nutzen, einige offen, andere anonym. Es hat sich wegen der Pläne [1][des
Rüstungskonzerns Rheinmetall] gegründet, [2][das Osnabrücker VW-Werk zu
übernehmen.]
## Rausmetall hat schon viel Biss gezeigt
Der Polizist passt gut zu Pistorius, in seiner Zeit als Niedersachsens
Innenminister Polizei-Dienstherr. „Und er ist sehr martialisch“, erklärt
ein Aktivist von Rausmetall der taz die Ortswahl. „Er wirkt fast wie ein
Soldat.“ Seinen Namen behält er für sich: „Nennt mich ‚Mitglied der
Künstlergruppe Der kriegsgeile Boris‘.“ Der Stadt werde die Aktion wohl
nicht gefallen, prophezeit er. „Sie tut sich ja derzeit nicht gerade durch
antimilitaristische Positionen hervor.“
Die Aktion soll „auf den perversen kriegstreibenden Politikstil Pistorius'
hinweisen“. In einer Stellungnahme schreibt „Rausmetall“: „Die Weltmächte
läuten ein neues Kolonial-Zeitalter ein und Deutschland will vorne mit
dabei sein.“ Auch Osnabrück werde „kriegstüchtig umgebaut“. Eines der
Bespiele: Pistorius mache hier Schulbesuche. Ende 2025 war Pistorius im
Graf-Stauffenberg-Gymnasium; es ging um die Wehrpflicht.
Rausmetall hat in Osnabrück schon viel Biss gezeigt. Ende 2025 wurde das
Kriegerdenkmal Heger Tor anonym umgestaltet, durch die Botschaft:
„Kriegstüchtig? Nicht mit uns!“, auch das eine Anspielung auf Pistorius,
der 2024 gesagt hatte, Deutschland müsse „bis 2029 kriegstüchtig sein“.
Nicht klandestine Kräfte von Rausmetall veranstalten Vorträge, Feste,
Schulstreiks, Demos.
Als die taz am Freitagnachmittag den Kriegsgeilen Boris besucht, warten
dort Polizisten zur Entfernung von Penis und Maske auf die Feuerwehr: Boot?
Wathose? Das Mixed-Media-Schild ist schon abmontiert. Woher die taz wisse,
dass es existiert habe, wundert sich ein Uniformträger. Dass Rausmetall
nicht nur anonym Aktivismus betreibt, sondern zugleich eine Website, mit
Kontakttelefon, scheint er nicht zu wissen.
„Die installierten Materialien wurden entfernt und zur weiteren Prüfung
sichergestellt“, schreibt Jannis Gervelmeyer, Sprecher der
Polizeiinspektion Osnabrück, in einer Stellungnahme. Man ermittle „wegen
des Verdachts der Sachbeschädigung sowie wegen politisch motivierter
Beleidigungs-/Verleumdungsdelikte“. Das sei ein Fall für den Staatsschutz,
sagt Gervelmeyer.
Bis zur Staatsanwaltschaft Osnabrück ist all das noch nicht gedrungen. „Mir
sind noch keine Strafanzeigen bekannt“, schreibt Alexander Retemeyer, ihr
Sprecher. Er gehe davon aus, dass „zunächst von Amts wegen eine
Unbekanntsache wegen Sachbeschädigung an der Skulptur und Beleidigung zum
Nachteil des Ministers geführt wird“.
Viel passieren dürfte in Sachen Beleidigung allerdings kaum: 2024 urteilte
das Bundesverfassungericht, Staatskritik sei Teil der Meinungsfreiheit. Dem
Staat komme „kein grundrechtlich fundierter Ehrenschutz“ zu.
Zu den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zum Heger Tor, ebenfalls wegen
Sachbeschädigung, gibt es bisher keine Beschuldigten.
Aktualisierung: Die Stadt Osnabrück antwortete nach Erscheinen des Beitrags
auf die Fragen der taz. Die Skulptur „Fountain of Wishes“ gehöre nicht der
Stadt, schreibt Stadtsprecher Constantin Binder. „Grundsätzlich hört
Protest aus Sicht der Stadt dort auf, wo die Grenze zur Sachbeschädigung
überschritten wird. Auch passt es nicht zur Friedensstadt Osnabrück, dass
die Akteure aus der Anonymität heraus handeln – wir reden und streiten hier
lieber auf Augenhöhe.“
[3][Zu den Auftritten von Pistorius] vor Osnabrücker SchülerInnen schreibt
Binder: Der Austausch zwischen PolitikerInnen und SchülerInnen sei „aus
Sicht der Stadt grundsätzlich begrüßenswert“. Die Stadt habe „weder
Einfluss auf die Terminplanung des Bundesverteidigungsministers noch auf
die Agenden der Osnabrücker Schulen“.
Zum Heger Tor gebe es nichts Neues: „Wie sich jedoch bei der anschließenden
Schadenaufnahme gezeigt hat, konnte die Farbe nicht entfernt werden, ohne
auch die vergoldete Legierung der [4][historischen Inschrift des Heger Tors
in Mitleidenschaft] zuziehen.“ Diese werde nun aufwändig neu aufgetragen
werden müssen, hierfür werde das Heger Tor eingerüstet werden müssen. Die
Restaurierungs- überstiegen die Reinigungskosten von 2.500 Euro um „ein
Vielfaches“. Gutachten und Kostenvoranschläge lägen aktuell noch nicht vor.
19 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Harff-Peter Schönherr
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