# taz.de -- Gaspreis, Ölpreis, Krise: All diese heimlichen Klimaschützer
> Das war’s mit Klimaschutz? Von wegen: Die heimlichen Klimaschützer sind
> überall, findet unser Autor.
(IMG) Bild: Teurer Tropfen: Wenn der Benzin- und Dieselpreis steigt, wird deutlich, wie günstig doch die neuen E-Autos sind
„Das mit dem Klimaschutz ist jetzt ja auch vorbei, oder?“, sagte vor ein
paar Wochen mein Freund T. zu mir. Wer war ich, ihm zu widersprechen? Ich
war der Typ, der von morgens bis abends darüber schreibt, dass das mit dem
Klimaschutz jetzt ja auch vorbei ist: Die Bundesregierung bohrt Löcher ins
Klimaschutzgesetz, die EU streicht ihren Green Deal schwarz an, die USA
feiern ihre Rolle als fossiler Schurkenstaat. Weltweit sind die
Massenvernichtungsmittel Öl und Gas wieder der heiße Scheiß. Und der
[1][Wahlsieg von Cem Özdemir] bestätigt diesen Trend: Gewählt wirst du als
Grüner nur dann, wenn du von Klimaschutz gar nicht erst redest.
Aber in T.s Frage gab es ja noch dieses „… oder?“ Und tatsächlich: Wenn man
genau hinschaut, sind überall heimliche Klimaschützer. Die würden diese
Auszeichnung als Rufmord betrachten. Aber sie tun das Richtige, wenn auch
oft aus falschen Motiven. Zum Beispiel Freund Gaspreis: Kaum [2][vermurkst
Energie(!)ministerin Reiche das Heizungsgesetz] so, dass fossile Heizungen
wieder möglich werden – zack, hat sich der Gaspreis praktisch verdoppelt
und macht Wärmepumpen attraktiv.
Sein Bruder, der Ölpreis, schreit uns jetzt [3][jeden Tag von den
Tankstellen] an, wie wahnsinnig günstig doch die neuen E-Autos sind und wie
bescheuert, besteuert und überteuert der olle Diesel ist. Wie wir mit
unserem Wohlstand (noch) an den fossilen Unrechtsregimen hängen, zeigen
diese beiden Halunken noch deutlicher, als es selbst meine taz-Kollegin
Ulrike Herrmann erklären könnte.
Und es gibt noch mehr verborgene Klimaschützende: Allen voran der böse
Kapitalismus (der natürlich eine fiese Doppelrolle spielt, weil er viele
dieser Probleme erst verursacht). Aber die erfolgreichsten Emissionssenker
sind bei uns nun mal EU-Emissionshandel und das EEG, also Instrumente der
Marktwirtschaft. Und auch „der Markt“, den Liberale und Konservative
feiern, tut beim aktuellen Irankrieg brav, was er soll: Hohe Preise zeigen
Unsicherheit und Knappheit.
Noch mehr ungeliebte und maskierte Klima-Aktivisten? Bitte sehr, auch
wenn’s wehtut: Wirtschaftskrisen, in denen wir weniger fliegen, kaufen und
produzieren. Ob Corona oder Finanzcrash: Häufig gibt es weniger Emissionen
und eine Atempause für die Natur. Dann: Budgetlöcher und Sparmaßnahmen.
Haben Unternehmen und Regierungen kein Geld, werden eine Menge Straßen und
Fabriken nicht gebaut (aber eben auch keine Kitas). Oder der Dreck aus den
Schornsteinen von Schiffen und Fabriken: Die Kleinstpartikel reflektieren
das Sonnenlicht und senken die globale Temperatur. Blöder Nebeneffekt: Je
sauberer unsere Atemluft wird, desto wärmer wird es.
Das Klima schützen, ohne es zu wollen: Ist das nun der Weltgeist des
Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der die Vernunft in die
Weltgeschichte bringt? Ist es die Kraft, die stets das Böse will und stets
das Gute schafft, aus dem „Faust“? Der Heilige Geist? Ich bin ein zu
kleiner Geist, um das zu entscheiden. Aber selbst wenn man wie die
Philosophen um Georg Wilhelm Friedrich Merz von allen guten Geistern
verlassen ist, gilt das offenbar. Jedenfalls verstehe ich so das tolle
Versprechen der Bundesregierung, das ich derzeit überall auf großen
Plakaten sehe – das Ende der Abhängigkeit und den Sofortausstieg aus den
fossilen Energien: „Starten Sie mit vielen anderen in die Freiheit:
Rauchfrei im Mai!“
12 Mar 2026
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(DIR) Bernhard Pötter
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