# taz.de -- Streckensanierung Hamburg–Berlin: Bahn verspätet sich um sechs Wochen
> Zwischen Hamburg und Berlin rollt der Verkehr erst Mitte Juni wieder
> normal. Trotz Kritik hält die DB am Konzept der Generalsanierungen weiter
> fest.
(IMG) Bild: Trotz Generalsanierung werden die Fahrten zwischen Hamburg und Berlin künftig zwei Minuten länger dauern
Der strenge Winter hat die [1][Bauarbeiten bei der Generalsanierung der
Bahn zwischen Hamburg und Berlin] um sechs Wochen verzögert. Statt am 1.
Mai wird die gesamte Strecke erst am 14. Juni wieder für den Verkehr
freigegeben. Das gab die Infrastruktur-Tochter (InfraGo) der Bahn nun
bekannt. „Das hat uns selbst sehr geärgert“, räumt Vorstand Gerd-Dietrich
Bolte ein.
Geplant ist eine zweistufige Inbetriebnahme der Strecke. Ab dem 15. Mai
fahren Züge auf den sanierten Gleisen von Hamburg bis Hagenow Land südlich
von Schwerin. Vor allem Pendler im Norden dürfen dann aufatmen. Der
laufende Schienenersatzverkehr zwischen Hamburg und Schwerin ist dann nicht
mehr nötig.
Der Fernverkehr muss länger warten. Bis die durchgehende Reise nach Berlin
für den ICE und für Flixtrain auf der gewohnten Route wieder aufgenommen
wird, dauert es weitere vier Wochen. Erst mit dem sommerlichen
Fahrplanwechsel am 14. Juni wird die Sanierung endgültig beendet. Derzeit
fahren diese Züge über Uelzen und Stendal.
Trotz Generalsanierung werden die Fahrten zwischen Hamburg und Berlin
künftig zwei Minuten länger dauern. Laut Bolte liegt dies an den stark
belasteten Knotenbahnhöfen. Die reine Fahrzeit bleibe gleich, versichert
der Vorstand. „Das zweistufige Inbetriebnahme-Konzept ermöglicht die auch
weiterhin dringend notwendigen Baumaßnahmen angrenzender Strecken“,
begründet Bolte die große Verspätung bei der zweiten von 40
Generalsanierungen wichtiger Schienenkorridore.
## Einige Millionen Euro dürften obendrauf kommen
Zu den zusätzlichen Kosten durch die Verzögerungen will sich die Bahn noch
nicht äußern. Diese könnten erst ermittelt werden, wenn die beteiligten
Baufirmen ihre Nachträge eingereicht hätten. Kalkuliert wurde das Vorhaben
mit einem Kostenrahmen von 2,2 Milliarden Euro. Einige Millionen Euro
dürften nun obendrauf kommen. So könnten Bahnunternehmen ihre zusätzlichen
Ausgaben oder geminderten Einnahmen geltend machen. Sofern dies
nachgewiesen werde, kompensiere die Bahn den Schaden, versichert das
Unternehmen.
Auch der weiter laufende Schienenersatzverkehr muss zusätzlich bezahlt
werden. Hier gibt zwischen InfraGo und der Betreiberfirma Ecovista mächtig
Zoff. Fahrgäste beschweren sich über Schimmel in den Bussen und
ausgefallene Verbindungen. „Das Unternehmen ist derzeit vertragsbrüchig“,
sagt InfraGo-Planungsleiter Wolfgang Weinhold. Es werde versucht, den
vertraglich vereinbarten Zustand wieder herzustellen. Bis Anfang März habe
der Ersatzverkehr bestens geklappt.
Enttäuscht vom neuen Zeitplan zeigen sich die Güterbahnen. „Häfen,
Industrie und Reisende müssen [2][eineinhalb Monate länger schmerzhafte
Einschränkungen hinnehmen]“, kritisiert Peter Westenberger, Chef des
Verbands Die Güterbahnen. Es brauche jetzt dringend eine Aufarbeitung des
Planungsdesasters.
Das Konzept der Generalsanierungen mit monatelangen Totalsperrungen
größerer Streckenabschnitte ist spätestens mit den jüngsten Erfahrungen auf
den Prüfstand geraten. InfraGo sieht dennoch keinen Anlass zu einem
grundsätzlichen Kurswechsel. Von den weiteren 38 Vorhaben seien Bauarbeiten
in der harten Winterzeit nur auf der Strecke zwischen Gelnhausen und Fulda
Ende 2027 geplant. Dort schaue man sich den Zeitplan noch einmal genau an.
11 Mar 2026
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