# taz.de -- Generalsanierung Hamburg–Berlin: Technik auf dem Abstellgleis
> Im Zuge der Generalsanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin sollte
> modernste Steuerungstechnik eingebaut werden. Doch dazu kommt es erst mal
> nicht.
(IMG) Bild: Hier geht's erstmal nicht weiter: Bahnstrecke Hamburg–Berlin
Die Deutsche Bahn erneuert ihre Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen
Hamburg und Berlin und macht dafür die stark befahrene Verbindung zwischen
den beiden Großstädten ein Dreivierteljahr lang dicht. Doch trotz dieser
„Generalsanierung“ wird die Strecke nicht auf den neuesten Stand der
Technik gebracht. Schon Anfang der 2030er Jahre darf sich die Kundschaft
darauf einstellen, dass an der Strecke erneut gebaut wird.
Das Konzept der Generalsanierung sieht eigentlich vor, eine Strecke mit
allem, was dazu gehört, einmal grundlegend zu erneuern: Gleise, Weichen,
Schotter, Stellwerke, Bahnhöfe. Auch zusätzliche Überholgleise für die
schnellen ICE-Züge sollen gebaut werden. Das Ziel ist es, auf Jahre hinaus
Ruhe zu haben – keine kleinen Baustellen und damit auch keine Verzögerungen
mehr, endlich ein pünktlicher Betrieb.
Doch bereits jetzt ist klar, dass die Strecke Hamburg–Berlin in absehbarer
Zeit wieder angefasst werden muss. Denn das System, mit dem die schnellen
Züge gesteuert werden, soll bis 2040 europaweit harmonisiert werden. Nach
den Vorstellungen der Europäischen Union soll bis dahin das European Train
Control System (ETCS) die Vielzahl der nationalen Sicherungssysteme
ersetzen.
In Deutschland sind alle Bahnstrecken seit 2018 mit der – wie das korrekt
heißt – P[1][unktförmigen Zugbeeinflussung] ausgestattet. Dabei sorgen
Sensoren am Fahrzeug und am Gleis dafür, dass ein Zug automatisch gestoppt
wird, wenn er ein Haltesignal überfährt. Vor kritischen Stellen wie Kurven
bremst das System den Zug automatisch, sollte er zu schnell unterwegs sein.
## Für die schnelleren Züge
Für Züge, die schneller als 160 Stundenkilometer fahren, gibt es die
Linienförmige Zugbeeinflussung (LZB). Denn diese Geschwindigkeit ist so
hoch, dass der übliche 1.000-Meter-Abstand zwischen dem Vor- und
Hauptsignal nicht ausreicht, um den Zug rechtzeitig zum Stehen zu bringen.
Die LZB kontrolliert deshalb über ein im Gleis verbautes Kabel ständig, ob
der Zug die vorgeschriebene Geschwindigkeit einhält, und zeigt dem
Lokführer weit im Voraus an, wann er die Geschwindigkeit verringern oder
zum Halten kommen muss.
Zumindest auf den wichtigsten transnationalen Korridoren soll dieses
[2][System durch das ETCS ersetzt] werden, sodass die Züge einfach
durchfahren können und nicht immer wieder auf ein anderes System wechseln
müssen. Wie bei der LZB werden die Züge permanent überwacht und können ohne
Streckensignale fahren. Sensoren im Gleis ermitteln die Position und
Geschwindigkeit des Zuges und übermitteln die Informationen über Mobilfunk
an den Lokführer.
Das ermöglicht Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern, die Züge
können in kürzeren Abständen hintereinander weg fahren und der
Wartungsaufwand verringert sich gegenüber der LZB.
## „Teuer und extrem aufwändig“
Allerdings scheint die Umrüstung auf dieses System recht aufwändig zu sein.
Ursprünglich war geplant, die [3][neue Technik jeweils auf den letzten
Kilometern vor Hamburg und Berlin schon mal einzubauen]. Darauf hat die
Bahn vor einem Jahr wegen der Erfahrungen mit der Riedbahn, dem ersten
[4][Generalsanierungsprojekt] zwischen Frankfurt und Mannheim, Abstand
genommen.
Philipp Nagl, Chef der Infrastrukturgesellschaft DB Infrago, hatte vor
einem Jahr der dpa gesagt, die Strecke wie bei der Riedbahn mit dem alten
und dem neuen System auszurüsten, habe große Nachteile: „Erstens ist es
teuer und zweitens ist es extrem aufwändig, weil sie faktisch zwei Systeme
parallel einbauen.“ Das nicht zu tun, spare einen zweistelligen
Millionenbetrag.
Bei der Riedbahn habe sich gezeigt, „wie komplex und zeitaufwändig die
Abnahme der neuen Technik als Doppelausrüstung mit konventionellen
Sicherungssystemen ist“, teilte die Deutsche Bahn jetzt der taz mit.
Deshalb blieben die bestehenden Systeme in Betrieb.
## Nur 2 Prozent sind mit ETCS Level 2 ausgerüstet
Eine Ausrüstung mit dem ETCS sei in den frühen 2030er Jahren geplant, wenn
auch die auf der Strecke verkehrenden Züge auf das System umgestellt werden
könnten. Einstweilen bereitet die Bahn die Stellwerke und die
Achszähltechnik entlang der Strecke auf das ETCS vor.
Das Bundesverkehrsministerium weist darauf hin, dass das ETCS den Betrieb
des Eisenbahnnetzes stabiler und effizienter mache. „Dies beweisen seit
mehr als zehn Jahren die Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen
Halle/Leipzig, Erfurt und Nürnberg“, schreibt das Ministerium. Der dort
bewährte Standard ETCS Level 2 ohne Signale solle [5][nach und nach im
gesamten Schienennetz zum Einsatz kommen]. Bisher sind nur 2 Prozent des
Netzes damit ausgerüstet.
1 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Punktf%C3%B6rmige_Zugbeeinflussung
(DIR) [2] https://digitale-schiene-deutschland.de/de/technologien/ETCS
(DIR) [3] /Sanierung-der-Bahnstrecke-Hamburg-Berlin/!6089706
(DIR) [4] /Fuenf-Jahre-Verspaetung/!6093107
(DIR) [5] /Instandsetzung-der-Schiene/!6141350
## AUTOREN
(DIR) Gernot Knödler
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