# taz.de -- Fifa vor der WM 2026: Mehr Realitätsverlust geht kaum
> Vor der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada beschwört die
> Fifa ihre friedensstiftende Kraft. Der Weltfußball ist aus den Fugen.
(IMG) Bild: Fifa-Friedensapostel Infantino hält US-Präsident Trump für preisverdächtig
Die Welt gerät mächtig ins Wanken drei Monate vor dem Anpfiff der
Fußball-WM der Männer. Es soll aber alles weiter nach Plan laufen, als wäre
nichts passiert. Der Irak hat vergeblich bei der Fifa um eine Verlegung der
Ende März anstehenden Playoff-Spiele in Mexiko gebeten. Er hatte auf den
[1][Krieg im Iran] und den geschlossenen Luftraum im Nahen Osten verwiesen.
Nun reist das irakische Nationalteam doch mit einem Privatflugzeug an. Die
letzten sechs freien WM-Plätze werden die kommenden Tage in Mexiko und
Europa vergeben.
Der schon qualifizierte Iran hat vergeblich um die Verlegung seiner
WM-Spiele im Sommer gebeten. Statt beim Kriegsgegner USA wollte man lieber
beim Co-Gastgeber Mexiko kicken. Doch Fifa-Präsident Gianni Infantino
schloss das aus: „Wir haben einen Plan. Bald werden die 48 Teams
feststehen, und wir wollen, dass die Fussball-WM nach Plan verläuft.“
Gesagt hat er das diese Woche bei der Onlinesitzung des Fifa-Rates. Im
Zentrum dieser Zusammenkunft sei „das unerschütterliche Engagement der Fifa
für Frieden und Freiheit“ gestanden, ließ der Weltverband wissen. Am Rande
dieser Sitzung wurde der israelische Verband auf Anzeige der
palästinensischen Föderation sanktioniert, weil er rassistische
Vorkommnisse bei Beitar Jerusalem nicht geahndet hatte. Unter anderem
müssen nun bei drei Spielen von Bedeutung im Stadion Banner mit der
Aufschrift „Football Unites the World – No to Discrimination“ gut sichtbar
aufgehängt werden.
## Hehre Losung
Das könnte generell die Fifa-Losung werden, um den politischen Realitäten
zu trotzen. All diejenigen, die die Fifa und insbesondere Infantino für
ihre rückgratlose Haltung gegenüber US-Präsident Donald Trump kritisieren,
weil der [2][unwidersprochen politischen Gegnern mit Entzug von WM-Spielen
drohen kann], sollten nicht ungeschoren davonkommen. Mindestens 100 Mal
sollten sie in Schönschrift den Satz abschreiben: „Football unites the
world.“
Das gleiche Schicksal soll auch die ereilen, die sich öffentlich eine
verurteilende Stellungnahme der Fifa gewünscht haben, weil kürzlich ein
jamaikanisches Klubteam nur massiv geschwächt zu einem Wettbewerbsspiel in
die USA reisen konnte. Vornehmlich den haitianischen Profis der Mannschaft
wurde ein Visum verweigert. Und all diejenigen, die immer noch herummäkeln,
dass bei der WM Fans der qualifizierten Teams aus Haiti, Iran, Senegal und
der Elfenbeinküste nicht in die USA einreisen dürfen, sollten sich jetzt
verdammt noch mal 100 Mal hinter die Ohren schreiben: „Football unites the
world.“
Vom jüngsten Treffen mit Trump berichtete Infantino, dieser habe bestätigt,
die iranischen Fußballer seien während der WM herzlich willkommen in den
USA. Trumps spätere Ergänzung, er hielte es aus Sicherheitsgründen für
unangemessen, wenn das Team anreisen würde, kommentierte die Fifa wiederum
nicht.
Generell erinnerte der Fifa-Rat auf seiner jüngsten Friedenssitzung daran,
keine geopolitischen Konflikte lösen, aber zur Friedensförderung Brücken
bauen zu können. Dieser Sprachregelung von der verbindenden Kraft des
Fußballs haben sich mit Blick auf die kommende Fußball-WM längst alle
nationalen [3][Verbände wie der DFB angeschlossen.]
Wie diese wirken soll, wenn sich der Fußball ohne Haltung den Spielregeln
von skrupellosen Regierungschefs in Russland, Katar, USA oder Saudi-Arabien
unterwirft, bleibt ein großes Rätsel. Dabei ist die Macht der Fifa nicht zu
unterschätzen. Die Steuergesetzgebung eines jeden Gastgeberlandes wird
allerorten wachsweich, wenn der Fußballweltverband es so will. So
verbindend wie die Kraft, Gewinne erzielen zu können, ist nichts anderes im
Weltfußball.
20 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Johannes Kopp
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