# taz.de -- Iran und die Fußball-WM: Geschmacklose Schmeicheltour
       
       > Gianni Infantino bearbeitet den iranischen Fußballverband mit seinem
       > Grinsen. Der Fifa-Chef tut alles, um einen WM-Boykott Irans zu
       > verhindern.
       
 (IMG) Bild: Bester Dinge: Fifa-Boss Gianni Infantino und der iranische Verbandsvize Mehdi Mohammad Nabi in Antalya
       
       Gianni Infantino hätte einen wunderbaren Fußballabend erleben können am
       vergangenen Dienstag. Doch statt mit [1][den Bosniern in Zenica über
       Italien zu lachen] oder sich in Monterrey über die WM-Qualifikation Iraks
       zu freuen, saß der Präsident des Internationalen Fußballverbandes auf einem
       Fußballplatz im türkischen Antalya als einer der wenigen Zuschauer auf der
       Tribüne und verfolgte das Testspiel von Iran gegen Costa Rica. In den
       Videos davon, [2][die er über Instagram verbreitete], tat er so, als
       verlebe er einen wunderbaren Abend.
       
       Er herzte den Vizepräsidenten des iranischen Fußballverbandes, Mehdi
       Mohammed Nabi, den Nationaltrainer Amir Ghalenoei, umarmte Spieler der
       iranischen Auswahl und lobte deren Fähigkeiten nach deren 5:0-Erfolg über
       die Auswahl aus Mittelamerika. War da nicht was? Tobt da nicht gerade ein
       Krieg im Nahen Osten?
       
       Hatten die Spieler nicht sogar genau auf diesen hingewiesen, als sie sich
       mit Fotos von Schülerinnen, die bei einem US-Angriff ums Leben gekommen
       waren, zur Hymne aufgestellt hatten? War die iranische Mannschaft ein paar
       Tage zuvor nicht mit rosa und lila Schulranzen aufgelaufen, „in Erinnerung
       an die 165 Mädchen, die von den Amerikanern umgebracht worden sind“, wie es
       ein Pressesprecher des Teams ausdrückte?
       
       Gianni Infantino, der vor der WM in Katar alles dafür tat, um
       Kapitänsbinden in Regenbogenfarben zu verhindern, hätte die Iraner dafür
       rüffeln können, dass sie eine politische Botschaft aufs Feld getragen
       haben. Er hätte auch sein Mitgefühl für die Opfer des Kriegs ausdrücken
       können. Hat er aber nicht. „Fußball bringt Einigkeit und Hoffnung, auch
       wenn die Umstände besonders schwierig sind“, sagte er stattdessen. Immerhin
       scheint er anzuerkennen, dass die Lage in Iran nicht allzu einfach ist.
       
       ## Massive Schleimoffensive
       
       Und er möchte unter allen Umständen verhindern, dass die Iraner das
       WM-Turnier im Sommer, für das sie sich souverän qualifiziert haben,
       boykottieren. Und so umschmeichelt er den Verband mit einem Dauerlächeln im
       Gesicht auf seine unnachahmliche Weise. Iranische Regierungsvertreter
       hatten schon mal gefordert, sie würden das Team nur zur WM schicken, wenn
       der Spielplan noch so geändert würde, dass es erst mal nicht in den USA
       spielen müsste, sondern etwa in Mexiko. Und obwohl US-Präsident Donald
       Trump gesagt hatte, das Team könne schon kommen, aber für dessen Sicherheit
       könne er nicht garantieren, will die Fifa, die längst Tickets für alle
       WM-Partien verkauft hat, nicht von ihrem Spielplan abweichen. Dafür muss
       Infantino nun den iranischen Verband bearbeiten.
       
       Bei seinem Ausflug in die Türkei ließ er sich dafür auch noch mit Maryam
       Yektaei, der Torhüterin des iranischen Frauennationalteams, ablichten.
       Dabei lobte er die Entwicklung des Frauenfußballs in Iran über den grünen
       Klee. Auch [3][über die Asienmeisterschaft vor ein paar Wochen] will er mit
       ihr gesprochen haben.
       
       Jenes Turnier, bei dem die Spielerinnen im Staatsfernsehen als
       Verräterinnen bezeichnet wurden, weil sie es gewagt hatten, bei der Hymne
       auf die Islamische Republik, die gerade Protestierende zu Tausenden
       ermordet hatte, nicht mitzusingen. Jenes Turnier, währenddessen etliche
       Teammitglieder um politisches Asyl in Australien nachgesucht hatten. Jenes
       Turnier, nach dem die abtrünnigen Spielerinnen und ihre Familien derart
       unter Druck gesetzt wurden, dass fünf von ihnen ihre Asylanträge wieder
       zurückgezogen haben.
       
       Statt sich öffentlichkeitswirksam für die Sicherheit der iranischen
       Spielerinnen einzusetzen, umschmeichelte Gianni Infantino den Verband jener
       Islamischen Republik, um den Spielplan seiner WM zu retten. Das darf man
       wohl getrost als geschmacklos bezeichnen.
       
       4 Apr 2026
       
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 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
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