# taz.de -- DFB-Team der Männer: Fingerzeige im „Joggeli“
       
       > Das Duell gegen die Schweiz steht an. Es könnte für die deutsche
       > Nationalmannschaft zum Wegweiser vor der Nominierung des WM-Kaders
       > werden.
       
 (IMG) Bild: Warmlaufen in Herzogenaurach – erstes Training der Männernationalmannschaft vor dem Länderspiel in der Schweiz
       
       Es ist keine Frage, dass der St. Jakob-Park seine Spuren in der deutschen
       Fußballgeschichte hinterlassen hat. In dem Neubau nach der Jahrtausendwende
       hat die Nationalmannschaft schließlich ihr flirrendes EM-Halbfinale 2008
       gegen die Türkei (3:2) bestritten, als wegen eines Gewitters in Wien
       während der Aufholjagd viele Mattscheiben in Deutschland schwarz blieben,
       als Philipp Lahm in vorletzter Minute traf.
       
       Auch für die DFB-Frauen hat sich die im Volksmund nur „Joggeli“ genannte
       Spielstätte als legendärer Schauplatz erwiesen: Der magische Kraftakt im
       EM-Viertelfinale gegen Frankreich mitsamt Monsterparade von Ann-Katrin
       Berger im vergangenen Sommer glückte eben auch im Osten von Basel.
       
       Wenn nun fürs deutsche Team das Nachbarschaftsduell gegen die Schweizer
       Nationalelf ansteht (Freitag 20.45 Uhr/RTL), braucht es den historischen
       Überbau nicht: Julian Nagelsmann genügt es, wichtige Fingerzeige für die WM
       im Sommer zu erhalten. Schließlich fordert das schon jetzt [1][massiv von
       der politischen Großwetterlage beeinflusste Turnier] den Bundestrainer auf
       allen Ebenen heraus. Die Vorfreude vieler Fans hingegen bewegt sich bei
       jenen Temperaturen, die bei diesem Härtetest herrschen werden, fast am
       Nullpunkt.
       
       [2][Nichtsdestotrotz soll das erste Länderspiel im Jahr natürlich Freude
       machen] – und das Erweckungserlebnis des Betrachters sich nicht allein auf
       die modischen blauen Auswärtsjerseys beschränken. „Die Schweiz wird uns
       alles abverlangen“, warnt Nagelsmann, der einerseits angekündigt hat, dass
       es nichts zu experimentieren gäbe. Andererseits wird eine neue
       „Variabilität“ gefordert, bei dem das Verschieben von ein, zwei Positionen
       im Spielaufbau angeblich alles verändert.
       
       ## Sein bestes Gerüst
       
       Dieser Plan sei „super einfach gehalten“, so der Nationaltrainer. „Das
       Schlimmste, was passieren kann“, führte er aus, sei eine Niederlage, nach
       der alles wieder infrage gestellt würde. Insofern wird er sein bestes
       Gerüst aufstellen, das für die zweite Begegnung gegen Ghana in Stuttgart
       (Montag 20.45 Uhr/ARD) dann in Teilen modifiziert wird.
       
       Wie wichtig diese Freundschaftsspiele im Frühjahr sind, hat das Beispiel
       vor der Heim-EM gezeigt. Die Stimmung schien am Boden, als die
       prestigeträchtigen Duelle im trüben Herbst 2023 gegen die Türkei (2:3) und
       Österreich (0:2) verloren gegangen waren, doch unter Nagelsmann gelang nach
       einem harten Cut mit der Rückkehr von Toni Kroos gegen Frankreich (2:0) und
       die Niederlande (2:1) der Turnaround.
       
       Diesen Schwung nahm die Mannschaft bis ins Turnier mit. Deshalb soll auch
       niemand sagen, dass Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Leon Goretzka und
       Jonathan Tah aus dem Bayern-Block vielleicht mit den Gedanken schon beim
       Champions-League-Kracher gegen Real Madrid sind. Auch Antonio „Toni“
       Rüdiger, 33, auf den sich nach der Rückkehr viele Augen richten, will den
       Fokus nur auf die Nationalelf richten.
       
       An seinem Wert fürs schwarz-rot-goldene Gefüge hat insbesondere Kapitän
       Kimmich keinen Zweifel gelassen: „Viele in Deutschland vergessen, was Toni
       in den letzten Jahren bei Real auf höchstem Niveau abgeliefert hat. Davon
       haben wir in unserem Kader nicht so viele Spieler.“ Wenn der Abwehrchef
       sich keine Aussetzer leistet, ist er ohne Zweifel unumstritten. Spannend
       wird, wer an seiner Seite in der Zentrale verteidigt. Eher Nico
       Schlotterbeck als Linksfuß mit starker Spieleröffnung als Tah?
       
       ## Woltemade wohl auf der Bank
       
       Und dann gibt es noch das Personalpuzzle ganz vorne zu lösen. Eigentlich
       gibt der Kader nur noch einen klassischen Knipser her: der ebenfalls
       zurückgekehrte Deniz Undav, der für den VfB Stuttgart seit Wochen fast mit
       verbundenen Augen trifft. Dem Bundestrainer ist das natürlich nicht
       entgangen: „Er hat eine super Quote. So einen Stürmer kann man nicht zu
       Hause lassen.“
       
       Und weil Nagelsmann vermutlich mal Kai Havertz auf Herz und Nieren nach 16
       Monaten Abstinenz im Nationalteam sehen möchte, wird wohl der in der
       holprigen WM-Qualifikation sehr verlässlich treffende Nick Woltemade auf
       der Bank sitzen. Wer den gebürtigen Bremer mit der ihm angeborenen
       Bodenständigkeit kennt, weiß, dass daraus keine Probleme erwachsen. Zumal
       dieser noch genügend Gelegenheiten bekommen wird, ein bisschen an deutscher
       Fußballgeschichte mitzuschreiben.
       
       Vielleicht nicht in Basel, aber bald in Houston, Toronto und New York.
       
       27 Mar 2026
       
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