# taz.de -- Fifa-Präsident Infantino im Friedensrat: Scheiße, die Welt ist ein Ball
       
       > Der Fifa-Boss Gianni Infantino taucht bei Donald Trumps „Friedensrat“
       > auf. Wieso das? Und was will der US-Präsident vom Weltfußballverband?
       
 (IMG) Bild: Wäre das nicht etwas für seine Sammlung? Infantino präsentiert Donald Trump den WM-Pokal
       
       Zehn Jahre amtiert [1][Gianni Infantino] nun als Präsident des wichtigsten
       Sportverbands der Welt. Und damit jeder sieht, wie bedeutend er und seine
       Fifa sind, hat er sich vergangene Woche beim „Board of Peace“ eingefunden.
       Das ist der „Friedensrat“, mit dem US-Präsident Donald Trump die UNO
       herausfordern, wenn nicht gar ablösen möchte.
       
       Was hat die Fifa da zu suchen? Gängige Antworten lauten: Infantino
       [2][diene sich opportunistisch] der US-Administration an. Er sei „ein
       Funktionärsgeschöpf von Amerikas Gnaden“, schreibt die Süddeutsche, und das
       linke US-Magazin [3][The Nation] kommentiert: „Infantino wollte etwas tun,
       was er noch mehr liebt als Fußball zu schauen: an Donald Trumps Hintern
       schmusen.“
       
       Mir scheint, dass diese Erklärungen sich einem bloß oberflächlichen
       Eindruck verdanken, letztlich aber falsch sind. Der Weltfußballverband Fifa
       hat unter Gianni Infantino und seinem Vorgänger [4][Sepp Blatter] eine
       ungeheure weltpolitische Bedeutung erreicht, die aktuell noch gesteigert
       wird.
       
       Mit dem Friedensrat hat die Fifa eine [5][„strategische Partnerschaft“]
       geschlossen. Zunächst geht es um den Gazastreifen, und danach will die Fifa
       auch in anderen Regionen der Welt mitmischen. Die Partner wollen „mit dem
       Fußball den Wiederaufbau, die Stabilität und die langfristige Entwicklung
       in konfliktbetroffenen Regionen unterstützen“, heißt es. Ganz konkret im
       Gazastreifen heißt das: ein Hilfsprogramm „mit Infrastruktur-, Bildungs-
       und Elitenförderung“, dazu werden 50 Minifußballplätze und ein
       Nationalstadion mit 20.000 Sitzplätzen gebaut.
       
       ## Fifa passt ideal in neue Weltordnung
       
       Anders ausgedrückt: Wenn eine „[6][Riviera in Nahost]“ (Trump) entsteht und
       der kriegs- und krisengeschüttelte Landstreifen kapitalistisch erschlossen
       wird, will die Fifa nicht abseitsstehen. Der Friedensrat, in den sich
       Mitglieder für 1 Milliarde US-Dollar einkaufen können, steht ja für etwas,
       das man als Kommodifizierung der internationalen Politik beschreiben kann.
       Der Einfluss von Tech- und Immobilienmilliardären auf die US-Administration
       steht für den Versuch, auch aus zwischenstaatlichen Beziehungen Geld zu
       machen.
       
       Die Fifa hat in den vergangenen 30 Jahre gezeigt, dass sie auf gleich
       zweierlei Weise ideal in dieses Projekt einer zur Ware gerinnenden
       Weltordnung passt. Artikel 61 der Fifa-Statuten schreibt vor, dass Fußball
       und Staaten nichts miteinander zu tun haben. „Wenn im internationalen
       Fußball die Formel der Trennung der Sphären von Fußball/Sport und
       Politik/Staat ins Spiel gebracht wird“, schreibt der Politologe Timm
       Beichelt in seinem Buch „Ersatzspielfelder“, „lässt sie sich zumeist so
       übersetzen, dass sich Akteure des Fußballs eine Einmischung gewählter
       politischer Akteure genauso verbitten wie das Anmahnen normativer
       Standards, die in den demokratischen Gesellschaften üblich sind“.
       
       Zuletzt war unter anderem der [7][kongolesische] Fußballverband vom
       Weltfußball ausgeschlossen. Grund war, dass die Regierung von
       Kongo-Brazzaville sich für den Hauptsitz des Fußballverbands zuständig
       erklärt hatte und dessen Finanzen kontrollieren wollte. Die Regierung gab
       klein bei, die Fifa hob die Suspendierung auf.
       
       Was vor Jahren noch undenkbar war, ist mittlerweile Realität: Ein
       Fußballverband kann Nationalstaaten zwingen, ihre Souveränität teilweise
       abzugeben. Mit ihrer Männer-WM hält die Fifa ein erstklassiges
       Erpressungstool in der Hand: Wenn ihr uns nicht gehorcht, dürft ihr nicht
       mitspielen – und das erklärt dann mal euren Leuten! Kongo-Brazzaville hat
       aufgrund der Fifa-Entscheidung die WM-Qualifikation verpasst.
       
       ## Eigene Fifa-Währung
       
       Zum Aufstieg der Fifa zu einem weltpolitischen Akteur gehört noch mehr:
       Gianni Infantino kündigte erst jüngst ein eigenes Fifa-Geld an, „eine
       potenziell globale Währung für 6 Milliarden Fußballfans“. Auch eine
       Banklizenz hat die Fifa, um mit einem eigenen Geldinstitut sämtliche
       Fußballtransfergeschäfte abwickeln zu können. Dass europäische Gerichte
       dies untersagten, dürfte den Verband nur kurzfristig aufhalten. Zumal die
       Fifa auch dabei sein könnte, ihre Bindungen an die Schweiz zu lösen. Zwar
       gewährt die Eidgenossenschaft dem Verband [8][günstige Steuerbedingungen],
       aber sporadische juristische Verfahren nerven die Fifa-Oberen. Warum nicht
       irgendwo anders hin? Gianni Infantino besitzt neuerdings die libanesische
       Staatsbürgerschaft.
       
       Was aber will Trump von der durchaus mächtigen Fifa? Er braucht sie für
       einen Kampf auf einer anderen Ebene: den um Hegemonie. Institutionen, die
       auf das Alltagsleben einwirken wie etwa [9][Hollywood] oder das
       Musikbusiness erweisen sich bei der Unterordnung unter Trumps Weltordnung
       als sperrig. Das gilt auch für die großen Sportarten: Mit der Football-Liga
       NFL legte sich Trump wegen der Halbzeitshow des [10][Super Bowl] an: zu
       divers, zu migrationsfreundlich. Und die Basketballer der NBA verkörpern
       globale und liberale Werte, weil gerade ihre Liga zu einer Weltliga
       aufgestiegen ist, deren Stars nicht mehr nur aus den USA kommen, sondern
       tatsächlich aus aller Welt. Und viele Spieler, gerade afroamerikanische
       Stars, sind Symbolfiguren des [11][Anti-Trump-Protests].
       
       Bislang gehört Fußball in den USA nicht zu den großen hegemonialen
       Sportarten. Aber er bietet Potenzial: Nicht umsonst will Trump den Begriff
       [12][„Soccer“ gern in „Football“] umwandeln und so dem europäischen Fußball
       Optionen für den US-Markt bereiten. Die Fifa reagiert darauf, indem sie
       ihre kulturelle Bedeutung in Form eines „[13][Fifa-Friedenspreises]“ für
       Trump unterstreicht. Dass dies eine Fremdschämveranstaltung war, dürften
       alle Beteiligten eingepreist haben. Ihnen ging es darum, möglichst sichtbar
       einen Pflock einzuschlagen: Wir sind wichtiger als der Nobelpreis.
       
       Man müsse davon ausgehen, schreibt Timm Beichelt, „dass durch den
       internationalen Fußball auf der vorpolitischen Ebene ein Deutungsrahmen
       etabliert wird, der Alternativen zur Demokratie bereithält“.
       
       Im Grunde wäre es schön, wenn all das bloß von peinlichem Größenwahn
       getrieben wäre. Dann könnte man es ignorieren. Aber der Fußball und sein
       als Monopolist agierender Weltverband fügen sich bestens in das gefährliche
       Projekt einer neuen Weltordnung ein.
       
       Ich fürchte, nach zehn Jahren Amtszeit müssen wir anfangen, Gianni
       Infantino ernst zu nehmen.
       
       28 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Gianni-Infantino/!t5272918
 (DIR) [2] /Das-IOC-und-Trump/!6144275
 (DIR) [3] https://www.thenation.com/article/society/fifa-trump-infantino-peace-prize/
 (DIR) [4] /Joseph-Blatter/!t5013438
 (DIR) [5] https://inside.fifa.com/organisation/media-releases/board-of-peace-strategic-partnership-recovery-peace-gaza
 (DIR) [6] /Gaza-nach-dem-Krieg/!6151018
 (DIR) [7] https://inside.fifa.com/de/organisation/media-releases/fifa-suspendiert-kongolesischen-und-pakistanischen-fussballverband
 (DIR) [8] https://www.deutschlandfunk.de/steuerstreit-in-der-schweiz-lex-fifa-abgelehnt-100.html
 (DIR) [9] /Kommentar-Oscar-Verleihung/!5486260
 (DIR) [10] /Statement-gegen-Trump-Bad-Bunny-wird-beim-Super-Bowl-komplett-auf-Spanisch-singen/!6118032
 (DIR) [11] /Sportler-gegen-Trump/!5738312
 (DIR) [12] /Fussball-soll-nicht-mehr-Soccer-heissen/!6136614
 (DIR) [13] /Fifa-Friedenspreis-fuer-Donald-Trump/!6135731
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martin Krauss
       
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       selbst vom DFB.