# taz.de -- Asyl für iranische Fußballerinnen: Drama vor dem Rückflug
> Australien stattet fünf iranische Fußballerinnen während des Asia Cups
> mit einem humanitären Visum aus. In ihrer Heimat gelten sie als
> Verräterinnen.
(IMG) Bild: Zahra Ghanbari (2.v.l), Mona Hamoudi (M) und Atefeh Ramazanzadeh (r) während einer Partie der Asienmeisterschaft am Sonntag
Fünf junge Frauen sitzen im Halbkreis dicht nebeneinander, ihre
Körperhaltung wirkt angespannt, ihre Hände sind gefaltet. Sie blicken auf
einen Tisch mit Papieren, die gerade unterzeichnet werden. Die Fotos, die
das australische Innenministerium veröffentlicht hat, bringen eine große
Dramatik zum Ausdruck. Sie zeigen, wie Innenminister Tony Burke fünf
iranischen Fußballnationalspielerinnen ein humanitäres Visum für Australien
bewilligt. Und sie lassen erahnen, dass die Spielerinnen dadurch dem
Gefängnis in ihrer Heimat entgehen.
Es waren turbulente Tage für die iranischen Fußballerinnen, die seit Anfang
März an der Asienmeisterschaft in Australien teilgenommen haben, fast
zeitgleich mit dem Krieg der USA und Israels in Iran. Vor ihrem ersten
Spiel gegen Südkorea [1][verzichteten sie auf das Singen der Hymne.] Medien
in vielen Ländern beschrieben sie als mutige Frauen, die gegen das Regime
in Teheran ein Zeichen setzen.
Doch im iranischen Staatsfernsehen wurden sie als Verräterinnen bezeichnet.
„In Kriegszeiten ist es der Gipfel der Schamlosigkeit und des Verrats,
dorthin zu gehen und sich zu weigern, die Nationalhymne zu singen“, sagte
der Moderator Mohammad Reza Shahbazi. „Die Schande dieses schamlosen
Verrats sollte auf ihren Schultern lasten, und sie müssen angemessen
bestraft werden, damit andere daraus eine Warnung ziehen.“
Die Liste der iranischen Sportlerinnen und Sportler ist lang, die in den
vergangenen Jahrzehnten verhaftet, gefoltert und enteignet wurden. Mehrere
Athleten, die an Protesten teilnahmen, [2][etwa der Ringer Navid Afkari]
oder der Karateka Mohammad Mehdi Karami, wurden hingerichtet. Dieser Druck
scheint auch auf die iranischen Fußballerinnen bei der Asienmeisterschaft
gewirkt zu haben. Vor ihrem zweiten Spiel gegen Australien und ihrem
dritten Spiel gegen die Philippinen sangen sie die Nationalhymne und
salutierten dabei.
## Trump fordert Asyl für die Spielerinnen
Während des Turniers dominierte dieses Thema die australischen Medien.
Menschenrechtler wollten Kontakt zu den iranischen Spielerinnen aufnehmen,
wurden jedoch von deren Begleitern abgewiesen. In den sozialen Medien
kursierten Fotos und Videos von Spielerinnen, die womöglich die Delegation
verlassen wollten und um Hilfe ersuchten. Die Lage spitze sich am
Montagabend zu, als US-Präsident Donald Trump auf „Truth Social“ ein Asyl
für die Spielerinnen in Australien forderte, notfalls würde er es ihnen in
den USA gewähren. Auch Reza Pahlavi, der Sohn des Schahs, forderte Schutz
für die Frauen.
Die australische Regierung hielt sich noch bedeckt, da sie offenbar an den
Formalitäten und der Sicherheitsüberprüfung arbeitete. Am Dienstagmorgen,
1:30 Uhr Ortszeit, konnte Innenminister Burke die Asylanträge für fünf
Spielerinnen unterzeichnen, darunter für Kapitänin Zahra Ghanbari. „Diese
Frauen sind großartige Sportlerinnen, großartige Menschen, und sie werden
sich in Australien sehr wohlfühlen“, sagte Burke.
Der iranische Fußballverband ist seit Jahrzehnten mit den Revolutionsgarden
verbunden. Auch die Fußballerinnen in Australien wurden eng von
Sicherheitskräften begleitet, ihre Kommunikation in die Heimat wurde
wahrscheinlich überwacht. Dennoch kamen australische Beamte im Teamhotel
mit den Frauen ins Gespräch. In einem privaten Raum klärte die
Migrationsbeauftragte Naghmeh Danai die fünf Spielerinnen über ihr Recht
auf Asyl auf.
In einem Interview mit dem australischen Fernsehsender ABC News beschrieb
Naghmeh Danai die Angst und Unwissenheit der Spielerinnen. Offenbar hatten
deren Familien in Iran Drohanrufe erhalten. „Meiner Beobachtung nach sind
sie jung und unschuldig“, sagte Danai. „Sie konnten sich gar nicht
vorstellen, was ihnen alles passieren könnte, wenn sie zurückkehren
würden.“
Die restlichen Mitglieder des iranischen Teams brachen am Dienstag zum
Flughafen in Gold Coast auf. Dutzende Demonstranten wollten den Bus
aufhalten. Einige legten sich quer auf die Straße, andere riefen: „Rettet
unsere Mädchen“. Auch der australische Premierminister Anthony Albanese
sicherte seine Unterstützung für Spielerinnen zu, die ebenfalls Asyl
beantragen wollen.
Trotzdem entzündete sich in Australien eine Debatte über den Schutz der
Spielerinnen. Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Craig Foster, der sich
mittlerweile für Geflüchtete einsetzt, forderte eine unabhängige
Rechtsberatung für die Iranerinnen. Beau Busch, Geschäftsführer [3][der
Aktiven-Gewerkschaft Fifpro] in Asien und Ozeanien, kritisierte die
Behörden für ihr spätes Handeln.
Die iranischstämmige Frauenrechtsaktivistin Nos Hosseini etwa forderte den
Piloten und die Besatzungsmitglieder dazu auf, die Spielerinnen an der
Abreise zu hindern. Der Weltfußballverband Fifa und der asiatische
Fußballverband AFC hielten sich mit klaren Positionen abermals zurück.
Die fünf Spielerinnen, denen Asyl gewährt wurde, dürften sich vorerst
sicher fühlen. Sie haben das Angebot erhalten, sich beim lokalen Klub
Brisbane Roar fit zu halten.
10 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ronny Blaschke
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