# taz.de -- Irak in der WM-Qualifikation: Arabische Hoffnungen
> Irak spielt am Dienstag gegen Bolivien um einen Platz bei der WM. Unter
> dem Chaos, das der Irankrieg in die Region bringt, leidet der Fußball.
(IMG) Bild: Dem Himmel ein Stück näher: Mohanad Ali jubelt über den Sieg gegen die Vereinigten Arabischen Emirate im November
Als Anfang März in Iran der Krieg begann und fast überall am Persischen
Golf der Luftraum gesperrt wurde, da rückten auch die großen Ambitionen der
irakischen Fußball-Nationalmannschaft in weite Ferne. Seit Monaten
bereitete sie sich auf den 31. März vor, den Tag des entscheidenden
Playoff-Spiels um einen der letzten Startplätze für [1][die WM 2026]. An
diesem Tag könnte sich Irak zum ersten Mal seit vierzig Jahren wieder für
das wichtigste Fußballturnier qualifizieren. Doch der Spielort der
Playoffs, das mexikanische Monterrey, erschien nun, da viele Flughäfen der
Region geschlossen waren, fast unerreichbar.
Der irakische Fußballverband musste improvisieren und sagte ein
Trainingslager für Houston in den USA ab. Dort wollte sich die Mannschaft
Mitte März eigentlich an die klimatischen Bedingungen gewöhnen und dann
weiter nach Mexiko fliegen. Nun aber, während des Krieges im Nachbarland
Iran, reisten die Spieler aus ihren irakischen Wohnorten auf dem Landweg
nach Arar, einer Grenzstadt im Norden von Saudi-Arabien.
Von dort flogen sie mit einer Privatmaschine nach Mexiko. „Ein großes
praktisches Problem war für die Mannschaft, rechtzeitig Visa zu bekommen“,
sagt Robert Chatterjee, stellvertretender Chefredakteur des Nahostmagazins
Zenith. „Doch die mexikanischen Behörden haben da offenbar viel
Entgegenkommen gezeigt. Und so ist das Team rechtzeitig eingereist.“ Der
Playoff-Gegner an diesem Dienstag ist Bolivien.
Irak, ein Land mit fast 50 Millionen Einwohnern, wurde über Jahrzehnte
durch Krieg, Terror und Wirtschaftskrisen geprägt. Doch in den vergangenen
Jahren erlangte der Staat wieder eine relative politische Stabilität.
Unternehmen wurden gegründet, Investoren aus dem Ausland siedelten sich an.
Im Fußball bauten die Regierung und der Verband neue Spielfelder und
verbesserten die Talentförderung.
## Brutale Fußballgeschichte
Die Nationalmannschaft, die ihre Heimspiele aus Sicherheitsgründen fast 30
Jahre im Ausland bestritten hatte, durfte mit Erlaubnis der Fifa wieder
Pflichtspiele vor heimischem Publikum austragen. Nicht in der Hauptstadt
Bagdad, aber in Basra und Erbil. „Der Fußball stand symbolisch für eine
Aufbruchsstimmung“, sagt Chatterjee. „In Irak wurden Innenstädte saniert,
der Tourismus wuchs wieder. Doch all das ist nun wegen des Irankrieges in
Gefahr.“
Der Irak ist ein ethnisch und religiös vielfältiges Land. In den 1980er und
90er Jahren war es Diktator Saddam Hussein, der Spannungen mit Gewalt
eindämmen ließ, zwischen Sunniten und Schiiten, zwischen Kurden und
Islamisten. Die Fußballklubs wurden eng an Armee, Ministerien und Polizei
angebunden. Und im irakischen Fußballverband hatte Udai Hussein das Sagen,
der älteste Sohn des Staatschefs.
„Wenn die Mannschaft gewonnen hat, dann beschenkte Udai Hussein die Spieler
mit Häusern“, erzählt der [2][irakische Fernsehjournalist Rafeq Alokaby].
„Doch wenn sie verlor, dann steckte er sie ins Gefängnis und ließ ihnen die
Haare abrasieren. Es gab auch im Fußball keine Freiheit.“
Nach dem Sturz von Saddam Hussein 2003 versank Irak im Chaos –
Terroranschläge, Entführungen, Verletzungen durch Landminen. Der
Fußballverband bezog Büros in Jordanien. Spieler, die ihre Heimat nicht
verlassen wollten, trugen Waffen und Schutzwesten. Immer wieder versuchte
der sogenannte Islamische Staat, auch im Fußball neue Mitglieder zu
rekrutieren. Und immer wieder verübte er Anschläge auf Stadien und
Sportplätze.
## Euphorie nach der Asienmeisterschaft 2007
Trotz allem spielte die irakische Nationalmannschaft bei der
Asienmeisterschaft 2007 überraschend gut, schlug im Halbfinale den
Favoriten Südkorea. In Bagdad jubelten Zehntausende auf den Straßen. Dann
der Schock: Zwei Selbstmordattentäter mischten sich unter die Feiernden und
töteten mehr als fünfzig Menschen.
„Die irakischen Spieler wollten das Finale aus Respekt vor den Toten nicht
bestreiten“, erinnert sich der Journalist Clemens Zavarsky, der sich für
das österreichische Magazin Ballesterer mit dem Irak beschäftigt hat. „Doch
Angehörige der Opfer haben den Spielern Mut gemacht.“ Irak gewann das
Endspiel gegen Saudi-Arabien 1:0. [3][Eine Sensation, die vielen Irakern
Mut machte], zumindest für einige Tage.
Sollte sich die irakische Mannschaft nun nach 40 Jahren wieder für eine WM
qualifizieren, dann wäre die Euphorie wohl noch größer als 2007. Nicht nur
in Irak, sondern auch in der großen Diaspora. Rund 5 Millionen Menschen
irakischer Abstammung leben außerhalb Iraks, 300.000 davon in Deutschland.
Robert Chatterjee formuliert es so: „Der Irak könnte bei der WM die
Mannschaft sein, auf die sich emotional die gesamte arabische Welt einigen
kann.“ Klingt nach großen Erwartungen, vielleicht auch nach Druck. Doch für
die Spieler wäre es nach all den Gefahren und Strapazen wohl vor allem: ein
Privileg.
31 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Fifa-vor-der-WM-2026/!6161511
(DIR) [2] https://magazin.zenith.me/de/gesellschaft/fu%C3%9Fball-im-jemen-irak-und-syrien
(DIR) [3] /Iraks-Fussballelf/!5197365
## AUTOREN
(DIR) Ronny Blaschke
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