# taz.de -- Razzien bei rechtsextremem Verlag: Ein Schelm, der Böses nicht nur denkt
> Am Mittwochmorgen kam es zu Razzien gegen den rechtsextremistischen
> Verlag „Der Schelm“. Auch AfD-Politiker sollen dort Bücher bestellt
> haben.
(IMG) Bild: Schon 2024 war es zu mehreren Freiheitsstrafen von Geschäftsbeteiligten von „Der Schelm“ gekommen
Das, was in den Medien geschrieben werde, stimme größtenteils, bestätigte
eine Sprecherin des Landeskriminalamts Baden-Württemberg am Mittwoch der
taz. Bereits am frühen Vormittag hatte RBB24 von europaweiten Razzien bei
mutmaßlichen Betreiber*innen des rechtsextremen Verlags „Der Schelm“
berichtet.
Die offizielle Bestätigung folgte dann durch eine gemeinsame
Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Karlsruhe und des
Landeskriminalamts Baden-Württemberg: Am Mittwochmorgen wurden mit
Unterstützung der örtlichen Behörden insgesamt zehn Wohnungen und
Geschäftsräume in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg,
Nordrhein-Westfalen und Sachsen sowie vier weitere Räumlichkeiten in
Spanien und Polen durchsucht.
Seit mehreren Jahren habe [1][„Der Schelm“] im Fokus der deutschen
Ermittlungsbehörden gestanden. Der rechtsextremistische Verlag „soll unter
anderem Publikationen mit antisemitischen und volksverhetzenden Inhalten
sowie Schriften, in denen der Holocaust geleugnet wird, vertreiben“, so
Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt. Bei den Durchsuchungen seien nun
„umfangreiche Beweismittel, insbesondere Druckerzeugnisse, Bestellaufträge,
Propagandamaterialien und NS-Devotionalien sowie elektronische Datenträger“
sichergestellt worden sein.
## Verdacht der Volksverhetzung in mindestens 488 Fällen
[2][Bereits im 2024 war es zu mehreren Freiheitsstrafen von
Geschäftsbeteiligten von „Der Schelm“ gekommen.] Das Oberlandesgericht
Dresden sah es in ihrem Urteil damals als erwiesen an, dass der Verlag
„eine nationalsozialistische und antisemitische Ideologie“ verbreite. Mit
dem Verkauf von Büchern mit Titeln wie „Judas, der Weltfeind“ oder „Der
Jude als Weltparasit“ habe der Verlag zwischen 2018 und 2020 Umsätze in
sechsstelliger Höhe erzielt. „Durch den von allen Angeklagten eingeräumten
Vertrieb der Druckwerke sei daher der Tatbestand der Volksverhetzung
verwirklicht“, [3][heißt es im Urteil, über das auch die taz berichtet
hatte.]
Nachdem die Aktivitäten des Verlages infolge der Verurteilungen
zurückgegangen waren, hätten sich in letzter Zeit allerdings die Hinweise
darauf verdichtet, dass neue Druck- und Vertriebswege geschaffen wurden,
heißt es vonseiten der Staatsanwaltschaft Karlsruhe. Man ermittele deshalb
gegen derzeit acht Beschuldigte – vornehmlich wegen des Verdachts der
Volksverhetzung in mindestens 488 Fällen.
## 11.000 Kunden aus aller Welt
Der Hauptbeschuldigte wird aktuell in Russland vermutet. Laut RBB handelt
es sich dabei um den Verlagsinhaber, der per internationalem Haftbefehl
gesucht werde und die Geschäfte offenbar von Moskau aus steuere. Die
russische Regierung scheint den 61-Jährigen zu dulden – ein
Auslieferungsgesuch sei schon vor Jahren gescheitert.
Auch über die Kund*innen von „Der Schelm“ gibt die [4][RBB24-Recherche]
Aufschluss: Der Kundenstamm des Verlags bestehe aus rund 11.000 Menschen
aus aller Welt. Wenig überraschend sollen sich unter ihnen auch bekannte
Neonazis sowie Lokal-Politiker*innen der AfD befinden. Auch eine
Schulleiterin aus Brandenburg soll beim „Schelm“ bestellt haben.
11 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Handel-mit-rechtsextremen-Buechern/!5858714
(DIR) [2] /Rechtsextremer-Verlag-Der-Schelm/!6007905
(DIR) [3] /Rechtsextremer-Verlag-Der-Schelm/!6007905
(DIR) [4] https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/03/nazi-propaganda-razzia-verlag-schelm.html
## AUTOREN
(DIR) Jonas Bernauer
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