# taz.de -- Verdacht auf Scheinbeschäftigung: Personalschwemme der AfD wird untersucht
> Im Bundestag kennt ein AfD-Abgeordneter seinen eigenen Mitarbeiter nicht,
> in Landtagen beschäftigen AfD-Leute bis zu 16 Mitarbeiter. Nun drohen
> Konsequenzen.
(IMG) Bild: Wollte sich nicht zum Vorwurf der Scheinbeschäftigung äussern: Thomas Korell (AfD)
Thomas Korell versucht über die Peinlichkeit hinwegzugehen. Auf seinen
Social-Media-Profilen rief der AfD-Bundestagsabgeordnete aus Sachsen-Anhalt
zuletzt zur Wahl seiner Partei in Baden-Württemberg auf, versendete Grüße
zum Weltfrauentag. Kein Beitrag aber dazu, [1][dass er vor laufender
ZDF-Kamera auf einem Foto seinen angeblichen eigenen Mitarbeiter im
Bundestag nicht erkannte]. Nur auf einen Nutzerkommentar, ob er sich denn
nicht zum Vorwurf der Scheinbeschäftigung äußern wolle, schreibt Korell
knapp: „Es gibt keine Scheinbeschäftigung.“
Doch so leicht kommt Korell wohl nicht davon. Denn nach taz-Informationen
wird in der Bundestagsverwaltung momentan geprüft, ob Korell mit seinem
Mitarbeiter nicht doch Scheinbeschäftigung betrieb. Äußern wollte sich ein
Sprecher des Bundestags dazu nicht: Zu Einzelvorgängen von Abgeordneten
gebe man keine Auskunft.
Auch Korell wollte sich gegenüber der taz nicht mehr zu seinem Mitarbeiter
äußern. Nur soviel: „Das ist alles rechtens gelaufen.“ Laut ZDF soll Korell
den Mitarbeiter inzwischen nicht mehr beschäftigen.
Der Fall ist auch deshalb pikant, weil dieser Mann der Schwager eines
Parteikollegen aus Sachsen-Anhalt ist: von Tobias Rausch, dort
parlamentarischer Geschäftsführer der AfD. [2][Rausch wiederum beschäftigt
selbst vier Fußballkumpels als Mitarbeiter], drei seiner Geschwister sind
bei einer AfD-Bundestagsabgeordneten eingestellt, seine Frau bei der
AfD-Landtagsfraktion. Und Korell soll auch noch die Eltern eines
AfD-Landtagsabgeordneten angestellt haben, ebenso wie den Vater von Ulrich
Siegmund, dem Spitzenkandidat zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
[3][AfD-Abgeordnete hatten der taz dagegen erzählt, Siegmunds Vater hätten
sie auf den Bundestagsfluren noch nie gesehen].
## „Tote Hose“ im Wahlkreisbüro
Und die Fälle Rausch und Korell sind längst keine Einzelfälle, wie sich
zuletzt zeigte. Immer neue [4][Überkreuzanstellungen von Verwandten bei
AfD-Abgeordneten wurden bekannt]. Und eine [5][Umfrage der taz in allen
Landesparlamenten] offenbarte auch eine auffällig hohe Zahl an
beschäftigten Mitarbeitenden bei den Abgeordneten – was die Frage nach
Scheinbeschäftigungen aufwirft.
Bundesweite Spitzenreiterin ist hierbei die [6][AfD-Abgeordnete Nadine
Koppehel aus Sachsen-Anhalt, mit 16 Mitarbeitenden]. Fragen, wie sie dies
koordiniert und ob sie dabei Scheinbeschäftigung ausschließen kann, lässt
Koppehel bisher offen. Laut Mitteldeutscher Zeitung herrsche bei ihrem
Abgeordnetenbüro, das sie mit ihrer Mutter und Parteikollegin Margret Wendt
und der AfD-Stadtratsfraktion nutzt, – trotz des großen Personals – „tote
Hose“. [7][Gleiches gelte für andere Bürgerbüros von AfD-Abgeordneten in
Sachsen-Anhalt].
Abgeordneten im Bund und in den Ländern steht eine fixe Kostenpauschale für
Mitarbeitende zur Verfügung – auf wie viele Personen sie diese aufteilen,
ist nicht festgelegt. Aber das gehäufte Personal fällt nicht nur in
Sachsen-Anhalt auf. Auch in Nordrhein-Westfalen beschäftigt die
AfD-Abgeordnete Enxhi Seli-Zacharias, stellvertretende
Fraktionsvorsitzende, 15 Mitarbeitende. Eine Auskunft dazu lehnt auch sie
auf taz-Anfrage ab, erklärt nur: „Ich bin eine rechtschaffene Bürgerin und
habe in meinem Leben kein Gesetz gebrochen.“ Laut Kölner Stadtanzeiger
gehört zu den Beschäftigten von Seli-Zacharias auch etwa die Ehefrau eines
Duisburger AfD-Lokalpolitikers.
Im bayrischen Landtag wiederum liegt nach taz-Informationen der
AfD-Abgeordnete Markus Striedl vorn, mit 14 Mitarbeitenden. Auch er wollte
sich dazu nicht äußern. Striedl, ein Metallbauer, Windradgegner und bis
2023 Referent eines AfD-Bundestagsabgeordneten, trat am Sonntag auch für
seine Partei als Landratskandidat in Augsburg an. Er wurde mit 15 Prozent
der Stimmen Zweitplatzierter, allerdings deutlich hinter CSU-Mann Martin
Sailer, der knapp 58 Prozent holte.
Von den Landtagsverwaltungen in Bayern, Sachsen-Anhalt und
Nordrhein-Westfalen heißt es, es brauche konkrete Hinweise auf Missbrauch,
um Fälle von Mitarbeitenden zu prüfen. In Nordrhein-Westfalen läuft eine
solche Prüfung bereits nach einem Spiegel-Bericht über eine 85-jährige
Mitarbeiterin des AfD-Abgeordneten Klaus Esser.
## „Korrupten AfD-Sumpf austrocknen“
In Sachsen-Anhalt und im Bundestag sollen nun die Anstellungsregeln für
Mitarbeitende verschärft werden. Im Bundestag wollen Union und SPD, dass
Verwandte von Abgeordneten künftig nicht mehr in den Büros anderer
Abgeordneter arbeiten und dafür aus der Mitarbeitendenpauschale bezahlt
werden. Zudem sollen Abgeordnete niemanden mehr einstellen dürfen, mit dem
sie in einer Beziehung sind oder zusammenleben – so wie derzeit im Fall des
AfD-Abgeordneten Stefan Keuter.
„Ja, das ist ein Eingriff in die Berufsfreiheit“, sagte SPD-Mann Johannes
Fechner der taz. „Das ist aber gerechtfertigt, weil wir Vetternwirtschaft
mit Steuergeldern, wie wir sie bei der AfD gesehen haben, verhindern
müssen.“ Der CDU-Parlamentsgeschäftsführer Hendrik Hoppenstedt erklärte:
„Auch wenn aus verfassungsrechtlichen Gründen Lücken bleiben werden, bin
ich zuversichtlich, dass wir damit große Teile des korrupten AfD-Sumpfs
austrocknen können.“ Wo keine rechtliche Handhabe bleibe, vertraue man
darauf, dass Medien und Öffentlichkeit „ein klares Urteil über diese
Verfehlungen fällen werden“.
AfD-Chefin Alice Weidel tut die Debatte öffentlich bisher als Kampagne von
außen ab. Gleichzeitig gibt es viele interne Vorwürfe und Aufforderungen,
für Aufklärung und Ordnung bei den Mitarbeitenden zu sorgen. Und offenbar
werden auch einige AfD-Abgeordnete selbst nervös. So trennte sich nach
taz-Informationen zuletzt Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenmann in
Sachsen-Anhalt, von zwei Mitarbeitenden im Landtag. Statt zehn
Beschäftigten hat er nun noch acht – und damit immer noch deutlich mehr als
der Schnitt der Abgeordneten der anderen Fraktionen.
11 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.zdf.de/play/magazine/frontal-das-magazin-100/frontal-vom-3-maerz-2026-100
(DIR) [2] /Vetternwirtschaft-in-der-AfD/!6156430
(DIR) [3] /Vetternwirtschaft-in-der-AfD/!6156203
(DIR) [4] /Verwandtenaffaere-in-der-AfD-Thueringen/!6161261
(DIR) [5] /Verdacht-auf-Scheinbeschaeftigung-bei-Personal-von-AfD-Abgeordneten/!6157848
(DIR) [6] /Verdacht-auf-Scheinbeschaeftigung-bei-Personal-von-AfD-Abgeordneten/!6157848
(DIR) [7] https://www.mz.de/mitteldeutschland/sachsen-anhalt/entschuldigung-geht-s-hier-zur-afd-mz-spurensuche-fuhrt-zu-briefkastenadressen-und-anderen-merkwurdigkeiten-4211418
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(DIR) Konrad Litschko
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