# taz.de -- Volkswagen: Gewinneinbruch und noch mehr Stellenabbau
> Europas größter Autobauer hat seine Geschäftszahlen für 2025 vorgelegt.
> Die waren so schlecht wie lange nicht. Nun sägt der Vorstand an
> Arbeitsplätzen.
(IMG) Bild: Die E-Autos VW ID.3 und Cupra Born werden im Werk in Zwickau montiert
Es ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die gesamte deutsche
Autoindustrie die grüne Transformation völlig verschlafen hat, sagt Jakob
Hafele, Direktor des Zoe Instituts für zukunftsfähige Ökonomien. Was er
meint, sind die Geschäftszahlen von Volkswagen für das Jahr 2025, die der
Konzern [1][am Dienstag in Wolfsburg vorgelegt] hat: Einbruch des
Betriebsgewinns um knapp die Hälfte auf rund 8,9 Milliarden Euro, Rückgang
der Gewinnmarge auf 2,8 Prozent. Laut einer Mitteilung des Betriebsrats an
die Beschäftigten ist es für Europas größten Autobauer das schwächste
Ergebnis seit dem Dieselskandal vor elf Jahren.
Nach Steuern blieben der VW AG, zu der etwa die Marken Škoda, Seat,
Volkswagen, Cupra, Audi und Porsche gehören, 6,9 Milliarden Euro – 2024
waren es noch 12,4 Milliarden Euro gewesen. Umsatz und Absatz hielten sich
recht stabil: Alle Marken zusammen verkauften über das Jahr hinweg 8,98
Millionen Fahrzeuge, nur ein halbes Prozent weniger als 2024. Der Umsatz
sank um 0,8 Prozent auf rund 322 Milliarden Euro.
Und: Auf dem europäischen Markt stiegen die Verkaufszahlen des Konzerns.
Bei den Marken VW, Škoda, Seat und Cupra sank der Gewinn 2025 nur leicht
auf 6,8 Milliarden Euro. 2024 hatten dort [2][vor Steuern 6,96 Milliarden
Euro zu Buche gestanden].
„Das Jahr 2025 war geprägt von geopolitischen Spannungen, Zöllen und hoher
Wettbewerbsintensität“, teilte VW-Finanzvorstand Arno Antlitz mit. Das
einst einträgliche US-Geschäft schwächelte wegen der von US-Präsident
Donald Trump verhängten Zölle, der Absatz in Nordamerika sank um 12
Prozent. Auf dem chinesischen Markt, ebenfalls lange erfolgversprechend,
tat sich Volkswagen weiter schwer; dortige Autobauer waren in den letzten
Jahren erstarkt und am Wolfsburger Konzern vorbeigezogen, besonders im
Bereich der Elektromobilität.
## „Technologisch hinten dran“
„Deutschlands Autoindustrie hat sich sehr lange darauf ausgeruht,
technologische Vorreiterin zu sein“, sagt Wirtschaftswissenschaftler
Hafele. Verbrennermotoren deutscher Machart sicherten jahrzehntelang
Gewinne und internationales Ansehen, deutsche Autobauer galten als
Qualitätsgaranten, wähnten sich sicher – und [3][läuteten den Wandel hin
zur Produktion emissionsärmerer E-Autos viel zu spät ein]. Jetzt seien sie
„technologisch hinten dran“, meint Hafele.
Auch Oliver Blume, Chef des Volkswagenkonzerns, räumte am Dienstag bei der
Vorstellung der Bilanzen ein: Das Geschäftsmodell, „das uns über Jahrzehnte
getragen hat“, funktioniere nicht mehr. Der Konzern müsse sich schneller
verändern, schneller an Entwicklungen auf dem internationalen Markt
anpassen.
Andererseits zählt Blume zu den Köpfen der deutschen Autoindustrie, die das
ursprüngliche EU-weite Verkaufsverbot für neue Verbrenner ab dem Jahr 2035
ausdauernd in Zweifel zogen. Einen großen [4][Anteil an den Einbußen des
Konzerns hatte 2025 die VW-Tochter Porsche], die sich von ihrer Strategie
für mehr elektrische Sportwagen abwandte und doch noch länger Verbrenner
bauen möchte. Die Kehrtwende kostete der gesamten Volkswagen Group fast
fünf Milliarden Euro.
Blumes Antwort auf die Herausforderungen lautete nun einmal mehr: noch
schärfere Sparmaßnahmen und Stellenabbau. In einem Schreiben an die
Aktionär:innen vermeldete der Vorstandschef, dass der Konzern bis 2030
rund 50.000 Stellen an deutschen Standorten streichen wolle. Ende 2024 noch
hatte sich Volkswagen [5][mit den Gewerkschaften auf den Abbau von 35.000
Stellen geeinigt].
## Linke kritisiert Stellenabbau bei Volkswagen
Der Sparplan soll VW 2026 eine Gewinnmarge von bis zu 5 Prozent bescheren.
„Wir werden jeden Stein umdrehen“, sagte Blume. „Und wir werden uns auch
die Werke anschauen.“ Seit Dezember 2025 steht die E-Auto-Produktion in der
Gläsernen Manufaktur in Dresden, ehemals Aushängeschild für die
Transformation des Konzerns, still. In Osnabrück soll die Fertigung im
Spätsommer 2027 enden. Sonstige Werkschließungen schloss die Einigung mit
der Gewerkschaft IG Metall im Dezember 2024 aus.
Allein der Stellenabbau sei „absolut fatal“, sagt Agnes Conrad, Sprecherin
für nachhaltige Autopolitik der Linksfraktion im Bundestag. „Wenn sich die
Automobilindustrie für die Zukunft aufstellen will, muss sie diese
Arbeitsplätze und die Expertise an deutschen Standorten erhalten.“ Während
die Belegschaft um ihre Zukunft bangen müssten, kassiere der Vorstand
Millionengehälter: Oliver Blume habe 2025 eine Vergütung von mehr als 7
Millionen Euro erhalten. „Die Millionen wären deutlich besser in die
sozial-ökologische Transformation des Unternehmens und in sichere
Arbeitsplätze investiert gewesen.“
Ökonom Hafele ergänzt, dass VW ähnlich wie andere deutsche Autobauer noch
immer davon ausgehe, einfach nur den Antrieb eines Autos austauschen zu
müssen und im internationalen Wettbewerb auf dem E-Auto-Markt aufzuholen.
E-Autos aber seien vielmehr „Smartphones auf Rädern“, sagt Hafele – das
habe VW noch nicht verstanden. Sein Vorschlag: Die Politik könnte etwa
chinesischen Autobauern den Verkauf in Europa erlauben, solange sie einen
Teil der Wertschöpfung in Europa ansiedeln. Dort würden europäische
Arbeiter:innen angestellt und im Bauen chinesischer E-Autos mit
besserer Technologie angelernt.
Ohnehin sei es „ungünstig, dass die Bundesregierung bei den politischen
Rahmenbedingungen für die Autoindustrie so rumeiert“. Sinvoll sei es, wenn
der Bund deutsche Autokonzerne wie VW mit direkten Subventionen bei der
grünen Transformation unterstützen – die Zahlung aber an klare Vorgaben für
eine klimafreundlichere Produktion knüpfen würde. Laut Agnes Conrad müsste
außerdem die [6][Kaufprämie für E-Autos, die die Bundesregierung vor Kurzem
auf den Weg gebracht hat], auf Gebrauchtwagen ausgeweitet werden und auf
kleine, günstige E-Autos beschränkt.
10 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.volkswagen-group.com/de/geschaeftsbericht-und-ergebnisse-geschaeftsjahr-2025-20174
(DIR) [2] https://uploads.vw-mms.de/system/production/documents/cws/002/931/file_de/953dcbb8e57270df70ca288218092dba4721fd63/Y_2024_d.pdf?1742479997
(DIR) [3] /VW-in-der-Krise/!6138780
(DIR) [4] /Landtagswahl-in-Baden-Wuerttemberg/!6154478
(DIR) [5] /Einigung-ueber-die-Zukunft-von-VW/!6058101
(DIR) [6] /Foerderprogramm-fuer-E-Autos/!6146928
## AUTOREN
(DIR) Nanja Boenisch
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