# taz.de -- Bonus-Wunder bei Volkswagen?: VW-Betriebsratschefin wegen „Bild“-Zeitung unter Druck
       
       > Die VW-Vorstände könnten in diesem Jahr einen saftigen Bonus einfahren,
       > die Arbeitnehmervertreterin hat nicht gehandelt. Das sorgt für Unruhe bei
       > den Beschäftigten.
       
 (IMG) Bild: Streit um Vorstands-Boni: In der VW-Belegschaft herrscht Unmut
       
       Im Intranet von Volkswagen herrscht Unmut über Betriebsratschefin Daniela
       Cavallo – und das wenige Wochen vor der Wahl des für den [1][Konzern]
       wichtigen Arbeitnehmergremiums Ende März. IG Metall und Vorstand stecken
       unter einer Decke, ist der Tenor bei den Malochern.
       
       Die hitzigen Diskussionen drehen sich um einen Artikel der Bild-Zeitung.
       Titel: „VW-Bosse müssen Betriebsrat ihr Bonus-Wunder erklären“. „Diese
       Meldung könnte viele Mitarbeiter in ihrer Vermutung bestärken, dass wir bei
       den letzten Tarifverhandlungen verarscht wurden“, schreibt ein Mitarbeiter
       im Intranet. Der Gewerkschaftsopposition nützt das: Kleinere Gruppierungen
       wie „Die andere Liste“, die bei der anstehenden Wahl mit Cavallos IG Metall
       konkurrieren, machen Stimmung.
       
       Kern des Unmuts der Beschäftigten: Hat die mächtige Arbeitnehmervertreterin
       Cavallo durchgehen lassen, dass VW-Finanzchef Arno Antlitz 6 Milliarden
       Dollar in die Kassen zaubert – damit die Chefs Boni bekommen? Zumindest
       hätte Cavallo, die auch im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt, die Belegschaft
       auf einen unvermuteten Geldsegen und dessen Folgen für die obersten Etagen
       im Bürogebäude der Wolfsburger Konzernzentrale aufmerksam machen müssen,
       meinen Insider.
       
       Am 21. Januar hatte der [2][krisengeplagte Konzern] [3][bekannt gegeben],
       dass Antlitz binnen weniger Wochen Milliarden-Barmittel aufgetrieben hat –
       und damit eine Aussage vom September, als er von komplett leeren Kassen
       sprach, kassiert. VW habe Lagerbestände abgebaut sowie ausstehende
       Forderungen aus Autoverkäufen verkauft, hieß es. „Selbst für die übrigen
       Vorstände und den Aufsichtsrat kam eine entsprechende Pflichtmitteilung von
       VW völlig unerwartet“, will Bild aus Konzernkreisen erfahren haben.
       
       Der Effekt: Während die Vorstände des Konzerns bei einem „Cash-Flow“ von
       null Euro auch null Bonus erhalten, können sie laut den erst vor zwei
       Jahren geänderten Vorschriften ab einer Barmittel-Schwelle von 5,6
       Milliarden Euro die vollen Zusatzvergütungen einfahren: 1,75 Millionen Euro
       extra pro Chef.
       
       ## Verluste durch Tarifkompromiss bei Mitarbeitenden
       
       Und die Mitarbeiter*innen des krisengeplagten Autokonzerns? Haben
       nicht nur Angst, dass der in Wolfsburg seit fünf Jahrzehnten produzierte
       Golf künftig in Mexiko hergestellt wird. Sie müssen auch mit dem Ende 2024
       geschlossenen Tarifkompromiss Verluste hinnehmen. Damals stimmte Cavallo
       unter dem Druck schlechter VW-Zahlen dem Aussetzen von Gehaltserhöhungen
       und Maibonus zu, um Werke und Beschäftigungsgarantien zu sichern. Außerdem
       bringen Veränderungen bei den Tarifgruppen, die gerade verhandelt werden,
       wahrscheinlich ein Reallohnminus. Und wer hat mitverhandelt und zugestimmt?
       Die seit Mai 2021 amtierende Gesamtbetriebsratschefin Cavallo.
       
       „Wir teilen die Kritik an der bisherigen Informationspolitik des Konzerns
       zu den 6 Milliarden Euro Netto-Cashflow“, teilt der Betriebsrat mit. Man
       könne „das damit verbundene Unverständnis der Beschäftigten
       nachvollziehen“. Noch in dieser Woche werde es in Wolfsburg ein
       „Spitzengespräch geben, bei dem die Arbeitnehmerseite ihre Positionen
       unmissverständlich deutlich machen wird“.
       
       Am Dienstagabend ging Cavallo in die Offensive: Angesichts der überraschend
       guten Kassenlage bei VW forderte die Betriebsratschefin eine Prämie für die
       Tarifbeschäftigten. „Wenn jetzt alle gemeinsam in Sachen Kostendisziplin
       derart gut abgeliefert haben“, so Cavallo in einer Extra-Ausgabe der
       Betriebsratszeitung „Mitbestimmen“, sei mehr Geld „nur fair“.
       
       Außerdem betonen die Arbeitnehmervertreter, dass es neben dem Cash-Flow
       weitere wichtige Stellschrauben für Vorstandsboni gibt. Vor allem der
       Return on Sales (Umsatzmarge) sei entscheidend. Zu Gewinngrößen gibt VW
       allerdings erst im März bei der Vorstellung der Jahresbilanz Auskunft.
       
       Möglicherweise sind diese Zahlen zu schlecht für Boni: VW rutschte im
       dritten Quartal 2025 in die roten Zahlen. Wegen der Probleme bei Porsche
       verzeichnete der Autokonzern in den Monaten Juli bis September einen
       Verlust von 1,072 Milliarden Euro. Insgesamt lieferte VW 2025 erstmals seit
       Corona wieder unter 9 Millionen Fahrzeuge aus. Ein Minus von 0,5 Prozent im
       Vergleich zum Vorjahr.
       
       Und der Konzern selbst? Schweigt. Bislang gibt es zu den Vorwürfen keine
       Stellungnahmen von Volkswagen in den Medien. Auch auf Anfragen der taz
       äußerte sich VW bis zum Redaktionsschluss nicht.
       
       11 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /VW--Verkehrswende-Ueber-eine-Kampagne-von-Aktivistinnen-und-VW-Beschaeftigten/!6141065
 (DIR) [2] /Physikerin-ueber-die-deutschen-Autobauer/!6151648
 (DIR) [3] https://www.volkswagen-group.com/de/ad-hoc/vorlaeufige-eckdaten-fuer-netto-cashflow-und-nettoliquiditaet-im-konzernbereich-automobile-fuer-das-geschaeftsjahr-2025-20101
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai Schöneberg
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Volkswagen
 (DIR) Betriebsrat
 (DIR) Vorstände
 (DIR) Strafzölle
 (DIR) Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
 (DIR) Automobilbranche
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) US-Reaktionen auf Zolldrohung: Koste es, was es wolle
       
       Trumps Griff nach Grönland behagt auch in den USA nicht allen. Seine
       Zollpolitik belastet Verbraucher. Der Supreme Court könnte ihn stoppen.
       
 (DIR) VW in der Krise: Mit der Macht der Geschichte
       
       Beim Autobauer VW war man immer stolz darauf, dass Krisen mit der
       Belegschaft gemeinsam gemeistert werden. Kann das wieder gelingen?
       
 (DIR) Tarifeinigung bei Volkswagen: IG Metall erlebt ihr blaues „Weihnachtswunder“ bei VW
       
       Deutschlands größter Autobauer vereinbart mit Beschäftigten, bis 2030 mehr
       als 35.000 Stellen zu streichen – aber ohne betriebsbedingte Kündigungen.