# taz.de -- KI-Videoüberwachung in Berlin: Verhaltensscanner bald auch vor dem Abgeordnetenhaus
> Die Polizei will KI-Videoüberwachung auch beim Objektschutz einsetzen.
> Zusätzlich zu Kotti, Görli und Alex kommen die Kameras dann auch ans
> Parlament.
(IMG) Bild: Ist das schon auffälliges Verhalten? Protest auf dem Vorplatz des Berliner Abgeordnetenhauses (Archivbild)
Der schwarz-rote Senat und die Berliner Polizei wollen ein umstrittenes
Projekt aus [1][dem neuen Polizeigesetz] ausweiten. Videoüberwachung
mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) soll nicht nur an sogenannten
kriminalitätsbelasteten Orten – darunter das Kottbusser Tor, der Görlitzer
Park und der Alexanderplatz – stattfinden, sondern auch vor dem Roten
Rathaus, dem Berliner Abgeordnetenhaus sowie dem Sitz der
Senatsinnenverwaltung.
Der Betrieb sei zunächst als Probelauf geplant, erklärte Staatssekretär
Christian Hochgrebe (SPD) am Montag im Innenausschuss. Später könne er auf
Botschaften und andere gefährdete Orte ausgeweitet werden. „Unser Ziel ist
es, die Sicherheit im öffentlichen Raum mit innovativer Technik zu stärken
und polizeiliches Handeln gezielt zu unterstützen“, sagte Hochgrebe.
Laut Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel soll das die nach ihren
Angaben angespannte Personalsituation bei der Polizei entschärfen. Derzeit
würden rund 400 voll ausgebildete Polizist*innen zusätzlich zum
regulären Objektschutz eingesetzt, so Slowik Meisel. „Das kann ganz sicher
kein Dauerzustand sein.“
Mit der [2][umfassenden Reform] des Berliner Polizeigesetzes hatte die
schwarz-rote Koalition zum Jahreswechsel die Möglichkeiten zur
Videoüberwachung im öffentlichen Raum deutlich ausgeweitet. Seitdem
[3][darf die Polizei] etwa Videomaterial von „gefährdeten Objekten“ in
Echtzeit von einer KI auswerten lassen, die bei auffälligem Verhalten Alarm
schlägt. Auch an den sechs „kriminalitätsbelasteten Orten“ (kbO) in Berlin
[4][ist seitdem dauerhafte Videoüberwachung erlaubt] – ebenfalls
KI-gestützt.
## KI soll „Umhergehen ohne Anlass“ erkennen
Wie nun aus der [5][öffentlichen Ausschreibung] für den Einsatz beim
Objektschutz hervorgeht, soll der Betrieb noch in diesem Jahr starten.
Geplant sind demnach fest installierte Kameras am Roten Rathaus und am
Alten Stadthaus, wo die Innenverwaltung sitzt, sowie mobile Technik vor dem
Abgeordnetenhaus. Die Laufzeit ist zunächst auf ein Jahr beschränkt.
Kostenpunkt: 2,1 Millionen Euro.
Der Ausschreibung hängt ein Leistungsverzeichnis an, das detailliert
auflistet, was die Technik alles können soll: „Die KI detektiert,
klassifiziert/identifiziert und lokalisiert Objekte, Personen und Szenarien
im Bild.“ Zu „essenziellen Szenarien“ zählt die Polizei etwa das Betreten
gesperrter Bereiche, das Klettern auf Zäune und Mauern sowie
zurückgelassene Gegenstände. Aber auch, recht schwammig formuliert: „langes
Verharren oder Umhergehen ohne Anlass“ und „wiederholtes Erscheinen“ –
wobei eine biometrische Identifikation ausgeschlossen wird.
Dabei soll die maximale durchschnittliche Fehlalarmrate nicht höher als 25
Prozent liegen. Aufhorchen lässt, dass der Testbetrieb zum weiteren
Training der KI dienen soll – und nicht etwa, um den Einsatz insgesamt auf
die Probe zu stellen: „Die in der Testphase erlangten Erkenntnisse sollen
genutzt werden, um die verwendeten KI-Verfahren qualitativ zu verbessern
und die Fehlalarmquote zu verringern“, heißt es in den Vergabedokumenten.
Kritik kam am Montag von der Linken-Fraktion: „Dass die Polizei am
Abgeordnetenhaus von Berlin die KI-gestützte Videoüberwachung einführen
will, ist ein Affront gegen das Parlament“, sagte deren Innenexperte Niklas
Schrader. „Wir Abgeordneten sind nicht gefragt worden, ob wir
Versuchskaninchen für die KI-Experimente der Polizei sein wollen.“
Die Installation der KI-Technik führe dazu, dass die Berliner Polizei ihr
eigenes Kontrollorgan – das Parlament – überwache, mahnte Schrader weiter.
Und auch für Menschen, die Abgeordnete im Haus besuchen wollen, könnten die
Kameras [6][eine abschreckende Wirkung haben]. „Der Senat hat keinerlei
Problembewusstsein für diesen Umstand an den Tag gelegt. Das ist
erschreckend“, so der Linken-Abgeordnete.
Unterdessen bereitet die Polizei auch die Installation der
KI-Videoüberwachung an den kbO vor. Auch hier läuft eine [7][separate
öffentliche Ausschreibung], die Frist endet am 27. März. Das Projekt soll
zunächst 2028 laufen und 3,9 Millionen Euro kosten. Eine Verlängerung um
bis zu zwei Jahre ist möglich. Die eingesetzte KI soll körperliche
Auseinandersetzungen – „Schlagen, Treten, Kämpfen“ – sowie „stürzende und
liegende Personen“ erkennen, heißt es in dem Dokument.
## Im Juli soll es am Kotti losgehen
Starten soll die KI-Überwachung spätestens am 20. Juli am Kottbusser Tor.
Wenig später soll die Warschauer Brücke folgen. Diese erste Phase soll
ausgewertet werden, bevor die Technik am Alexanderplatz und am
[8][Görlitzer Park] installiert werden kann. Die genannten vier kbO hätten
Priorität, weil so „rund 70 Prozent der im Erfassungszeitraum an
[9][sämtlichen kbO registrierten Körperverletzungs- und Raubdelikte]
erfasst“ würden, heißt es in dem Dokument.
Der Anbieter muss zudem für jeden kbO „einen standortspezifischen
Ausleuchtungsplan erstellen“. Dieser soll laut dem Schreiben die
„jeweiligen örtlichen Gegebenheiten berücksichtigen“. Das sind am
Kottbusser Tor etwa „Rückzugs- und Angsträume, insbesondere
Betäubungsmittel-belastete Bereiche“. Am Görlitzer Park sollen die
„hochfrequentierten Ein- und Ausgänge des Parks“, die „Querungswege
zwischen Reichenberger Kiez und Wrangelkiez“, sowie die „Bereiche entlang
der ertüchtigten Umfriedung“ – also [10][der Zaun] – ausgeleuchtet und
erfasst werden.
9 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Berliner-Abgeordnetenhaus/!6124349
(DIR) [2] /Reform-des-Berliner-Polizeigesetzes/!6096087
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(DIR) [6] /Anwalt-ueber-Berliner-Polizeigesetz/!6126976
(DIR) [7] https://www.meinauftrag.rib.de/public/publications/579888
(DIR) [8] /Goerlitzer-Park/!t5011094
(DIR) [9] /Weniger-Delikte/!6117976
(DIR) [10] /Schliessung-des-Goerlitzer-Parks-in-Berlin/!6159043
## AUTOREN
(DIR) Hanno Fleckenstein
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