# taz.de -- Konflikt zwischen Israel und Hisbollah: Massenflucht im Libanon
       
       > Israel hat in Teilen des Libanon Menschen zur Flucht aufgefordert. Im
       > Süd- und Ostlibanon und im Süden Beiruts fliehen viele mit allem, was sie
       > tragen können.
       
 (IMG) Bild: Wo hin, um sich vor Bombardierungen der israelischen Armee zu schützen? Menschen in der Innenstadt von Beirut
       
       Ali und Mscheifa Maschhak haben mit einem Seil vier dünne
       Schaumstoffmatratzen aufs Audodach gespannt, Wolldecken eingepackt und sind
       geflohen. Mit ihren vier Kindern sitzen sie im Auto in Beiruts Stadtzentrum
       und wissen nicht, wo sie unterkommen. „Es ist kalt und sie bombardieren,
       wir können nicht zurück“, sagt die Mutter. Die Familie kommt aus
       Schuwayfat, südlich von Beirut.
       
       Israels Militär hat am Donnerstag alle Bewohner der schiitisch geprägten
       südlichen Stadtviertel der Hauptstadt zum Verlassen ihrer Häuser
       aufgefordert. Das Gesundheitsministerium meldete zwei Krankenhäuser, die
       zur Schließung und Evakuierung gezwungen waren.
       
       Acht Stunden nach der Warnung flog die israelische Luftwaffe nach eigenen
       Angaben 26 Lufangriffe in Süd-Beirut und bombardierte dort zehn Häuser. Am
       Abend gabe es israelische Angriffe in Brital und Douris im Ost-Libanon.
       [1][Seit Montag wurden durch israelische Angriffe 123 Menschen getötet und
       683 verletzt.] Die Zahlen meldete das libanesische Gesundheitsministerium
       am Donnerstag und verwies darauf, dass es mehr Opfer geben könnte, die von
       den Krankenhäusern noch nicht gezählt wurden.
       
       ## Mehr als 700.000 Menschen aus Beirut betroffen
       
       Betroffen von der Aufforderung zur Evakuierung sind 700.000 Menschen in
       Südbeirut, aus den Vierteln Chiyah, Ghobeiri, Haret Hreik, Hadath and Burj
       al-Barjaneh.
       
       Es gibt aber viel mehr Binnengeflüchtete im Libanon. Im jüngsten Krieg 2024
       mussten rund [2][1,2 Millionen] Menschen ihre Heimatorte verlassen.
       
       Hinzu kommen Vertriebene aus anderen Landesteilen. Ebenfalls am Donnerstag
       hatte die israelische Armee auf der Plattform „X“ eine Karte
       veröffentlicht, auf der ganz Süd-Libanon bis zum Litani-Fluss rot markiert
       war. Der Fluss liegt 30 Kilometer hinter der undefinierten gemeinsamen
       Grenze. Der israelische Militärsprecher warnte die Zivilbevölkerung, dass
       „jede Bewegung nach Süden ihr Leben gefährden könnte“.
       
       Die weitreichenden Appelle werfen ernsthafte rechtliche und humanitäre
       Fragen auf und lassen Befürchtungen um die Sicherheit der Zivilbevölkerung
       aufkommen, [3][warnt Human Rights Watch] (HRW). „Wie sollen ältere
       Menschen, Kranke und Menschen mit Behinderungen so schnell evakuiert werden
       können?“, so Ramzi Kaiss, HRW-Libanon-Experte.
       
       Es gäbe Anlass zur Sorge, dass es der israelischen Regierung nicht um den
       Schutz der Zivilbevölkerung geht. Das humanitäre Völkerrecht verbiete die
       Zwangsumsiedlung von Zivilisten in bewaffneten Konflikten, es sei denn, die
       Sicherheit der betroffenen Zivilisten oder zwingende militärische Gründe
       erfordern dies, aber diese Ausnahmen sind streng begrenzt. Selbst wenn es
       als „Evakuierung“ bezeichnet wird, muss die Umsiedlung vorübergehend sein,
       und die Zivilisten müssen nach Beendigung der Feindseligkeiten zurückkehren
       können, so die Menschenrechtsorganisation.
       
       ## Staus auf den Autobahnen
       
       Panik löste die Aussage des rechtsextremen israelischen Ministers Bezalel
       Smotrich aus, Beiruts südliche Orte würden „bald Chan Junis ähneln“. Die
       Stadt im südlichen Gazastreifen liegt durch israelische
       Flächenbombardierungen [4][in Trümmern].
       
       Im Libanon kam es zu Staus, vor allem auf der Autobahn an der Küste, in der
       Hauptstadt Beirut und in die östliche Bekaa-Ebene Richtung Damaskus. Autos
       voller Familien drängten sich neben Krankenwagen und Lkws. Menschen flohen
       zu Fuß aus den südlichen Vierteln Beiruts – Tüten und Taschen mit ihren
       Habseligkeiten in den Händen.
       
       Die libanesischen Behörden hatten rund 400 Notunterkünfte einrichten
       lassen, die meisten in öffentliche Schulen. 357 davon wurden am Donnerstag
       als „voll“ [5][gemeldet]. Die libanesische Regierung hat am Montag alle
       militärischen Aktivitäten der Hisbollah verboten und Zuwiderhandlungen
       offiziell unter Strafe gestellt.
       
       [6][Seit dem Waffenstillstandsabkommen am 27. November 2024] hat Israel den
       Libanon täglich angegriffen. Die UN Mission Unifil [7][zählte] über 10.000
       Luft- und Bodenangriffe während des offiziellen „Waffenstillstands“. Bis
       zum 24. November 2025 wurden bei diesen Angriffen mindestens 127
       Zivilist*innen im Libanon getötet, zählte das UN-Büro für
       Menschenrechte ([8][OHCHR]). Die Hisbollah hatte in dieser Zeit bis zu
       Sonntagnacht keine Raketen auf Israel abgefeuert.
       
       [9][Nach internationalem Recht] sind bewaffnete Gruppen wie die Hisbollah
       verpflichtet, Kämpfer, Munition, Waffen und militärische Infrastruktur
       nicht in dicht besiedelten Gebieten zu platzieren. Die Anwesenheit solcher
       militärischen Ziele entbindet das israelische Militär aber nicht von der
       völkerrechtlichen Verpflichtung, wahllose oder unverhältnismäßige Angriffe
       zu vermeiden und Zivilpersonen zu verschonen – auch diejenigen, die das
       Gebiet nach einer Evakuierungsaufforderung nicht verlassen.
       
       Die Nachrichtenagentur dpa meldet am Freitagmorgen, die vom Iran
       unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon habe die Bewohner im Norden Israels
       zum Verlassen des Gebiets aufgerufen. Die Angriffe der israelischen Armee
       im Libanon würden „nicht ohne Reaktion bleiben“, drohte die
       Schiiten-Organisation. Sie rief dazu auf, alle israelischen Siedlungen
       innerhalb von fünf Kilometern von der Grenze entfernt zu räumen. Es war die
       erste Warnung der Miliz dieser Art seit Ausbruch der neuen Gewalt.
       
       6 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Israel-und-USA-im-Krieg-mit-Iran/!6160411
 (DIR) [2] https://www.unhcr.org/news/briefing-notes/unhcr-lebanon-crisis-deepens-israeli-airstrikes-intensify
 (DIR) [3] https://www.hrw.org/news/2026/03/05/israeli-military-calls-for-evacuating-southern-lebanon
 (DIR) [4] https://www.bbc.com/news/live/czjvzmknv0lt
 (DIR) [5] https://reliefweb.int/report/lebanon/unicef-lebanon-humanitarian-flash-update-no2-escalation-hostilities-5-march-2026
 (DIR) [6] /Waffenruhe-zwischen-Israel-und-Hisbollah/!6048539
 (DIR) [7] https://x.com/UNIFIL_/status/1991515033457815985
 (DIR) [8] https://www.ohchr.org/en/press-briefing-notes/2025/11/increasing-israeli-attacks-killing-civilians-lebanon
 (DIR) [9] https://www.amnesty.at/presse/libanon-irrefuehrende-und-unzureichende-evakuierungswarnungen-des-israelischen-militaers/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Neumann
       
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