# taz.de -- Krieg zwischen Hisbollah und Israel: Misstrauen in Zeiten des Krieges
       
       > Im Libanon verstärkt der Krieg den Argwohn gegenüber den
       > unterschiedlichen Gruppierungen, das bekommen vor allem die
       > Schiit*innen zu spüren.
       
 (IMG) Bild: Zerstörte Wohnhäuser nach einem israelischen Angriff auf Beirut. Vertriebene haben große Probleme, irgendwo unterzukommen
       
       „Alle sind verzweifelt, erschöpft und wissen nicht, wohin sie gehen
       sollen“, erzählt Zeinat Dhein der taz. Die 24-Jährige kommt aus der Stadt
       Tyros im Südlibanon. Sie ist mit ihrer Familie im Auto nach Beirut
       geflohen, nachdem sie im Fernsehen eine Warnung gesehen hatte.
       
       Israels sogenannte Evakuierungswarnungen zwingen Menschen, ihr Zuhause zu
       verlassen. „Sie sagen, wir sollen uns 1.000 Meter von unserem Gebäude
       entfernt aufhalten. Tatsächlich bedrohen sie uns mit dem Tod“, sagt Dhein.
       Generalisierte Warnungen oder Anschläge ohne vorherige Warnung schüren
       Angst.
       
       „Es gibt nicht genügend Häuser, um alle unterzubringen. Vor allem, da die
       Mieten in die Höhe schießen. Ein Haus, das wir früher für 300 US-Dollar
       gemietet haben, kostet jetzt 1.500 Dollar“, erzählt Dhein.
       Vermieter*innen schlagen Profit aus der Not.
       
       In einigen christlichen Teilen des Landes verbieten Vermieter*innen
       ihren Mieter*innen, Menschen aufzunehmen. Leer stehende Wohnungen werden
       nicht vermietet.
       
       ## Generalverdacht „schiitisch“
       
       Die israelische Armee verbreitet regelmäßig vor Bombardierungen auf der
       Plattform X Aufforderungen an Bewohner*innen, [1][Viertel oder Städte im
       Süden, Südbeirut oder der Bekaa-Ebene im Osten zu verlassen.] Diese Orte
       gelten als schiitisch. Die Anhänger und Mitglieder der Hisbollah sind
       Schiit*innen. [2][Die Hisbollah ist nicht nur Miliz, sondern auch
       politische Organisation mit Abgeordneten, Ministern und
       Wohlfahrtsstrukturen.] Weil schwer zu erkennen ist, wie Menschen mit ihr
       verbunden sind, stehen Schiit*innen unter Generalverdacht.
       
       Mehr als 30 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs ist die Angst vor anderen
       Konfessionen weiterhin groß. Schiit*innen finden auch ohne Krieg in
       manchen Landesteilen wegen ihrer Konfession keine Wohnungen.
       
       Im Morgengrauen am Mittwoch trafen israelische Raketen den siebten Stock
       eines 15-stöckigen Wohnhauses im Viertel Aisha Bakkar im Zentrum Beiruts.
       Berichten zufolge wurden vier Menschen getötet und sechs verletzt. Die
       Straße ist mit Trümmern und Glas übersät, Nachbarinnen stehen unter Schock.
       Selbst wenn es wie ein gezielter Anschlag wirkt: Es trifft das kollektive
       Sicherheitsgefühl.
       
       Es ist der dritte Angriff im Herzen der Hauptstadt. Viele Libanes*innen
       fragen sich, wo es noch sicher ist. Es gibt keine Frontlinie.
       
       ## Misstrauen überall
       
       Hinzu kommen Fehlalarme. Am Mittwoch wurden ein Gebäude und ein Gymnasium
       in Hazmieh, südöstlich von Beirut, zwangsevakuiert. Die Familie hatte einen
       verdächtigen Anruf erhalten, berichten lokale Medien. Der libanesische
       Militärgeheimdienst stufte ihn als Fehlalarm ein.
       
       Vergangene Woche trafen israelische Angriffe zwei Hotels im zentralen
       Beirut, in denen Geflüchtete Zuflucht gesucht hatten. Die israelische Armee
       erklärte, dort Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden getötet zu
       haben.
       
       Seitdem fürchten selbst Hotels, Zimmer zu vermieten. Ein Hotel schloss
       seine Onlinebuchungen und nimmt nur noch Menschen auf, die das Personal
       persönlich kennt.
       
       „Jeder, den wir nicht kennen, ist ein Feind. Wir wollen in unserer Gegend
       bleiben und wir wollen niemanden, weder Besucher noch Gäste“, [3][sagte]
       ein Bewohner des christlich geprägten Dorfes Qlaiaa im Südlibanon in einem
       Video, das auf X verbreitet wurde. Am Montag waren israelische Soldaten in
       das Dorf eingedrungen. Der dortige maronitisch-christliche Priester Pierre
       al-Rai, wurde durch israelischen Panzerbeschuss getötet.
       
       ## Diskriminierung von Syrer*innen
       
       Für Vertriebene gibt es Notunterkünfte in Schulen. Oft werden
       alleinstehende Männer abgelehnt und Geflüchtete diskriminiert. „Syrern ist
       es verboten, in die Schulen zu gehen“, erzählt die 45-jährige Noura Ahmad
       Hamzeh der taz. Die Sunnitin lebt im Viertel Hay al-Salloum in Südbeirut,
       weil dort die Miete günstig ist.
       
       Ihr Viertel ist von Bombardierungen bedroht, sie musste fliehen. Sie
       schläft auf der Strandpromenade. „Wir schlafen unter freiem Himmel – direkt
       am Meer, es ist sehr kalt. Die Libanesen erkennt man daran, dass sie Zelte
       haben. Aber wir sind Syrer. Wir haben nur dünne Matratzen.“
       
       12 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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       können.