# taz.de -- Umgang mit der AfD in Sachsen-Anhalt: Neue Regeln gegen Blockaden und Vetternwirtschaft im Landtag
> Die AfD könnte in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft werden. Um die
> Arbeitsfähigkeit des Landtags zu sichern, planen die demokratischen
> Fraktionen Reformen.
(IMG) Bild: Im September wird der Landtag von Sachsen-Anhalt neu gewählt
dpa | Wenige Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und unter dem
Eindruck [1][hoher Umfragewerte für die AfD] wollen CDU, SPD, FDP, Linke
und Grüne Parlament und Landesverfassungsgericht stärken. Dazu sind
umfassende Reformen geplant. Außerdem sollen das Abgeordnetengesetz
geändert und Vetternwirtschaft eingedämmt werden.
In Sachsen-Anhalt wird [2][am 6. September ein neuer Landtag gewählt.] Ein
Beschluss des Pakets wird vor der Sommerpause erwartet. Diese Reformen sind
geplant:
## Wahl des Landtagspräsidenten
Damit die erste Sitzung nach der Wahl reibungslos abläuft, werden die
Regeln zur Wahl des Landtagspräsidenten angepasst. Grundsätzlich kann
zunächst weiterhin die stärkste Fraktion einen Kandidaten für das Amt
vorschlagen.
Sollte dieser Kandidat jedoch keine Mehrheit erhalten, sollen auch die
anderen Fraktionen Vorschläge unterbreiten können. Mit der Änderung soll
sichergestellt werden, dass das Parlament in jedem Fall ein Präsidium wählt
und der Landtag arbeitsfähig ist, da nur ein Präsident Sitzungen einberufen
kann. „Wir wollen das Parlament stärken“, sagte der parlamentarische
Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Guido Kosmehl, bei der Einbringung des
Reformpakets im Magdeburger Parlament.
## Wahl der Richter am Landesverfassungsgericht
Die Wahl von Richtern am Landesverfassungsgericht soll sichergestellt
werden. Dafür ist eine Zweidrittelmehrheit der Abgeordneten nötig. Verfügt
eine Fraktion über ein Drittel der Stimmen, kann sie eine Wahl blockieren.
Dafür wird nun ein Ausweg geschaffen: Scheitert die Wahl neuer Richter,
darf das Landesverfassungsgericht dem Landtag Personalvorschläge machen.
Für die Wahl dieser Personen braucht es dann keine Zweidrittelmehrheit,
sondern nur die Mehrheit der Mitglieder des Landtags.
„Wir schützen demokratische Institutionen und Einrichtungen vor möglichen
antidemokratischen Angriffen“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer
der Linken, Stefan Gebhardt.
## Überkreuzbeschäftigungen stoppen
Die AfD sieht sich seit Wochen mit [3][Vorwürfen der Vetternwirtschaft in
den eigenen Reihen] konfrontiert. Es werden bundesweit immer mehr Fälle
bekannt, in denen Familienangehörige von AfD-Politikern bei anderen
AfD-Abgeordneten beschäftigt worden sind – in Sachsen-Anhalt sorgten gleich
mehrere Verbindungen für Aufsehen.
Künftig sollen Mitarbeiter von Landtagsabgeordneten angeben müssen, ob sie
mit einem Mitglied des Landtags verwandt oder verschwägert sind. Ziel ist
es, sogenannte Überkreuzbeschäftigungen zu verhindern, dass also
Abgeordnete Familienangehörige anderer Abgeordneter bei sich anstellen.
Außerdem wird noch beraten, ob die Zahl der Mitarbeiter pro Abgeordnetem
begrenzt wird, auch um Scheinbeschäftigungen zu erschweren. Die Grünen
werden dazu Änderungsanträge einbringen, wie der parlamentarische
Geschäftsführer Olaf Meister ankündigte.
## Weitere Reformen
Die Landeszentrale für politische Bildung, die nach dem Willen der AfD
abgeschafft werden soll, erhält eine Bestandsgarantie.
Wahltermine werden abgesichert: Gelingt es nicht, einen Termin für die
nächste Landtagswahl zu bestimmen, findet die Neuwahl automatisch am
letzten Sonntag des sechzigsten Monats nach Beginn der Wahlperiode statt.
Staatsverträge sollen künftig nur noch mit Zustimmung des Landtags
gekündigt werden dürfen. Aktuell ist das ohne parlamentarische Beteiligung
durch den Ministerpräsidenten möglich. Die Neuregelung könnte etwa auf die
Rundfunkstaatsverträge abzielen, deren Kündigung die AfD im Fall einer
Regierungsübernahme anstrebt.
Gedenktage: Sachsen-Anhalt erhält zwei neue Gedenktage – den 8. Mai als Tag
der Befreiung vom Nationalsozialismus sowie 17. Juni als Gedenktag für die
Opfer des SED-Unrechts.
Die geplanten Änderungen seien Antwort „auf Erfahrungen mit
Machtmissbrauch, mit Blockaden und mit Unsicherheiten bei Abstimmungen und
Wahlvorgängen“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der
CDU-Fraktion, Andreas Schumann. Sein Kollege von der SPD, Falko Grube,
sagte, man garantiere den Bürgern „eine funktionierende Republik“.
## Das sagt die AfD zur Reform
Die AfD-Fraktion sieht sich ausgegrenzt im Parlament. Die AfD stehe in
Umfragen bei 40 Prozent und sei nicht beteiligt worden, sagte Rausch. „Hier
von einer Reform zum Schutz der Demokratie zu sprechen, kommt einer
Verhöhnung des Bürgerwillens gleich.“
FDP-Politiker Kosmehl wies das zurück. Es habe zur Reform auch ein Gespräch
mit der AfD gegeben. „Sie haben keinen einzigen eigenen Vorschlag gemacht“,
sagte Kosmehl.
Rausch kritisierte wiederum, dass die Kandidaten der AfD für das Amt des
Vizepräsidenten im Landtag seit Jahren durchfallen. Er unterstellte der
CDU, dass sie nach der Landtagswahl mit SPD und Linken koalieren wolle.
Jede Stimme für die CDU sei „eine Stimme für linke Politik“.
## Zusammenarbeit von CDU und Linken
Die CDU hat 2018 auf einem Parteitag beschlossen, nicht mit der AfD und der
Linkspartei zusammenzuarbeiten. In Sachsen-Anhalt braucht es für eine
Zweidrittelmehrheit für die Parlamentsreform jedoch die Stimmen der Linken.
Die Christdemokraten sehen darin keine inhaltliche Zusammenarbeit.
CDU-Fraktionschef Guido Heuer hat angekündigt, das Bündnis aus CDU, SPD und
FDP nach der Wahl fortzusetzen. Sollte das nicht möglich sein, schließt er
eine Minderheitsregierung nicht aus.
6 Mar 2026
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