# taz.de -- Warnung des Verfassungsschutzes: Mischt der Kreml bei den Landtagswahlen mit?
> taz exklusiv: Der Verfassungsschutz fürchtet Manipulationsversuche durch
> Russland bei den Wahlen in diesem Jahr. Der Nutznießer ist klar: die AfD.
(IMG) Bild: Desinformation und Sabotage: Russische Botschaft in Berlin
Sinan Selen wurde zuletzt deutlich. Russland agiere derzeit „aggressiv,
offensiv und eskalativ“, warnte der Chef des Bundesamts für
Verfassungsschutz in Berlin. Deutschland müsse sich einstellen auf
Sabotagen, [1][Desinformation], [2][Cyberangriffe] oder
„Einflussoperationen“. Es finde eine „brandgefährliche Entgrenzung“ statt.
Intern konkretisiert sich nun im Verfassungsschutz eine Sorge: dass es
Manipulationen der bevorstehen Landtagswahlen in diesem Jahr geben könnte.
„Angesichts der Zunahme hybrider Angriffe Russlands gegen europäische
Demokratien ist auch im Rahmen von Landtagswahlen mit entsprechenden
Aktivitäten zu rechnen“, heißt es in einer Einschätzung des Bundesamts für
Verfassungsschutz, die der taz vorliegt. Diese Gefährdung „durch
unzulässige ausländische Einflussnahme und Informationsmanipulation“ nehme
man „sehr ernst“.
Seit mehreren Jahren, so der Verfassungsschutz weiter, seien Wahlen, bisher
vorrangig auf nationaler und europäischer Ebene, Ziel von
Manipulationsversuchen fremder Staaten. Auch die Landtagswahlen kämen nun
in Betracht. Die derzeit größte Gefahr ist für die Behörde klar: „Die
Hauptbedrohung für Deutschland geht hierbei weiterhin von Aktivitäten der
Russischen Föderation aus.“ Einflussnahmeversuche und Desinformation seien
„zentrale Elemente der [3][hybriden Aktionen] Russlands“.
Schon bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr hatte es Einflussversuche
Moskaus gegeben, die der Verfassungsschutz und der BND später [4][der
russischen „Storm-1516“-Kampagne] zurechneten. In diesem Zusammenhang
wurden damals Artikel und Videos über Webseiten verbreitet, die den
Anschein echter Nachrichtenseiten erwecken sollten. Deutschland hatte
daraufhin den russischen Botschafter ins Auswärtige Amt einbestellt und
Einreisesperren gegen beschuldigte Beteiligte verhängt.
## Narrative verbreiten, Personen diskreditieren
Für den Verfassungsschutz steht dabei außer Frage, zu welchen Gunsten auch
die künftigen Einflussversuche stattfinden würden. Sofern es dazu komme,
„werden diese wahrscheinlich darauf ausgerichtet sein, solche Personen und
Parteien zu unterstützen, die offizielle russische Positionen befürworten
oder Narrative im Sinne der russischen Staatsführung verbreiten“, heißt es
in der Einschätzung. Ein Name wird nicht genannt. Aber es ist klar, auf
welche Partei er abzielt: die AfD.
Zugleich würden wohl „diejenigen Personen oder Parteien diskreditiert
werden, die der Vorstellungswelt des Kremls entgegengesetzte Positionen
vertreten, wie etwa die Unterstützung der Ukraine“, heißt es weiter. Auch
sei es denkbar, dass russische Akteure versuchten, „das Vertrauen in
demokratische Institutionen zu beschädigen, insbesondere bei Themen der
Inneren Sicherheit und der Migration“. Zudem könnte die Integrität der
Wahlen selbst oder das festgestellte Wahlergebnis „angezweifelt“ werden.
Die erste Landtagswahl findet bereits an diesem Sonntag [5][in
Baden-Württemberg] statt. Es folgen Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt,
Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Die AfD wahlkämpft hier mit
russlandzugewandten Positionen. Im Wahlprogramm der Partei in
Baden-Württemberg werden die Russlandsanktionen nach dem Angriff Moskaus
auf die Ukraine als „verantwortungslose Fehlentscheidung“ bezeichnet.
Spitzenkandidat Markus Frohnmaier erklärte, er würde als Ministerpräsident
in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit nach Russland reisen, um die
wirtschaftlichen Beziehungen „wiederzubeleben“.
Auch in einem [6][Entwurf des AfD-Wahlprogramms für Sachsen-Anhalt] wird
die „russlandfeindliche Politik der Altparteien“ kritisiert und eine
vermeintliche „Hetze“ gegen Russen beklagt. Dabei hätten Deutschland und
Sachsen-Anhalt sowohl ökonomisch als auch kulturell „ein großes Interesse
an guten Beziehungen zu Russland“.
Im Bundesrat werde man sich für die Aufhebung der Russlandsanktionen
einsetzen und für eine Wiederaufnahme von Energieimporten aus Russland, so
die AfD. Die Nord-Stream-Gas-Pipeline solle wieder in Betrieb gehen,
Schüleraustausche mit Russland müssten wiederbelebt und der
Russisch-Unterricht an Schulen wieder ausgebaut werden.
## Warnungen auch von anderen Behörden
Schon zuletzt hatte auch der hessische Verfassungsschutz vor
Desinformationen vor den dortigen [7][Kommunalwahlen am 15. März] gewarnt.
Mit KI-generierten Inhalten und Deepfakes über Kandidierende oder Parteien
könnte die Meinungsbildung „gezielt fehlerhaft beziehungsweise irreführend
beeinflusst“ werden, erklärte das Landesamt.
Gerade auf kommunaler Ebene könnten gefälschte Onlineprofile von
Amtsträgern oder Behörden „eine gefährliche Wirkung entfalten, da sie in
einem vertrauten Umfeld besonders glaubwürdig erscheinen“. Auch könnten
kleinere Gemeinden mangels Ressourcen solche Desinformation schwerer
entlarven. Vor allem Bürgermeister*innen seien im vergangenen Jahr
Opfer von Identitätsklau auf Social Media geworden.
Bernd Neumann, hessischer Verfassungsschutzchef, warnte: „Wenn für die
Wählerinnen und Wähler nicht mehr unterscheidbar ist, ob ein Video, Profil
oder ein Kommentar echt ist, bricht die Vertrauensbasis weg, die für die
demokratische Meinungs- und Willensbildung von entscheidender Bedeutung
ist.“ Gerade im Wahlkampf verbreiteten sich falsche oder irreführende
Meldungen „rasant“. Das Landesamt richtete für die Kommunalwahl eigens eine
Sonderauswertungseinheit ein, die Hinweise auf Desinformation nachgehen
soll.
Und der Verfassungsschutz ist nicht allein. Auch [8][BND-Chef Martin Jäger]
warnte im Februar auf der Münchner Sicherheitskonferenz deutlich vor
hybriden Angriffen Russlands und Manipulationsversuchen auf die Wahlen in
diesem Jahr.
2 Mar 2026
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(DIR) Konrad Litschko
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