# taz.de -- Wie der Linke-Chef um Stimmen wirbt: Mamdani für Arme
       
       > Mit Videos in verschiedenen Sprachen wendet sich Jan van Aken an
       > migrantische Wähler:innen in Baden-Württemberg. Kann das gutgehen?
       
 (IMG) Bild: Kann auch in mehreren Sprachen gestikulieren: Jan van Aken beim Wahlkampf in Stuttgart
       
       Drei Tage vor der Wahl wendet sich Jan van Aken auf Instagram und Tiktok
       noch einmal an die [1][Wählerinnen und Wähler in Baden-Württemberg].
       Allerdings ohne Worte: Er gestikuliert in Gebärdensprache. Dann tritt eine
       Gebärdensprachdolmetscherin neben ihn. „Habt ihr das verstanden?“, fragt
       sie mit Handbewegungen. „Er übt noch“, fügt sie hinzu und führt seinen
       Vortrag fort.
       
       Es ist das letzte Video einer ganzen Reihe. In den vergangenen Wochen hat
       sich der [2][Parteichef der Linken] vor der Landtagswahl schon auf
       Italienisch, Türkisch, Griechisch, Arabisch und Bosnisch an seine
       Social-Media-Followerschaft gewandt. Mal aus einer Haustür oder einer
       Toreinfahrt um die Ecke kommend, mal auf der Straße stehend, lässig in
       Jeans, Hemd und mit Strickjacke oder im Kurzmantel gekleidet, sprach er da
       mit fremder Zunge in die Kamera.
       
       Die Botschaft war und ist immer dieselbe: Die Mieten in Baden-Württemberg
       seien viel zu hoch. Jobs gingen verloren und im Parlament werde viel
       geredet, aber zu wenig für höhere Löhne getan. Darum solle man bitte [3][am
       8. März der Linkspartei die Stimme geben]. Sie könnte [4][erstmals in den
       Landtag in Stuttgart einziehen].
       
       Auch andere Parteien haben schon Wahlwerbung in anderen Sprachen gemacht –
       sogar die AfD, die sich in der Vergangenheit etwa auf Russisch um die
       russlanddeutsche Community bemüht hat. Im Bundestagswahlkampf 2025 warb Jan
       van Akens Co-Chefin Ines Schwerdtner in ihrem Ostberliner Wahlbezirk
       Lichtenberg am Dong-Xuan-Center, dem größten Asiamarkt der Stadt, mit einem
       riesigen Plakat auf Vietnamesisch für sich. Dort, in der Hochburg der
       Community, [5][buhlte auch die AfD mit Hilfe ihrer hessischen Abgeordneten
       Anne Nguyen] um die Stimmen der mehreren Tausend Menschen vietnamesischer
       Herkunft.
       
       ## Der erste Parteichef, der in fremden Zungen spricht
       
       Doch Jan van Aken ist der erste Parteichef, der sich selbst auf
       verschiedenen Sprachen an Wählerinnen und Wähler wendet. Inspiration dafür
       war offensichtlich Zohran Mamdani, der linke Bürgermeister von New York,
       der in seinem Wahlkampf Videos auf Arabisch, Hindi, Bangal, Urdu und
       Spanisch produzierte. Die Videos von Mamdani, dessen Mutter die mehrfach
       preisgekrönte Filmemacherin Mira Nair ist, hatten Hollywood-Niveau. Die
       Low-Budget-Clips von Jan van Aken entsprechen eher dem Standard einer
       deutschen Vorabendserie: Mamdani für Arme.
       
       Aber können sie trotzdem zünden? Özgür Özvatan ist skeptisch, er findet die
       Polit-Werbespots von Jan van Aken „ambivalent“, wie er der taz sagt. Sie
       erinnern ihn an den Multikulti-Stil der 1990er Jahre. Der Berliner
       [6][Sozialwissenschaftler und Politikberater hat erforscht, wie deutsche
       Parteien migrantische Wählerinnen und Wähler umwerben]. Er glaubt nicht,
       dass die Videos des Linken-Chefs bei ihnen sonderlich verfangen: Seine
       Aussprache klinge hölzern, die Worte auswendig gelernt und die Ansprache
       durch den Parteichef wirke etwas paternalistisch. „Warum setzt die Linke
       nicht auf Stimmen aus der Community?“, fragt er. Die Partei hätte doch
       genug migrantische Aktivisten und Politikerinnen in ihren Reihen. Das wäre
       authentischer gewesen.
       
       Das gilt um so mehr, als in Baden-Württemberg mit [7][Cem Özdemir von den
       Grünen] ein Politiker mit Migrationshintergrund für das Amt des
       Ministerpräsidenten kandidiert. Özdemir verweist zwar immer mal wieder
       selbstbewusst auf seine Einwanderer-Aufstiegsgeschichte, wenn es gerade
       passt. Aber er verzichtet bewusst darauf, die Wählerinnen und Wähler im
       Ländle in einer anderen Sprache als Schwäbisch anzusprechen: er will ja
       eine Mehrheit erreichen.
       
       Womöglich hätte es deshalb auch schon gereicht, Jan van Aken eine
       Muttersprachlerin oder einen Muttersprachler zur Seite zu stellen, um sein
       gut gemeintes Sprachführer-Kauderwelsch zu übersetzen. So wie er es bei
       seinem Vortrag in Gebärdensprache gemacht hat. „Habt ihr das verstanden?“
       
       5 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Landtagswahl-in-Baden-Wuerttemberg/!6154478
 (DIR) [2] /Comeback-der-Linkspartei/!6067299
 (DIR) [3] /Linke-Wahlkampf-in-Baden-Wuerttemberg/!6153572
 (DIR) [4] /Linkspartei-in-Baden-Wuerttemberg/!6156759
 (DIR) [5] /AfD-und-Berliner-Vietnamesen/!6069756
 (DIR) [6] /Migrationsgeschichte-und-Wahlkampf/!6066719
 (DIR) [7] /Cem-Oezdemir-Gruene-Schwampel-Dafuer-ist-mir-Baden-Wuerttemberg-zu-schade/!6157254
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Bax
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Die Linke
 (DIR) Jan van Aken
 (DIR) Migrationshintergrund
 (DIR) Migration
 (DIR) Wahlkampf
 (DIR) Zohran Mamdani
 (DIR) Cem Özdemir
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Wahl in Baden-Württemberg
 (DIR) Wahl in Baden-Württemberg
 (DIR) Wahl in Baden-Württemberg
 (DIR) Die Linke
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Heidi Reichinnek
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Wahlkampffinale in Baden-Württemberg: „Schmutzkampagne“ hier, „Falschmeldungen“ da
       
       Im Endspurt liegen die Nerven blank: CDU und Grüne liegen kurz vorm Wahltag
       Kopf an Kopf – und machen sich gegenseitig heftige Vorwürfe.
       
 (DIR) Wahlkampfendspurt in Baden-Württemberg: Hagel setzt auf Katherina Reiche, Özdemir auf Erneuerbare
       
       Der Irankrieg und die steigenden Spritpreise werden im Südwesten zum
       Wahlkampfthema. In einer Umfrage haben die Grünen derweil die CDU
       eingeholt.
       
 (DIR) Vor den Wahlen in Baden-Württemberg: Sieben auf einen Klingelstreich
       
       Die Linken könnten in Baden-Württemberg erstmals in den Landtag einziehen.
       Wie haben sie das geschafft? Unterwegs mit der Heidelberger
       Spitzenkandidatin.
       
 (DIR) Linkspartei in Baden-Württemberg: The Länd sieht rot
       
       Erstmals könnte die Linke in den Landtag von Baden-Württemberg einziehen.
       Progressive im Südwesten haben kaum eine Alternative.
       
 (DIR) Landtagswahl in Baden-Württemberg: Happy dank Heidi und trotz der „ganzen Scheiße da draußen“
       
       Die Linkspartei im Südwesten ist im Aufwind. Bei einem Wahlkampfauftritt in
       Stuttgart wird Heidi Reichinnek wie ein Popstar gefeiert.