# taz.de -- Vor den Wahlen in Baden-Württemberg: Sieben auf einen Klingelstreich
> Die Linken könnten in Baden-Württemberg erstmals in den Landtag
> einziehen. Wie haben sie das geschafft? Unterwegs mit der Heidelberger
> Spitzenkandidatin.
(IMG) Bild: Zuhören, lächeln, nicken: Kim Sophie Bohnen hat auf ihrem roten Klemmbrett den optimalen Leitfaden für den Häuserkampf
Als die Tür sich öffnet, ist der Mann dahinter sofort sauer. Er habe keinen
Bock und halte nix vom Mietendeckel. Er stellt sich auf den Schuhabtreter,
sein Sohn hängt sich an sein Bein. „Ich suche seit Jahren nach einer
Wohnung. Dann kam die Ampel, dann ging die Ampel. Ich brauch immer noch ’ne
Wohnung!“ Er sei völlig enttäuscht, er werde wahrscheinlich nicht wählen.
Außerdem habe er eine Aufgabe, die solle sich Kim Sophie Bohnen gleich mal
aufschreiben. „Sehr gerne!“, sagt die und setzt den Stift aufs Klemmbrett.
Was solle das mit der Fernwärme, will er wissen. Er sei beim teuersten
Anbieter in Deutschland, dabei wohne er in einer subventionierten Wohnung.
Bohnen nickt, notiert alle Punkte, nickt wieder. Den Anbieter wechseln
könne er auch nicht, sagt der Mann. „Was soll das? Kinderfasching!“
Erst als der Sohn ruft: „Ey! Papa! Ich will zum Kinderfasching!“,
unterbricht der Mann seinen Redeschwall. Die linke Spitzenkandidatin Bohnen
versucht ihr Glück: „Darf ich ihnen zumindest unser Kurzwahlprogramm
mitgeben?“, und sie streckt dem Mann den Flyer entgegen. „Na ja, weil Sie
so lang zugehört haben, guck’ ich kurz rein.“
Es ist ein Freitag in der Heidelberger Südstadt. Hier stehen alte
Kasernengelände der US Army neben identischen Neubauten – es sei ein
beliebtes Wohnviertel, laut Website der Stadt. In den Fluren parken Buggys,
drinnen schreien Kinder. Die Wohnungen sind subventioniert, ein
Quadratmeter kostet im Durchschnitt 7,85 Euro. Das Thema Mieten
funktioniert trotzdem gut. Wie überall in Heidelberg. [1][Deutschlandweit]
ist Heidelberg unter den zehn Städten mit den höchsten Mieten. Vielleicht
auch deshalb lag die Linke schon bei der Bundestagswahl bei knapp 17
Prozent – und damit über dem Durchschnitt.
## Von 2,8 auf 6 Prozent in wenigen Jahren
Bohnen ist 26 Jahre alt, hat die Haare zum Buzzcut rasiert und braucht
diese Stimmen wieder. Sie tritt als Direktkandidatin der Linken in
Heidelberg bei den Landtagswahlen am 8. März an und ist Teil des jungen
Spitzentrios in Baden-Württemberg. Zum ersten Mal überhaupt hat die Linke
eine realistische Chance, in den Landtag zu ziehen. Dabei ist die
Ausgangssituation schwierig: ein konservatives Land, die
Automobilindustrie, christliche Tradition – die CDU regierte dort 58 Jahre
lang, 20 davon allein.
Selbst die seit 15 Jahren in Baden-Württemberg regierenden Grünen
[2][gelten oft als konservativer] als der Rest der Grünen in Deutschland.
In der Vergangenheit scheiterte die Linke hier – bei der Bundestagswahl
2009 erreichte sie noch 11,9 Prozent der Zweitstimmen. 2011 bei den
Landtagswahlen in Baden-Württemberg waren es dann nur noch 2,8 Prozent –
das ist bis jetzt so geblieben. Seit Jahren packt die Partei es nicht über
die 5-Prozent-Hürde.
Es ist nicht mehr lange bis zur Landtagswahl, und in Meinungsumfragen steht
die Linke zeitweilig bei 7 Prozent. Wie haben sie das gemacht?
Wer Kim Sophie Bohnen von Haustür zu Haustür folgt, beobachtet eine
Spitzenkandidatin, die gelernt hat, welche Themen funktionieren und welche
man besser nicht anspricht. Eine durchgetaktete und gleichzeitig
unerfahrene Partei. Die am grünen Rand gräbt und trotzdem mehr als nur
enttäuschte Grüne anspricht. Die unbedingt betonen will: Wir sind nicht
abgehoben, wir kümmern uns.
## Leitfaden für mehr Erfolg beim Kämpfen
Bohnen hat ein Rezept dafür gefunden. Es steht auf den roten Klemmbrettern,
die alle Haustürwahlkämpfer*innen eng an die Brust gedrückt halten.
Darauf mehrere Blätter mit konkreten Anweisungen für ein erfolgreiches
Gespräch an der Haustür. 70 Prozent zuhören, 30 Prozent reden. Die erste
Frage soll die Frage nach dem Zauberstab sein: Wenn Sie könnten, was würden
Sie sofort ändern?
Und dann reden die meisten schon los, Bohnen ist still und nickt. Fällt den
Menschen nichts sein, hilft sie gelegentlich nach: „Wie ist es zum Beispiel
mit den Mieten?“ Erst ganz zum Schluss, wenn das Gespräch „gut“ lief, solle
man fragen, ob man sich denn vorstellen könne, die Linke zu wählen – so
will es das Klemmbrett.
Die Mieten, das ist ein dankbares Thema – nicht nur in Heidelberg. Auch in
Tübingen, Freiburg, Mannheim und Stuttgart sind die Mieten hoch. Bei der
Jahresauftaktklausur im Januar sprach Heidi Reichinnek von der Linken als
„Partei der Mieter“. Im Landtagswahlkampf konzentriert sich die Partei
besonders auf die Universitätsstädte. Schon bei der Bundestagswahl holte
die Linke dort ein zweistelliges Ergebnis. Auch, weil ein Viertel der unter
25-Jährigen die Linke wählten.
Theoretisch stehen auch andere Themen im Wahlprogramm, zum Beispiel, dass
man Teile der Autoindustrie verstaatlichen wolle. Ob Bohnen diese Themen
bewusst ausspart, weil es womöglich Wähler*innen, und sind sie noch so
enttäuscht, abschreckt? Bohnen verneint. Trotzdem erwähnt sie das Wort in
den zwei Tagen, die die taz sie beim Wahlkampf begleitet, nicht ein
einziges Mal.
## Hass auf Heidelberg
Ein Häuserblock weiter in der Südstadt bricht einer alleinerziehenden
Mutter die Stimme. Bohnen hatte gefragt, ob sie denn hier ein Problem
hätte, zum Beispiel mit den Nebenkosten? Zuvor hatten sich schon einige
Nachbarn im Haus über das Thema bei Bohnen beschwert. „Da stechen sie in
ein Nest!“, sagt die Frau. Gerade heute habe sie bei der CDU angerufen.
Wegen der Nebenkosten könne sie ihre Miete nicht mehr bezahlen. „Es ist ein
ganz großer Beschiss, ich hasse Heidelberg dafür.“ Schon zweimal musste sie
auf ihr Erspartes zurückgreifen. Den Mieterverein kann sie sich nicht
leisten.
Bohnen will sich kümmern. Sie habe Kontakte beim Mieterverein, vielleicht
lässt sich da was machen, sie notiert Mail und Telefonnummer der Frau.
Außerdem werde sie bei der Gemeinderatsfraktion nachfragen, vielleicht
können die helfen. Später sagt ein Nachbar ein paar Haustüren weiter: Gegen
die hohen Nebenkosten, da könne man wahrscheinlich nichts mehr machen, er
hätte schon beim Mieterverein angefragt. Kein Erfolg. Bohnen will es
trotzdem versuchen.
Bisher erkennen die wenigsten Kim Sophie Bohnen. Auch wenn sie sich mit
blauem Schal, großen Ohrringen und der golden Kette, auf der „Mietendeckel“
steht, wiedererkannt zu werden bemüht. Vor sechs Jahren zog sie von
Schleswig-Holstein nach Heidelberg, seit vier Jahren ist sie Mitglied bei
den Linken. Bohnen ist politisch unerfahren, in den Gemeinderat wurde sie
nicht gewählt. An den meisten Haustüren beendet sie das Gespräch mit „Am 8.
März sind nämlich Landtagswahlen und ich bin Spitzenkandidatin. Damit sie
schon mal ein Gesicht gesehen haben“, und sie hält der Person an der Tür
das Kurzwahlprogramm mit einem Foto von ihr entgegen. Gefolgt von einem
überraschten: „Das sind ja Sie!“
Bohnen ist gelernte Bankkauffrau, bei der Volksbank saß sie am Schalter und
verhält sich auch beim Wahlkampf so. Wenn sie an einer Haustür klingelt,
nickt sie und lächelt, diskutiert nicht, bedankt sich, wenn ihr Menschen
von ihren Sorgen erzählen. „Revolutionäre Freundlichkeit“ nennt das Bohnen
und zitiert damit Ines Schwerdtner, die Co-Vorsitzende der Linkspartei.
Bohnen fordert nicht auf, stattdessen bietet sie Hilfe an: Die Menschen
können die Mietwucher-App und den Heizkostencheck nutzen, auf kleinen
Flyern ist der zugehörige QR-Code gedruckt. Dort prüft die Linke dann, ob
man zu hohe Mieten oder Nebenkosten zahlt.
## Bewährte Rezeptur
Es ist ein Rezept, das sich bewährt hat, schon bei der Bundestagswahl 2025
holte die Linke fast 9 Prozent der Zweitstimmen gegenüber nicht einmal 5
bei den Wahlen davor. Auch wegen des Haustürwahlkampfs, weil man vor Ort
war, glaubt die Linkspartei. Außerdem profitierte sie davon, dass Friedrich
Merz sich an die AfD in der Migrationsdebatte annäherte und mit der Partei
im Bundestag abstimmte. [3][Heidi Reichinneks Barrikadenrede] ging danach
viral.
Im Haustürwahlkampf dokumentiert eine App: Welche Gruppe übernimmt welchen
Häuserblock? An wie vielen Türen haben sie geklingelt? Wie viele Türen
haben sich geöffnet? Gab es Wahlzusagen? Wie viele Gespräche waren „gute“
Gespräche? Was ein „gutes Gespräch“ ist, das bleibt während der zwei Tage
uneindeutig. Manchmal nimmt eine Person nur den Zettel entgegen und sagt:
„Ja, die Mieten sind ein Problem“, ein anderes Mal ist es ein zehnminütiger
Monolog über Fernwärme.
Auch Bohnen scheint sich an ein Skript zu halten, egal ob auf der Straße,
auf der Bühne, vor der Haustür oder mit Journalist*innen. Auffallend oft
wiederholt sie Slogans, die schon auf Bundesebene Heidi Reichinnek und Jan
van Aken in die Welt gesetzt haben: „Wir organisieren die Hoffnung“,
„Wahlkampf der Bezahlbarkeit“, „Revolutionäre Freundlichkeit“, spult Bohnen
in regelmäßigen Abständen ab.
Wenn man Bohnen fragt, warum sie bei den Linken ist, dann erzählt sie von
der Zeit am Schalter. Von dem Tag, als eine Rentnerin in Tränen
ausgebrochen sei, weil sie nicht wusste, wie sie von ihrer kleinen Rente
noch einkaufen soll. Bohnen saß auf der anderen Seite vom Schalter und
konnte nichts tun. Ob sie heute Angst habe, dass sie die Menschen
enttäuscht? Die Linke wird schließlich in der Opposition sitzen. Außerdem
wolle sie „keine Kompromisse“ im Landtag eingehen. Die Mittel sind also
begrenzt. Bohnen widerspricht, man werde die Regierung im Landtag auch aus
der Opposition vor sich hertreiben.
## Dieser linke grüne Rand
In der Heidelberger Weststadt steht ein Elektro-VW-Bus vor
Gründerzeitbauten, Laufräder stapeln sich neben dem Spielplatz, vor den
meisten Häusern stehen mehr Fahrräder als Autos. Hier wohnen
Akademiker*innen, junge Familien und Studis. Es gibt einen Wochenmarkt. Die
Grünen waren hier stärkste Kraft bei der Bundestagswahl. Die Linken kamen
auf etwas über 15 Prozent. Es gibt also Potenzial, sagt Kim Sophie Bohnen
und schaut sich zwischen den Häusern um.
Bohnen war schon häufiger in der Weststadt an den Haustüren, habe schon
„gute“ Gespräche gehabt. Es seien auch enttäuschte Grünen-Wähler*innen, die
sich von den Themen wie kostenlose Kita oder zu hohe Mieten angesprochen
fühlten. Sucht man nach Gründen, wieso die Linke gerade so gut in
Baden-Württemberg steht, dann landet man schnell bei den Grünen. Der
Spitzenkandidat Cem Özdemir zählt zum Realoflügel der Partei und sagte beim
Bundesparteitag in Hannover: „Wir Grünen können Auto.“ Damit will er neben
Klimaschützern bis in die konservative Mitte fischen und lässt einen linken
Rand frei. Den will die Linke nutzen.
Vor dem ersten Haus drückt sie auf die goldenen Tasten des Klingelschilds,
das Sicherheitsschloss summt und entriegelt sich. Im zweiten Stock öffnet
eine ältere Frau die Tür ihrer Altbauwohnung. „Wir wissen schon, wen wir
wählen, und haben kein Interesse“, stellt sie klar, bevor Bohnen sich
vorstellen kann. Die bleibt höflich, will wissen, was die Frau denn gerade
an Themen beschäftige, sie würde gerne wichtige Themen mit in den Landtag
nehmen. „Wir sind hier zufrieden“, sagt die Frau. Sie wähle schon immer
grün oder rot.
Rot?
„Die SPD!“ Dann schließt sie die Tür.
Während Bohnen in Heidelberg an Haustüren klingelt, sind die Grünen aber
selten Thema. Meist sind es ältere Menschen, die sich als treue
Grünen-Wähler outen. Ein Mann stellt gleich klar: „Ich finde Ihre Partei
nicht unsympathisch“, aber er wähle die Grünen, weil er 68er sei – dabei
bleibt er einer der wenigen, die in den zwei Tagen die Grünen erwähnen.
Fragt man Bohnen, wer ihre größte Konkurrenz ist, dann sagt sie: „Niemand.“
Auch nicht die Grünen? Bohnen erklärt, dass die meisten keinen Unterschied
mehr erkennen zwischen Grün und Schwarz. „Und die Menschen wissen, wer die
letzten Jahre regiert hat.“
So ganz kann man den Erfolg der Linken in Baden-Württemberg aber nicht
durch die mittige Position der Grünen erklären. Schließlich sind die Grünen
hier schon länger mittig, als die Linken erfolgreich sind.
## Weiblich und nicht das BSW
Die erfolglosen Zeiten haben unter Bohnens Haustürwahlkämpfer*innen
die wenigsten miterlebt. Nach der Abspaltung des BSW hat sich 2025 die Zahl
der Mitglieder auf über 10.000 Personen mehr als verdoppelt. Über die
Hälfte der Mitglieder ist nach Angaben des Landesverbands 30 Jahre alt oder
jünger – viele sind weiblich.
Dass die meisten Mitglieder jung und weiblich sind, das merkt man auch an
diesem Freitagabend im Café Leitstelle, einer Art Kulturzentrum im Zentrum
Heidelbergs. Neben Sofas dienen Lemonaid-Kästen als Hocker, es gibt
Kürbis-Kartoffel-Eintopf für die Helfer*innen, die aus ganz Deutschland
angereist sind. Bohnen hatte gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten und
Landesvorsitzenden von Baden-Württemberg, Sahra Mirow, zu einer „Townhall“
eingeladen.
„Einem was?“, fragt ein ehemaliger Gewerkschaftsfunktionär, der hinten auf
den Sofas sitzt. Eine jüngere Frau beugt sich rüber und übersetzt: „Eine
Stadthalle.“ Der Gewerkschafter und zwei weitere Männer fallen deutlich aus
dem Altersdurchschnitt, einer davon ist erst vor Kurzem von den Grünen zu
den Linken gewechselt. Er sei froh über der Situation der Linken in
Baden-Württemberg, sagt der Gewerkschafter. Insbesondere, dass er nicht
mehr ständig auf Sahra Wagenknecht angesprochen werde.
Nach Bohnen und Mirows Gespräch auf der Bühne darf das Publikum Fragen
stellen. Einige melden sich, kommen nach vorne, fragen nach Ortsgruppen
oder warum sich die Linke im Dezember bei der Abstimmung über die Rente im
Bundestag enthalten habe. Nicht alle nehmen das mit den Fragen aber so
genau.
Manche wollen selbst etwas erzählen. Drei junge Männer wenden Bohnen und
Mirow den Rücken zu, erklären der Menge die Rolle der Revolution im
Wahlkampf und haben außerdem eine eigene Meinung zur
Regierungsverantwortung der Linken. An Bohnen und Mirow haben sie im
Anschluss keine Frage. Bohnen lächelt freundlich, das Publikum klatscht
höflich.
## „Schön, dass ihr euch meldet“
Am nächsten Morgen im Heidelberger Stadtteil Kirchheim versammeln sich die
Wahlkampfhelfer*innen um einen Infostand auf einem kleinen Platz. Der
stehe hier seit einem Jahr, mittlerweile kenne man sich. Selbst CDU-Wähler
würden freundlich winken, betont ein Wahlkämpfer. Man sei hier nah bei den
Menschen, nicht so wie die abgehobenen Politiker, die sich erst kurz vor
der Wahl blicken ließen und dann nie wieder – um diesen Eindruck ist man
bemüht.
Hier waren AfD und Linke bei der Bundestagswahl gleich stark. Es sei
teilweise eine „prekäre Gegend“. Ein Haustürwahlkämpfer gibt einen kurzen
Impulsvortrag über das Viertel und erklärt: Kirchheim war mal ein Dorf, das
in Heidelberg eingegliedert wurde. In ländlichen Regionen war die Linke
bisher weniger erfolgreich als in der Stadt. „Oh-oh“, sagt eine
Haustürwahlkämpferin. Dann schwärmen die Helfer*innen aus.
Bohnen klingelt dieses Mal an Türen von Häuserblocks. Raufasertapete, es
riecht nach Zigaretten. Die meisten Türen öffnen nicht oder schließen
gleich wieder. Ist das nicht frustrierend? Bohnen verneint, es mache ihr
sogar Spaß. Auch wenn man ihr das nach Tausenden Treppenstufen und
zufallenden Haustüren nur bedingt glaubt. Sie wolle auch nach der
Landtagswahl weiter an die Haustüren. Im Kontakt bleiben. Schließlich habe
sie das auch schon lange vor den Landtagswahlen so gemacht. Es ist diese
Kontinuität, die Verbindlichkeit herstelle.
In Kirchheim öffnet dann doch eine Tür. „Ich hab gepennt“, erklärt ein Mann
und schiebt sich durch den Türspalt. Bohnen spult ihr Programm ab und fragt
nach dem Zauberstab. „Puh“, es gebe viele Dinge, die er verändern würde,
„das fängt bei de Heizkoschde an“, auch er befürchte höhere Kosten durch
Fernwärme, und allgemein werde alles immer teurer.
„Aber schön, dass ihr euch meldet“, er wohne jetzt seit neun Jahren hier,
„das ist das erste Mal, dass ich jemand hier seh.“ Bohnen verweist auf die
Gemeindefraktion und das offene Bürgerbüro, an die sich der Mann gerne
wenden könne. „Oh, das ist aber nett“, er wirkt überrascht. Bisher habe er
die CDU gewählt, aber es werde immer alles versprochen und nix gehalten.
„Ich bin es leid.“
Bohnen wagt die letzte Frage: Ob er sich vorstellen könne, die Linke zu
wählen? „So langsam denk’ ich drüber nach.“
3 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/mietpreise-in-deutschland-in-diesen-staedten-muessen-mieter-am-meisten-zahlen/25430390.html
(DIR) [2] /Landtagswahl-in-Baden-Wuerttemberg/!6154429
(DIR) [3] /Linke-Politikerin-Heidi-Reichinnek/!6063355
## AUTOREN
(DIR) Jana Laborenz
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