# taz.de -- Wahlkampffinale in Baden-Württemberg: „Schmutzkampagne“ hier, „Falschmeldungen“ da
       
       > Im Endspurt liegen die Nerven blank: CDU und Grüne liegen kurz vorm
       > Wahltag Kopf an Kopf – und machen sich gegenseitig heftige Vorwürfe.
       
 (IMG) Bild: CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel spürt den Atem seines Verfolgers im Nacken
       
       dpa/afp Zwei Tage vor der [1][Landtagswahl in Baden-Württemberg] hat sich
       der Ton zwischen CDU und Grünen deutlich verschärft: Beide Parteien
       überziehen einander mit Vorwürfen. „Die Grünen haben ihren moralischen
       Kompass verloren“, sagte der Generalsekretär der Landes-CDU, Tobias Vogt.
       „Wer sein eigenes Parteilogo und seine Inhalte verstecken muss, dem bleibt
       am Ende offenbar nur noch der Griff in die Schmutzkiste.“
       Grünen-Landeschefin Lena Schwelling wiederum wirft der CDU vor,
       Falschnachrichten zu verbreiten.
       
       Der gereizte Ton verdankt sich dem „Herzschlagfinale“ auf den letzten
       Metern des Wahlkampfs. Denn am Sonntag kündigt sich nun doch ein knappes
       Rennen zwischen CDU und Grünen an. In einer am Donnerstagabend
       veröffentlichten neuen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF
       lagen die Christdemokraten von [2][Spitzenkandidat Manuel Hagel] und die
       Grünen mit [3][Spitzenkandidat Cem Özdemir] bei jeweils 28 Prozent
       gleichauf. Bereits zuvor hatten andere Befragungen beide Parteien eng
       beieinander gesehen.
       
       Die anderen Parteien haben das Nachsehen. Laut der in Mainz
       veröffentlichten Umfrage für das ZDF folgt die AfD auf dem dritten Rang mit
       18 Prozent, weit dahinter liegt die SPD mit 8 Prozent. Die FDP kann mit 5,5
       Prozent auf einen Verbleib im Landtag hoffen, während die Linke mit
       ebenfalls 5,5 Prozent [4][erstmals in das Landesparlament in Stuttgart
       einziehen] könnte.
       
       ## CDU ärgert sich über Grüne Jugend
       
       Eine Koalition jenseits der AfD wäre damit nur zwischen CDU und Grünen
       möglich. Derzeit regiert in Baden-Württemberg ein Bündnis aus Grünen und
       CDU unter [5][Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der nicht mehr
       antritt]. Ex-Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir bewirbt sich um
       seine Nachfolge. Bei der Landtagswahl vor ⁠fünf Jahren hatten die Grünen
       mit 32,6 Prozent ein Rekordergebnis erzielt, die CDU war mit 24,1 Prozent
       auf ein historisches Tief ‌gefallen. Doch in den meisten Umfragen lag die
       Union mit ihrem jungen Kandidaten Manuel Hagel im Ländle zuletzt weit vor
       den Grünen.
       
       Eine am Mittwoch veröffentlichte Befragung des Forschungsinstituts für die
       Bild-Zeitung sah die CDU mit 27 Prozent immer noch 3 Prozentpunkte vor den
       Grünen. Doch in den meisten Umfragen holten die Grünen mit ihrem
       Spitzenkandidaten Cem Özdemir zuletzt dramatisch auf, nachdem die CDU
       zunächst noch geführt hatte. Eine Umfrage von Infratest dimap für die ARD
       aus der vergangenen Woche sah die Christdemokraten bei 28 Prozent ebenfalls
       etwa gleichauf mit den Grünen bei 27 Prozent. Deswegen liegen die Nerven
       blank.
       
       Ein Aufruf der Grünen Jugend auf Bundesebene stößt der CDU besonders übel
       auf. Auf einer Kampagnenseite ruft die Jugendorganisation dazu auf, im
       Wahlkampfendspurt Verwandte und Bekannte anzurufen und sie gezielt auf das
       viel kritisierte Interview Hagels von 2018 anzusprechen, in dem der damals
       29-Jährige sich etwas schwärmerisch und [6][sexistisch über das Äußere
       einer Schülerin] äußert. „Manuel Hagel ist nicht bereit als
       Ministerpräsident!“, heißt es in dem Aufruf über den CDU-Spitzenkandidaten.
       
       CDU-Generalsekretär Tobias Vogt meint, dass die Grüne Jugend damit eine
       Grenze überschreitet. „Bürger dazu aufzufordern, ihre privaten Netzwerke
       für Angriffsbotschaften zu missbrauchen“, habe mit fairem, demokratischem
       Wahlkampf „nichts zu tun“.
       
       ## Grünen-Landeschefin kritisiert Junge Union
       
       Grünen-Landeschefin Lena Schwelling weist die Kritik der CDU zurück. „Will
       die CDU jetzt ernsthaft skandalisieren, dass die Grüne Jugend dazu aufruft,
       Cem Özdemir zu wählen und nicht den Gegenkandidaten?“ Zugleich wirft sie
       der CDU vor, Falschnachrichten zu verbreiten. So verbreite die Junge Union
       in einem Mobilisierungsaufruf, die Grünen seien für Massenentlassungen
       verantwortlich. Zudem verbreite Agrarminister Peter Hauk (CDU) „offen Fake
       News“. „Das ist mittlerweile bizarr“, so Schwelling.
       
       Hauk hatte auf Instagram ein Video geteilt, in dem der Agrarminister
       wörtlich sagt: „Die Grünen sind für ein Verbot von Privatautos.“ Belege für
       die Behauptung nennt Hauk nicht. Im Wahlprogramm der Grünen ist davon keine
       Rede.
       
       Junge-Union-Landeschef Florian Hummel stimmt die Mitglieder der
       CDU-Jugendorganisation mit einem Aufruf auf die Endphase des Wahlkampfs
       ein. Darin schreibt er unter anderem, die Botschaft müsse nun sein: „⁠Eine
       Stimme für die Grünen ist eine Stimme für Abstieg und Rezession.“ Es gehe
       um die Wahl zwischen den Grünen, „die für drei Jahre Rezession,
       Massenarbeitslosigkeit und Entlassungen verantwortlich seien“, und der CDU,
       die die Wirtschaft entfessele. Belege für die Behauptung, die Grünen seien
       für Massenarbeitslosigkeit verantwortlich, nennt er in dem Schreiben nicht.
       
       ## CDU-General: Hat nichts mit fairem Wahlkampf zu tun
       
       JU-Landeschef Florian Hummel sagt, sein Aufruf unterscheide sich
       grundlegend von dem der Grünen Jugend: „Während wir die politischen
       Unterschiede betonen und zur Wahl unserer Partei aufrufen, beschränkt sich
       die Kampagne der Grünen Jugend auf die persönliche Diskreditierung des
       politischen Mitbewerbers.“
       
       Die Pressesprecherin der Grünen Jugend entgegnete auf die Kritik: „Dass die
       Grüne Jugend als eigenständiger Jugendverband gegen die Wahl der CDU und
       für die der Grünen in Baden-Württemberg aufruft und Wahlkampf macht, ist
       unspektakulär.“ Am Ende müssten die Menschen in Baden-Württemberg
       entscheiden, wem sie das Amt zutrauten. „Für die Grüne Jugend ist dabei
       klar, dass Manuel Hagel mit seinen Positionen nicht der Richtige ist.“
       
       6 Mar 2026
       
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