# taz.de -- Durchhalten im Irankrieg: Für wen spielt die Zeit in Iran?
       
       > Israel und die USA versuchen Irans Angriffsarsenal auszuschalten, bevor
       > ihnen und ihren Verbündeten in der Region selbst die Munition ausgeht.
       
 (IMG) Bild: Das israelische Luftabwehrsystem feuert, um iranische Raketen abzufangen, am 1. 3. 2026
       
       Eine Woche nach seinem Beginn läuft der Irankrieg nicht, wie
       [1][US-Präsident Donald Trump] es sich gewünscht hat. Der getötete oberste
       Anführer Ajatollah Ali Chamenei ist nicht etwa, wie Venezuelas Präsident
       Nicolás Maduro nach dem US-Überfall auf das Land Anfang Januar, durch einen
       US-freundlichen Nachfolger ersetzt worden. Auch die iranische Opposition
       hat bisher das in großen Teilen der Bevölkerung verhasste Regime nicht
       gestürzt, wenngleich viele Iraner [2][den Tod Chameneis] bejubelten.
       
       Die iranische Führung gibt sich stattdessen kämpferisch und weitet die
       Angriffe aus: Am Donnerstag flogen Raketen und Drohnen unter anderem in
       Richtung Aserbaidschan und des Nato-Mitglieds Türkei. Auch Katars
       Hauptstadt Doha wurde von neuen Explosionen erschüttert.
       
       Der Irankrieg entwickelt sich damit langsam zu einem Wettkampf im
       Durchhalten. Wie lange kann das iranische Regime seine Angriffe auf
       inzwischen rund zehn Länder in der Region aufrechterhalten? Wann gehen
       Israel und den Golfstaaten die Abfangraketen aus? Und wie schnell gelingt
       es Israel und den USA, das Raketenprogramm Irans auszuschalten?
       
       Genaue Zahlen zu den Munitionsvorräten gibt es nicht. Israel schätzt, dass
       Iran vor [3][Kriegsbeginn] über rund 2.500 ballistische Raketen verfügt
       hat, die Israel und die US-Basen in der Region erreichen können. Hinzu
       kommen Kurzstreckenraketen und einfache Schahed-Drohnen. Bisher sind laut
       US-Armee rund 500 Raketen und 2.000 Drohnen von Iran abgefeuert worden.
       Weitere wurden bei Luftangriffen zerstört.
       
       ## Der Nachschub wird knapp
       
       „Das Nadelöhr für die iranischen Angriffe liegt weniger beim Vorrat an
       Raketen, sondern bei den Abschussvorrichtungen“, sagt der israelische
       Militärhistoriker Danny Orbach. Die mobilen, oft in Lastwagen
       transportierten Abschussplattformen, würden gezielt angegriffen.
       
       Dem US-Generalstabschef Dan Caine zufolge hat dieses Vorgehen Erfolg: Die
       Abschüsse von ballistischen Raketen seien seit Kriegsbeginn um 86 Prozent
       zurückgegangen, die Zahl der Drohnen-Starts um 73 Prozent. Eine ähnliche
       Entwicklung meldet auch das israelische INSS-Institut. Demnach seien am
       zweiten Kriegstag noch 62 Raketen auf Israel gefeuert worden, am Donnerstag
       bis Redaktionsschluss 3.
       
       Möglich ist, dass der Iran seine Munitionsvorräte für einen längeren
       Konflikt aufspart. Damit liefe das Regime aber Gefahr, Raketen noch vor dem
       Abschuss bei Luftangriffen zu verlieren.
       
       Auf der anderen Seite der Gleichung steht die Frage, wie viel
       Abfangkapazitäten Israel, die USA und die Golfstaaten in der Region haben.
       Das Emirat Katar etwa soll laut Bloomberg nur noch für wenige Tage über
       Munition für die Raketenabwehr verfügen. Die dortige Regierung bestreitet
       das. Laut CNN hat sich Doha jedoch mit der dringenden Bitte um Nachschub an
       die USA gewandt. US-Außenminister Marco Rubio sagte am Mittwoch, Iran könne
       100 Raketen pro Monat herstellen, gegenüber „6 oder 7 Abwehrraketen, die im
       Monat gebaut werden können“.
       
       ## Israel verheizt wichtige Langstreckenraketen
       
       Schon während des Zwölftagekrieges im vergangenen Juni musste Israel in den
       letzten Kriegstagen offenbar seine Raketenabwehr sparsamer einsetzen.
       Orbach schätzt, dass Israel dies nun bereits von Beginn an tut. Am Sonntag
       starben bei einem Einschlag in Bet Shemesh neun Menschen.
       
       Doch auch die offensive Munition der US-Streitkräfte ist nicht unbegrenzt.
       Laut einem Bericht der New York Times ist in den ersten Kriegstagen eine
       große Zahl präzisionsgeleiteter Langstreckenraketen verbraucht worden. Der
       ehemalige US-Luftwaffenminister Frank Kendall sagte der Zeitung, ein zu
       hoher Einsatz dieser knappen Waffensysteme könne US-Interessen „in anderen
       Bereichen“ schaden, etwa gegenüber China und Russland.
       
       Gelingt es dem iranischen Regime, die ersten US-Schläge zu überstehen,
       könnte die Zeit für Teheran spielen. Geleakten russischen Dokumenten
       zufolge kann das Regime in kleinen Produktionsanlagen monatlich rund 5.000
       Kamikaze-Drohnen bauen, die von einfachen Gerüsten gestartet werden können.
       Die Kosten pro Stück liegen zwischen 20.000 und 50.000 Dollar, während ein
       Marschflugkörper mehrere Millionen Dollar kostet. Ein Erfolg der Zerstörung
       der Abschussrampen könnte zudem trügerisch sein, wenn die teils
       unterirdische Raketenproduktion intakt bleibt.
       
       Sollte das iranische Regime nicht klein beigeben oder von der eigenen
       Bevölkerung gestürzt werden, ist schwer abzusehen, wie ein Sieg aussehen
       könnte. Das scheint auch der Führung in Washington klar zu werden, die sich
       nun laut Berichten bemüht, die kurdische Minderheit in Iran und Irak zum
       Kampf gegen das Regime zu bewegen. Experten warnen, ein solches Vorgehen
       könnte die diversen ethnischen Gruppen Irans in einen Bürgerkrieg stürzen.
       
       5 Mar 2026
       
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