# taz.de -- Neue Zahlen über Waffenhandel: Europa verdreifacht seine Waffenimporte
> Weltweit sind die Waffentransfers zwischen Staaten deutlich gewachsen.
> Daten des Friedensforschungsinstituts Sipri zeigen: Vor allem Europa
> rüstet auf.
(IMG) Bild: Militärübung in Lettland im Februar 2026: zunehmende Angst vor Russland
epd | [1][Europäische Staaten] haben ihre Waffenimporte laut dem
Sipri-Institut mehr als verdreifacht und sind damit die weltweit größte
Empfängerregion geworden. Das Gesamtvolumen der Importe von 2021 bis 2025
liege 210 Prozent über dem Wert der Jahre von 2016 bis 2020, teilten die
Friedensforscher am Montag in Stockholm mit. Die europäischen Staaten
importierten demnach in den vergangenen fünf Jahren 33 Prozent der weltweit
gehandelten schweren Waffen.
Auch im globalen Durchschnitt registrierten die Fachleute einen Anstieg bei
den Lieferungen von Waffen. Diese hätten in den vergangenen fünf Jahren
gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016 bis 2020 um 9,2 Prozent zugenommen.
## Bedrohung durch Russland
Hinter der Ukraine waren in den vergangenen fünf Jahren Polen und
Großbritannien die größten Waffenimporteure in Europa. Fast die Hälfte der
an europäische Staaten gelieferten Waffen stammte laut Sipri aus den USA
(48 Prozent), gefolgt von Deutschland (7,1 Prozent) und Frankreich (6,2
Prozent).
Den sprunghaften Anstieg der Nachfrage in Europa begründen die Stockholmer
Forscher mit der wahrgenommenen [2][Bedrohung durch Russland]. Dies werde
durch Unsicherheiten hinsichtlich des Engagements der USA zur Verteidigung
ihrer europäischen Verbündeten noch verstärkt. Die Waffenimporte der 29
europäischen Nato-Staaten sind laut dem Bericht in den vergangenen fünf
Jahren um 143 Prozent gestiegen. 58 Prozent dieser Lieferungen stammten aus
den USA.
## Deutschland überholt China
„Obwohl europäische Unternehmen ihre Waffenproduktion hochgefahren und die
neuen Investitionshilfen der Europäischen Union für die Rüstungsindustrie
der Mitgliedstaaten zu einer Reihe von Aufträgen innerhalb der EU geführt
haben, importierten die europäischen Staaten auch 2021 bis 2025 weiterhin
US-Waffen“, sagte Sipri-Forscherin Katarina Djokic. Vor allem
Kampfflugzeuge und Langstrecken-Luftabwehrsysteme würden aus den USA
bezogen.
Deutschland hat laut den Sipri-Daten China in der Liste der
Waffenlieferanten überholt und steht nun auf Platz vier. 5,7 Prozent der
weltweit in den vergangenen fünf Jahren gelieferten Waffen stammen demnach
aus der Bundesrepublik. Rund ein Viertel der deutschen Waffen, 24 Prozent,
gingen in die Ukraine, 17 Prozent in andere europäische Staaten.
## Höchster Anstieg seit Jahren
Der weltweite Anstieg von mehr als neun Prozent ist laut Sipri der höchste
seit dem Zeitraum von 2011 bis 2015. Die Forscher führen diesen vor allem
auf den Anstieg der [3][Waffenexporte in die Ukraine] zurück. 9,7 Prozent
aller Waffentransfers weltweit gingen in den vergangenen fünf Jahren in das
von Russland angegriffene Land.
„Die Lieferungen an die Ukraine seit 2022 sind der offensichtlichste
Faktor“, sagte Sipri-Forscher Mathew George. Aber auch die meisten anderen
europäischen Staaten hätten begonnen, deutlich mehr Waffen zu importieren,
„um ihre militärischen Fähigkeiten angesichts der wahrgenommenen wachsenden
Bedrohung durch Russland zu stärken“.
## USA bleiben größter Lieferant
Der weltweit größte Lieferant von Waffen bleiben die USA. Ihre
Gesamtexporte stiegen um 27 Prozent. Frankreich landet vor Russland auf
Platz zwei. Außer in Europa und Amerika gingen die Waffenimporte in allen
anderen Regionen der Welt in den vergangenen fünf Jahren zurück.
Der Report zu den weltweiten Waffentransfers erscheint jährlich und nimmt
einen Fünf-Jahres-Zeitraum in den Blick. Erfasst werden von Sipri schwere
Waffen und Rüstungsgüter wie Kampfflugzeuge, Raketen, Artillerie oder auch
Antriebssysteme für Militärflugzeuge und Kampfschiffe. Kleinwaffen fallen
nicht darunter.
9 Mar 2026
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