# taz.de -- Nachfolge von Chamenei im Iran: Wie der Vater, so der Sohn
> Modschtaba Chamenei, der Sohn des getöteten Obersten Führers Ali
> Chamenei, soll dessen Nachfolge antreten. Er gilt als kompromissloser
> Hardliner.
(IMG) Bild: Konservativer Posterboy: Modschtaba Chamenei, auf ein Plakat gedruckt, bei Feierlichkeiten zum Jahrestag der Islamischen Republik
Ein Mann steht seit Mittwoch im Rampenlicht: Modschtaba Chamenei, so
berichten es iranische Exilmedien, soll die Nachfolge [1][seines Vaters Ali
Chamenei] antreten – als Oberster Führer der Islamischen Republik. Eine
offizielle Bestätigung des Iran steht noch aus.
Bislang agierte Modschtaba Chamenei eher im Schatten. Doch nicht allein
wegen seiner prominenten Herkunft ist er in Irans Führungszirkeln kein
Unbekannter: Mit nur 17 Jahren trat er den Islamischen Revolutionsgarden
bei und kämpfte in den 80er-Jahren im Iran-Irak-Krieg. Dabei war er nach
Berichten von Experten Teil einer besonders ideologisch geprägten Einheit,
geführt von Ahmad Motevaselian – der bei der Gründung der Miliz Hisbollah
im Libanon Anfang der 80er-Jahre eine Schlüsselrolle einnahm. Er gilt damit
als ein Vordenker der sogenannten „Achse des Widerstands“ – dem Netz aus
pro-iranischen Milizen in den Staaten der Levante und im Jemen.
Mit Ende 20 begann er dann seine Studien am Seminar in Qom – bekannt als
tief konservative Kaderschmiede schiitischer Gelehrter. Schließlich kehrte
er nach Teheran zurück – in leitender Position direkt in das Büro seines
Vaters. „Beit“ wird das Büro des Obersten Führers auch genannt. Dort
konzentriert sich die Macht im Land. Etwa 20 Jahre verbrachte er in dieser
Position. Und galt dabei als einer der engsten, vielleicht auch der engste
Vertraute seines Vaters.
Der Oberste Führer hat – wie der Name bereits sagt – die Macht im Land. In
religiösen wie politischen Fragen entscheidet letztlich er. Auch den
Kommandeur der Revolutionsgarden beruft er. Die Garden stellen innerhalb
der Streitkräfte der Islamischen Republik einen eigenen Arm dar. Sie
verfügen über eine eigene Marine, Luftstreitkräfte, Geheimdienst und
Bodentruppen – und wohl sogar über eine eigene Nachrichtenagentur zur
Pressekommunikation. Sie sind außerdem die Verbindung zu den pro-iranischen
Milizen im Ausland.
## Kompromisslos der Revolution verpflichtet
Diese mächtigen Garden setzen auf Modschtaba Chamenei. Das überrascht
nicht, ist doch dokumentiert, wie eng Chamenei mit diesen auch in seiner
Position im Büro des Obersten Führers arbeitete.
Die Nachrichtenseite Iran International schreibt dazu: „Dies ist keine
routinemäßige Nachfolgeentscheidung.“ Es handele sich viel mehr um eine
Entscheidung, die dem Umstand des Krieges geschuldet sei – und die sei von
Überlegungen zur Staatssicherheit geprägt. Die Priorität bei der Wahl eines
Nachfolgers liege, so das Exilmedium, „auf Geschwindigkeit und Kontrolle“,
da „die Islamische Republik mit Angriffen von außen und einem
Führungsvakuum an der Spitze konfrontiert ist“.
Kein Wunder also, dass der normale und in der Verfassung der Islamischen
Republik festgehaltene Prozess zur Wahl eines Nachfolgers nicht eingehalten
wurde. Auch, weil wohl Sorge vor US-amerikanischen und israelischen
Angriffen bestand. Zu Recht, wie der Angriff auf ein Gebäude des
Expertenrats – der die Entscheidung zur Nachfolge trifft – am Dienstag
zeigt.
Warum also Modschtaba Chamenei? Zunächst: Er ist ein Hardliner, von dem
keine Reformen erwartet werden, sondern eine Fortführung der Politik seines
getöteten Vaters, kompromisslos der Revolution und seiner Auslegung des
schiitischen Islam verpflichtet. Hinzu kommt: Dass er der Sohn Ali
Chameneis ist, schafft eine gewisse Legitimität in der Nachfolge.
## Ein Immobilienportfolio in Millionenhöhe im Ausland
Doch während sein Vater als weniger interessiert an Weltlichem galt,
scheint Modschtaba Chamenei der Askese weniger verpflichtet. Im Januar
[2][enthüllte das US-Medien Bloomberg ein wahrhaftes Immobilienimperium],
das er sich im Westen aufgebaut hatte. Zum Portfolio gehören etwa
Luxusgebäude in London im Gesamtwert von umgerechnet über 110 Millionen
Euro. Hinzu kommt eine Villa in den Vereinigten Arabischen Emiraten – und
Hotels. [3][Eines davon, unter dem Franchise des Hilton-Konzerns, in
Frankfurt am Main.]
Doch in Anbetracht der anhaltenden Angriffe des US-amerikanischen und
israelischen Militärs stellt sich sowieso die Frage: Wie lange wird
Modschtaba Chamenei überleben? Bislang wurden neben Ali Chamenei viele
entscheidende Köpfe ausgeschaltet, [4][etwa der wichtige Sicherheitsberater
Ali Schamchani.] Modschtaba selbst steht bereits seit 2019 unter
US-Sanktionen.
Wie wird er unter diesem Damoklesschwert entscheiden? Der
Hardliner-Position seines Vaters treu bleiben und weiter Krieg führen, bis
die Islamische Republik vielleicht doch die militärischen Angriffe der USA
und Israels überdauert? Oder versucht er, einen Kompromiss zu erwirken, um
das Mullah-System zu retten?
[5][Denn so zitierte einst sein Vater den Gründer und ersten Obersten
Führer der Islamischen Republik], Ruhollah Chomeini: „Die Bewahrung des
islamischen Systems gehört zu den wichtigsten religiösen Pflichten.“
4 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Nachruf-auf-Ali-Chamenei/!6158792
(DIR) [2] https://www.bloomberg.com/news/features/2026-01-28/how-iran-supreme-leader-khamenei-s-son-built-a-global-property-empire
(DIR) [3] https://www.iranintl.com/en/202602123979
(DIR) [4] /Drei-Getoetete-aus-Irans-Fuehrungsriege/!6158954
(DIR) [5] https://english.khamenei.ir/news/9945/Inspired-by-Islam-the-Islamic-Republic-opposes-arrogance-and
## AUTOREN
(DIR) Lisa Schneider
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