# taz.de -- SPD in Baden-Württemberg vor der Pleite: Auf der Leberwurst ausgerutscht
       
       > Der SPD-Spitzenkandidat findet, dass er bei der Pastete zu „leutselig“
       > war. Inhalte hätten im Wahlkampf keine Rolle gespielt, sagt er der taz.
       
 (IMG) Bild: Mag lieber französische Feinkost als beleidigte Leberwurst: SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch
       
       Daniel Krusic stellt seiner SPD für die anstehenden Landtagswahlen ein
       hartes Urteil aus. „Wir sind alle froh, wenn das am Sonntag vorbei ist“,
       sagt der baden-württembergische Juso-Vorsitzende der taz. „Es ist
       deprimierend.“ Dabei sei die Stimmung an den Infoständen gar nicht so
       schlecht. „Die Leute reden mit uns, unsere Kandidaten kommen gut an.“ Die
       Kombination aus einem anstrengenden Winterwahlkampf und der Fokussierung
       auf Grüne und CDU habe der SPD viel Kraft kostet – es habe aber auch
       interne Probleme gegeben, sagt er.
       
       [1][Ein Blick in die Umfragen zeigt,] dass die SPD bei den Landtagswahlen
       in Baden-Württemberg ihr historisch schlechtestes Ergebnis im Land
       einfahren könnte. Mit Werten zwischen 7 und 9 Prozent würde die Partei ihr
       mit 11 Prozent schon dramatisches Ergebnis von vor fünf Jahren nochmal
       deutlich unterbieten. Intern werfen Abgeordnete aus dem Landesverband dem
       Spitzenkandidaten Andreas Stoch vor, blass geblieben zu sein – und, um sich
       bloß keine Koalitionsoptionen zu verbauen, vor allem Manuel Hagel und seine
       CDU zu sehr geschont zu haben.
       
       Dabei lesen sich die dominierenden Themen im baden-württembergischen
       Wahlkampf, als stammten sie direkt aus dem SPD-Playbook: Der drohende
       Wegfall von Tausenden gut bezahlten Industriearbeitsplätzen in
       gewerkschaftlich stark organisierten Betrieben wie Bosch, ZF oder Porsche.
       Hinzu kommen etwa steigende Kosten bei der im Südwesten weit verbreiteten
       Fernwärme. Im Rennen um konservative Wählerstimmen zwischen Hagel und Cem
       Özdemir (Grüne) hätte es auch einen Raum für die SPD geben, sich als Stimme
       der Weltoffenheit zu präsentieren.
       
       Doch Stoch drang mit diesen Themen nicht durch, auch wenn der erfahrene
       Landespolitiker sie etwa in der [2][SWR-Wahlarena] durchaus souverän
       vertrat. Im Schlussspurt des Wahlkampfs leistete er sich dann auch noch
       einen peinlichen Fehler: Eine Kurzdokumentation zeigte ihn nach einem
       Wahlkampfauftritt bei der Tafel in Baden-Baden, wo er seinen Fahrer
       beauftragte, [3][im nahegelegenen Frankreich Entenpastete zu kaufen]. „Der
       Fehler hätte mir nicht passieren dürfen“, sagt Stoch nun der taz.
       
       ## Das bisschen Feinkost
       
       Er bezeichnet die Szene als „völlig irre“. Die Metzgerei in Frankreich habe
       nur wenige Kilometer jenseits der Grenze gelegen. Sein Fahrer habe sich
       dort selbst etwas zu essen geholt und gefragt, ob er Stoch etwas mitbringen
       könne. „Ich war zu leutselig und habe mit dem Journalisten in meinem
       Dienstfahrzeug auch noch darüber geplaudert“, sagte Stoch. Er, der selbst
       aus einem Arbeiterhaushalt stammt, weist den Eindruck von Abgehobenheit
       entschieden zurück. „Trotzdem ärgere ich mich wahrscheinlich am meisten
       über das Bild, das ich abgegeben habe.“
       
       Stoch beklagt außerdem eine mediale Fixierung auf die Spitzenkandidaten von
       Grünen und CDU. „Ich höre oft, dass Leute Özdemir wählen wollen, um Hagel
       zu verhindern. Da kommst du gar nicht in die inhaltliche Debatte rein.“ Als
       unverständlich bezeichnet er, wie Grüne und Union als Kontrahenten
       wahrgenommen würden, wo sie doch seit fast zehn Jahren miteinander
       koalierten. Das habe sich auch in einer Runde des SWR gezeigt, [4][wo Hagel
       und Özdemir lediglich Markus Frohnmaier von der AfD gegenüberstanden.]
       
       „Ich ackere wie ein Pferd. Aber wir werden ganz offensichtlich nicht
       wahrgenommen“, sagt Stoch. Als sein Kernthema benennt er den Erhalt der
       Industriearbeitsplätze im Land. Doch in dieser Frage habe die SPD
       bundesweit einen zunehmend schweren Stand. „In der Arbeiterschaft gibt es
       viele, die aus Angst vor der Zukunft den Versprechungen der AfD Glauben
       schenken“ – dies gelte auch in Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen.
       
       Außerdem sei das Millieu in Baden-Württemberg kulturell anders geprägt –
       „da kommen viele Mercedes-Arbeiter aus dem ländlichen Raum und verorten
       sich eher bei der CDU.“ Dennoch: Eine Analyse habe ergeben, dass das
       Wähler*innenpotenzial der SPD in Baden-Württemberg rein thematisch
       bei fast 40 Prozent liege. Das ist ein harter Kontrast zu dem einstelligen
       Wert, bei dem sie in den Umfragen liegt.
       
       Alles, was CDU und Grüne in Baden-Württemberg versprächen, hätten sie in
       den vergangenen Jahren schon in der Regierung umsetzen können, sagt Stoch
       und ärgert sich: „Ich fühle mich wie der Rufer in der Wüste.“
       
       ## Bundes-SPD sieht Zuspitzung auf Zweikampf als Problem
       
       In Berlin wird diese Einschätzung geteilt. „Die Öffentlichkeit scheint sich
       nicht dafür zu interessieren, was die SPD im Wahlprogramm stehen hat“, sagt
       Derya Türk-Nachbaur der taz. Sie ist Parlamentarische Geschäftsführerin der
       SPD-Bundestagsfraktion und dort gleichzeitig stellvertretende Vorsitzende
       der Landesgruppe Baden-Württemberg. Auch sie macht die mediale Zuspitzung
       auf den Kampf zwischen Özdemir und Hagel für die schlechten Umfragewerte
       verantwortlich. „Dass wir nicht zufrieden sind, ist kein Geheimnis, wenn
       man sich die Zahlen anguckt.“
       
       Verantwortung bei der Bundes-SPD für den Trend im Südwesten sieht sie eher
       nicht. „Wir sehen, dass wir auf Bundesebene ziemlich viel Gutes erreicht
       haben.“ Und in anderen Ländern seien die Umfrageergebnisse auch besser.
       
       Der baden-württembergische Juso-Vorsitzende Daniel Krusic sieht einen
       internen Fehler darin, dass die SPD im Wahlkampf das „Image der Volkspartei
       weitergespielt“ hat und „so viele Themen wie möglich besetzen“ wollte. „Man
       hätte sich auf ein, zwei Fragen begrenzen und die Dinge provokanter
       formulieren müssen.“ Auch er nennt das Arbeitsplatzthema – „Das hätte
       prioritär sein müssen.“
       
       Im Wahlkampf habe ihn außerdem gestört, dass sich die SPD nicht stärker auf
       die CDU eingeschossen habe. „Wir haben Cem Özdemir als Hauptgegner
       auserkoren und waren viel zu lax im Umgang mit Hagel.“
       
       Stoch sieht es nicht ganz so: „Ich bin die CDU immer hart angegangen, wenn
       es um die Inhalte ging“, sagt er. Aber man wetteifere nun mal vor allem mit
       Özdemir um gleiche Wählergruppen. „Das war von Anfang an eine
       Dilemmasituation.“
       
       Für das Wahlergebnis möchte sich Stoch keine feste Zielmarke geben. „Wir
       wollen auf jeden Fall Zweistelligkeit erreichen“, sagt er. „Ich kämpfe bis
       zum letzten Blutstropfen, dass wir die 11 Prozent von den letzten Wahlen
       übertreffen.“ Doch dafür müsste wohl noch ein kleines Wunder geschehen. Was
       ansonsten passiert ist unklar. Doch dass ein schlechtes Abschneiden bei den
       Wahlen nicht nur für Stoch, sondern für den ganzen Landesvorstand
       Konsequenzen hätte, gilt als offenes Geheimnis.
       
       5 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Umfrage-zur-Landtagswahl-in-BaWue/!6158427
 (DIR) [2] https://www.ardmediathek.de/video/swr-die-wahl/baden-wuerttemberg-waehlt-die-wahlarena/swr-bw/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIzMDM0MzA
 (DIR) [3] https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ulm/stoch-leberwurst-pastete-kritik-102.html
 (DIR) [4] /TV-Triell-Baden-Wuerttemberg/!6157787
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Cem-Odos Gueler
       
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