# taz.de -- Landtagswahlen in Baden-Württemberg: SPD schrammt an der 5-Prozent-Hürde entlang
> Landeschef Andreas Stoch kündigt nach dem katastrophalen Wahlergebnis
> seinen Rückzug an. Die SPD steht vor einem Scherbenhaufen.
(IMG) Bild: Enttäuschte Gesichter: SPD Mitglieder nach der ersten Hochrechnung in Stuttgart
Es ist eine der schönsten Terrassen, die der Stuttgarter Landtag zu bieten
hat. Doch die überragende Sicht wird drinnen vom katastrophalen Blick auf
das Wahlergebnis überschattet. Mit nur 5,4 Prozent der Stimmen fährt die
SPD bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg ihr historisch
schlechtestes Ergebnis in einem westdeutschen Bundesland ein. [1][Der
Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch] tritt kurz nach 18 Uhr betreten
vor die Kameras und kündigt seinen Rückzug an.
„Ich habe nie gedacht, jemals ein einstelliges Ergebnis kommentieren zu
müssen“, räumt er ein. Die baden-württembergische SPD brauche angesichts
der Zahlen des Abends eine Neuausrichtung. Auch in Berlin herrscht
Fassungslosigkeit über dieses Resultat. „Das ist ein total bitterer Abend“,
sagt SPD-Chef Lars Klingbeil.
Vor 15 Jahren hatte Stoch noch am Kabinettstisch von Winfried Kretschmann
Platz genommen. Kretschmann hatte den Rechtsanwalt später als besten
Kultusminister in der Landesgeschichte gepriesen. Stoch hatte sich im
Wahlkampf die Hoffnungen gemacht, nochmal an einer Regierung beteiligt zu
werden – jetzt schrammt die SPD den ersten Hochrechnungen zufolge nur knapp
an der 5-Prozent-Hürde vorbei.
Schon vor zwei Jahren hatten CDU und FDP unmissverständlich um die SPD als
Mehrheitsbeschafferin für eine Dreierregierung geworben. Stoch ließ sich
für diese Idee immer mehr vereinnahmen, zumindest indem er dem Vorhaben
nicht aktiv widersprach. Als sich in der Demoskopie abzeichnete, dass es
für Schwarz-Rot-Gelb nicht reichen würde, war die Sozialdemokratie ihrer
Funktion beraubt. Und dann wurde sie auch noch in dem Zweikampf zwischen
Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU) zerrieben.
## Ein Satz von Stoch stimmt
„Wir konnten machen, was wir wollten“, berichtet der Mannheimer Abgeordnete
Boris Weirauch. Dabei sei die Stimmung an den Infoständen im Wahlkampf gut
gewesen, „unter denen, die bereit sind, sich mit landespolitischen Inhalten
zu befassen“. Katrin Steinhülb-Joos, seine Stuttgarter Kollegin, weiß
Ähnliches zu berichten.
Sie ist das Ideal einer Abgeordneten mit einschlägiger Berufserfahrungen,
war Schulleiterin in einer Gemeinschaftsschule in der Landeshauptstadt.
„Aber wir sind in diesem Kopf-an-Kopf nicht durchgedrungen.“
Dabei ist die SPD in Baden-Württembergs Verzweiflung gewöhnt – gleichzeitig
ist sie ebenso geübt darin, falsche Entscheidungen zu treffen. Der später
noch als Vordenker gerühmte Erhard Eppler musste als Landeschef Anfang der
Achtziger nach einem Landtagswahlergebnis von gut 32 Prozent den Hut
nehmen.
Die Grünen waren 1980 erstmals in den Landtag eingezogen. SPD und Grüne
kamen über Jahre hinweg immer auf teilweise knapp unter 40 Prozent der
Stimmen – bis es 2011 Winfried Kretschmann gelang, in entscheidendem Maße
bürgerliche Wähler:innen anzusprechen.
Später wurde die Gewerkschafterin Leni Breymaier nach nur einem Jahr als
Landesvorsitzende als zu links eingeschätzt und abgelöst. Stoch gehörte
damals zu den treibenden Kräften, versprach damals, dass mit ihm der
Neuanfang gelingen werde.
Jetzt hat der Anhänger des 1. FC Heidenheim die SPD fast in die
Bedeutungslosigkeit manövriert. Als kleinste Opposition steigt die Partei
immerhin nicht ab, sondern wird mit acht bis zehn Abgeordneten in den
Landtag einziehen. „Bisher unvorstellbar“, sagt Steinhülb-Joos fassunglos,
„dass wir uns einmal mit der Frage der Fünf-Prozent-Hürde befassen werden
müssen.“
Wie nach jeder Wahl seit vielen Jahren wird es auch diesmal Versprechen
regnen, die Gründe jetzt aber wirklich ernsthaft aufzuarbeiten. Ein
Stoch-Satz zur Erklärung des Debakels stimmt ohne Zweifel und wurde unter
den traurigen Genossen auf der schönen Terrasse herumgereicht. So viele
Leute hätten ihm in den letzten Tagen gesagt, sie wollten „diesen Hagel von
der CDU verhindern und werden deshalb SPD wählen“. Aber dieses Bedauern
helfe seiner Partei jetzt auch nicht weiter.
8 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Johanna Henkel-Waidhofer
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