# taz.de -- Nach Wahldebakel in Baden-Württemberg: Sozialdemokratie zieht knallharte Konsequenzen
> Die SPD in Baden-Württemberg hat verstanden – der für den Wahlkampf
> verantwortliche Generalsekretär wird neuer Fraktionschef. In der Partei
> rumort es.
(IMG) Bild: Große Freude: Sascha Binder, verantwortlich für die Wahlschlappe, ist nun neuer Fraktionschef der SPD in Baden-Württemberg
Die SPD in Baden-Württemberg hat eine eigenwillige Art, mit ihrem
katastrophalen Abschneiden bei der Landtagswahl umzugehen: Sie befördert
mit dem gerade erst zurückgetretenen Generalsekretär Sascha Binder einen
der Hauptverantwortlichen für [1][das 5,5-Prozent-Debakel vom Sonntag] zum
Fraktionschef im Stuttgarter Landtag. Einstimmig gewählt. Was jetzt auch
nicht so schwer war. Die Fraktion hat ja nur noch 10 Abgeordnete.
Der 43-Jährige zeigte sich im Anschluss „enorm dankbar über dieses
eindeutige Votum“. Er freue sich „über das große Vertrauen, das mir die
Abgeordneten damit entgegenbringen“. Binder folgt im Landtag auf
SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch, der noch am Wahlabend nicht nur seinen
Rückzug als Partei-, sondern eben auch als Fraktionschef angekündigt hatte.
Scharfe Kritik an Binders Aufstieg ließ nicht lange auf sich warten. Nicht
zuletzt Parteilinke gehen auf die Barrikaden. Der SPD-Parteinachwuchs
forderte sogar unmittelbar Binders Rücktritt. Als [2][Wahlkampfleiter der
SPD in Baden-Württemberg] habe der Ex-Generalsekretär „eine blasse und
schwache Kampagne auf die Beine gestellt“, sagte Jusos-Landeschef Daniel
Krusic. Der SPD-Nachwuchs sei „entsetzt“, dass jetzt ausgerechnet Binder
„eines der zentralen Führungsämter im Land“ übernehme. Dessen
Nach-oben-Fallen sei das Gegenteil eines glaubwürdigen Neuanfangs.
Ähnlich äußerte sich der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth.
Statt nach dem schlechtesten Wahlergebnis seiner Partei bei einer
Landtagswahl „jeden Stein umzudrehen, um aus schwersten Fehlern zu lernen“,
verhelfen die Genoss:innen dem verantwortlichen Wahlkampfchef „in den
einzigen Topjob, den es noch zu verteilen gibt“, machte Roth in den
sozialen Medien seinem Ärger Luft. Um dann noch hinzusetzen: „Leute, ihr
spinnt!“
## Einpeitscher der Südwest-SPD
Binder sitzt seit 15 Jahren im Landtag, seit 2018 fungierte er zugleich als
Generalsekretär der Landes-SPD. In dieser klassischen Einpeitscher-Rolle
hatte er sich nach der verlorenen Bundestagswahl vor einem Jahr mit Verve
[3][an der damaligen SPD-Bundeschefin Saskia Esken] abgearbeitet. Die
baden-württembergische Parteifreundin habe die Wahlpleite von 2025 zu
verantworten und sei für höhere Weihen ungeeignet, giftete Binder damals.
Genau daran erinnerte jetzt auch Jusos-Chef Daniel Krusic, um seine
Rücktrittsforderungen zu untermauern. „Wer andere nach schlechten
Ergebnissen zum Rücktritt auffordert, aber sich selbst nach einem noch
schlechteren Ergebnis befördern lässt, hat den Kompass verloren“, sagte
Krusic. Wenn die SPD Vertrauen zurückgewinnen wolle, müssten aus dem
Wahlsonntag zwingend Konsequenzen gezogen werden.
Binder selbst meldete sich inzwischen auch zu Wort, um dann doch nur zu
wiederholen, was er bereits gesagt hat. Er sei mit zehn von zehn Stimmen
gewählt worden, „für mich ist das die Vertrauensbasis und der Auftrag, das
Amt auszuüben“, zitierte ihn die Süddeutsche Zeitung. Positiv formuliert:
Mindestens neun weitere Sozialdemokrat:innen im Südwesten sehen das
offenkundig genauso.
12 Mar 2026
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(DIR) Rainer Rutz
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