# taz.de -- 8.-März-Demos in Berlin: Zwei Lager, ein Kampftag
       
       > Zahlreiche Gruppen mobilisieren für den feministischen Kampftag.
       > Grabenkämpfe über den Nahostkonflikt überschatten den Kampf für
       > Gleichberechtigung.
       
 (IMG) Bild: Klare Ansage auf dem Frauentag 2025 in Berlin
       
       [1][Der 8. März steht auch in diesem Jahr erneut im Zeichen des
       Nahostkonflikts.] Gegenüber stehen sich zwei unversöhnliche Lager: ein
       liberaler, westlicher, oftmals weißer Feminismus, der in seiner
       vermeintlich emanzipatorischen Haltung auch exklusiv ist, und eine jüngere
       queerfeministische Bewegung, die stark durch dekoloniale Kämpfe geprägt
       wurde.
       
       Zum ersten Lager kann das antikapitalistische und israelsolidarische
       Bündnis „Feminism Unlimited“ gezählt werden, das ab 13 Uhr zu einer
       All-Gender-Demo am S-Bahnhof Schönhauser Allee aufruft. Im Fokus stehen das
       Thema Armut und die enge Verwobenheit von Patriarchat und Kapitalismus. Im
       Aufruf betont das Bündnis für „universelle feministische Solidarität“
       ausdrücklich den Kampf gegen Antisemitismus.
       
       [2][Das antiimperialistische Gegenstück bilden gleich drei Demos.] Die Demo
       „Rise in Rage. Build in Struggle“, die ab 15 Uhr am Kottbusser Tor beginnt,
       wird von palästinasolidarischen Gruppen wie „Anarchists4Palestine“ und
       „Alliance of International Feminists“ organisiert; auch BDS Berlin ist
       beteiligt. Im Aufruf heißt es, der Fokus liege ausdrücklich auch auf
       „palästinensischen Flinta*, die für Befreiung kämpfen“. Ebenso einseitig
       propalästinensisch positioniert sich die Flinta*-only-Demo, die um 15 Uhr
       am S-Bahnhof Gesundbrunnen startet. Dazu aufgerufen hat unter anderem die
       Gruppe „Young Struggle“, die den Hamas-Terrorangriff auf Israel in der
       Vergangenheit als „Gefängnisausbruch“ und „Widerstand“ bezeichnet hatte.
       
       Auch die traditionell linksradikale Abenddemonstration „Fight by Night“,
       die ab 19 Uhr am Mariannenplatz in Kreuzberg startet, zeigt sich
       palästinasolidarisch. Im Aufruf kündigt die „anti-imperialistische
       Organisation“ an, dass Länderflaggen, etwa von Israel oder Deutschland,
       nicht erwünscht sind. Palästina-Flaggen hingegen seien willkommen, denn
       diese stünden nicht nur für einen Staat, sondern für eine „revolutionäre
       anti-imperialistische Praxis“. [3][Im vergangenen Jahr war es bei der Demo
       zu teils heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen.] Angeführt
       wird die Demo von einem Flinta*-only-Frontblock, gefolgt von einem
       All-Gender-Block.
       
       ## Nicht alle Demos beziehen Stellung
       
       Zwei weitere Demonstrationen verzichten auf eine Positionierung zum
       Nahostkonflikt. Unter dem Motto „Feministisch, solidarisch,
       gewerkschaftlich“ mobilisieren Gewerkschaften und andere Gruppen zu einer
       Demo mit Schwerpunkt auf Arbeitskämpfe und Gleichstellung. Auftakt ist um
       11.30 Uhr am Oranienplatz, Ziel ist das Rote Rathaus. Parallel organisiert
       das queerfeministische Kollektiv „Purple Ride“ eine
       Flinta*-only-Fahrraddemo. Los geht es um 12 Uhr am Mariannenplatz in
       Kreuzberg.
       
       Für den 9. März kündigt das Bündnis „Enough!“ einen globalen
       Frauen*streik an und fordert Flinta* auf, sowohl bezahlte als auch
       unbezahlte Arbeit niederzulegen. Nach eigenen Angaben zählt das Bündnis
       über 1.000 Mitglieder aus mehr als 50 Organisationen und 42
       Regionalgruppen. Zu den beteiligten Gruppen in Deutschland gehören unter
       anderem Fridays for Future, Omas gegen rechts und Landesfrauenräte. Die
       zentrale Kundgebung in Berlin beginnt um 12 Uhr vor dem Brandenburger Tor.
       
       Richtigstellung. In einer früheren Version des Texts hieß es über den
       Protest von „Feminism Unlimited“: „In den vergangenen Jahren wurde der
       Protest von einer großen Fahne der israelischen Streitkräfte angeführt.“
       Diese Behauptung ist nicht richtig. Wir bitten diesen Fehler zu
       entschuldigen. Die Redaktion.
       
       6 Mar 2026
       
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