# taz.de -- Merz in China und Washington: Neue Gegner, alte Fehler
       
       > Schwarz-Rot agiert bei der Energiepolitik ideologisch. Das könnte dazu
       > führen, dass Merz in China und den USA bald als Bittsteller empfangen
       > wird.
       
 (IMG) Bild: Merz besucht in China ein Werk von Siemens Energy
       
       Es gibt drei Menschen auf dieser Welt, die den russischen Krieg gegen die
       Ukraine beenden könnten: Wladimir Putin, Xi Jinping und Donald Trump. Das
       erwähnt Bundeskanzler Friedrich Merz ab und zu. Und während Putin ungerührt
       weiter Häuser und Energiewerke bombardieren lässt, war [1][Merz in der
       vergangenen Woche erst bei Xi in China] und ist nächste Woche bei Trump in
       Washington zu Gast. Er spricht mit ihnen sowohl über den Ukrainekrieg als
       auch über Wirtschaftspolitik.
       
       Eigentlich eine prima Gelegenheit, an beiden Fronten etwas zu bewegen!
       Zumal China und Deutschland gleichermaßen unter der Trump’schen Zollpolitik
       leiden. Doch mehr als deutsche Appelle sind derzeit nicht drin.
       
       Denn damit sich aus diesem Besuch bei den beiden führenden Großmächten eine
       Art Pendeldiplomatie entwickeln könnte, bräuchte Merz Hebel: Deutschland
       müsste wirtschaftlich stärker und die EU einiger sein. Sehr viel
       Konjunktiv, denn es mangelt an beidem – und das liegt auch an Deutschland.
       
       ## Nationale Egoismen über gemeinsamen Anliegen
       
       Die EU, einer der größten zusammenhängenden Wirtschaftsräume weltweit, kann
       ihr Potenzial gegenüber China und den USA nicht ausspielen, weil nationale
       Egoismen immer wieder über gemeinsame Anliegen triumphieren. Und auch
       Deutschland trägt dazu bei, [2][die zentrale Wachstumsstrategie der EU, den
       Green Deal,] zu schwächen. Unter dem Druck von Lobbyinteressen und
       berauscht vom eigenen Anti-Grünen-Narrativ schafft die Regierung Merz das
       Verbrenner-Aus ab und höhlt das Lieferkettengesetz aus. Das Ziel der EU
       wackelt, erster klimaneutraler Kontinent zu werden und sich an die Spitze
       der nachhaltigen Innovationen und Technologien zu setzen.
       
       Und nun droht die nächste fatale Weichenstellung. Auf Drängen der Union hat
       Schwarz-Rot das Heizungsgesetz gekippt und ermuntert Verbraucher:innen,
       weiterhin auf Öl- und Gasheizungen zu setzen. Derweil plant China, weltweit
       führender Wärmepumpenhersteller zu werden, und will den eigenen Herstellern
       unbegrenzten Zugang zu finanziellen Mitteln gewähren. Das entsprechende
       Strategiepapier hat der Bundesverband Wärmepumpe veröffentlicht – ein
       Schelm, wer Arges dabei denkt.
       
       ## Industriepolitik first, Klimaschutz second
       
       Und dennoch hat der Verband einen Punkt, denn Geschichte scheint sich zu
       wiederholen. Anfang der Nullerjahre boomte die Solarindustrie in
       Deutschland maßgeblich infolge der von der damaligen rot-grünen Regierung
       vorangetriebenen Förderung der erneuerbaren Energien. Als die schwarz-gelbe
       Koalition die Solarförderung 2012 halbierte, [3][brachen die Umsätze ein].
       Heute dominiert China die globale Solarindustrie.
       
       Für [4][China steht Industriepolitik an erster Stelle], Ideologie und
       Klimaschutz kommen danach. Für die USA spielt Klimaschutz gar keine Rolle
       mehr. Deutschland, das hat Merz richtig erkannt, muss wirtschaftlich seine
       Hausaufgaben machen und die EU stärken, um selbstbewusst gegenüber Trump
       und Xi auftreten zu können. Dazu gehört, eigene Glaubenssätze zu
       hinterfragen und die ideologische Brille abzusetzen. Sonst wird Merz in
       Peking und Washington auch in Zukunft nur als Bittsteller empfangen.
       
       27 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kanzler-Merz-in-China/!6158228
 (DIR) [2] https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/priorities-2019-2024/european-green-deal_de
 (DIR) [3] https://www.solarwirtschaft.de/wp-content/uploads/2015/12/120509_auswirkungen.pdf
 (DIR) [4] /Kampf-gegen-Klimawandel/!6114393
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Lehmann
       
       ## TAGS
       
 (DIR) China
 (DIR) USA
 (DIR) Friedrich Merz
 (DIR) Green Deal
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Staatsbesuch
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Xi Jinping
 (DIR) Friedenspolitik
 (DIR) GNS
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) China
 (DIR) China
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Kanzler-Reise nach China: Er hat was rausgeholt
       
       Die Erwartungen beim Besuch des Kanzlers in China waren von vornherein
       gering. Aber Merz kommt nicht mit nichts zurück.
       
 (DIR) Kanzler Merz in China: Zu Gast bei den Menschen-Maschinen von Hangzhou
       
       Humanoide Roboter boomen in China, es ist ein regelrechter Hype. Sie sind
       auch das Ergebnis der Industriepolitik von Chinas Präsidenten Xi Jinping.
       
 (DIR) Kanzler Merz in China: Die neue Normalität
       
       Der Kanzler bemüht sich während seines Besuchs in China um eine Balance
       zwischen Freundlichkeit und Kritik. In zentralen Fragen gibt es keine
       Einigung.