# taz.de -- Reform des Heizungsgesetzes: Umweltminister Schneider gibt sich geschlagen
       
       > Das schwarz-rote Heizungsgesetz widerspricht Deutschlands Klimazielen,
       > zeigt eine Studie. Dem hat der SPD-Umweltminister nichts
       > entgegenzusetzen.
       
 (IMG) Bild: Carsten Schneider am Mittwoch im Bundestag: „Ich respektiere die Entscheidung des Parlaments und kommentiere sie nicht“
       
       Hoffnung auf Vernunft und Respekt vor dem Parlament: Mehr hat
       Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) dem Vorwurf nicht
       entgegenzusetzen, die geplante Reform des Heizungsgesetzes sei nicht mit
       den deutschen Klimazielen vereinbar. „Ich respektiere die Entscheidung des
       Parlaments und kommentiere sie nicht“, sagte er am Mittwoch im Bundestag.
       
       Die Spitzen der Regierungsfraktionen CDU/CSU und SPD hatten sich vergangene
       Woche auf Eckpunkte für eine Novellierung des als Heizungsgesetz bekannten
       Gebäudeenergiegesetzes geeinigt. Darin soll unter anderem die Regel
       gestrichen werden, dass je nach Ortsgröße ab Sommer 2026 oder 2028 neue
       Heizungen mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden
       müssen. Stattdessen sollen Gas- und Ölheizungen uneingeschränkt weiter
       eingebaut werden dürfen, aber dafür ab 2029 verpflichtend mit 10 Prozent
       „Grüngas“ oder „Grünöl“ betrieben werden.
       
       Eine [1][Studie] des Öko-Instituts legt nahe, dass diese Reform die Lücke
       zum Erreichen der Klimaziele noch weiter öffnen würde: Demnach würde
       Deutschland sein Klimaziel für 2030 um 30 bis 33 Millionen Tonnen CO₂
       verfehlen, falls die Reform wie angekündigt umgesetzt wird. Bislang liegt
       die Lücke laut Umweltbundesamt bei 25 Millionen Tonnen CO₂. Bis 2030 muss
       Deutschland laut Klimaschutzgesetz seine CO₂-Emissionen um 65 Prozent im
       Vergleich zu 1990 verringern.
       
       Bis 2040 soll die CO₂-Einsparung bei 88 Prozent gegenüber 1990 liegen. Mit
       der Reform des Heizungsgesetzes wächst die Lücke zu diesem Ziel laut
       Öko-Institut ebenfalls: um 14 bis 22 Millionen Tonnen CO₂, sodass sie sich
       auf 116 bis 124 Millionen Tonnen jährlicher CO₂-Emissionen ausweitet.
       Entscheidend sei genau die 65-Prozent-Regelung, die CDU und SPD jetzt
       abschaffen wollen: Sie macht dem Öko-Institut zufolge 80 Prozent der
       Klimaschutzwirkung des bestehenden Heizungsgesetzes aus.
       
       ## Klimaschutzprogramm-Frist macht Druck
       
       „Mit diesem Teuer-Heizen-Gesetz werden grüne Investitionen ausgebremst und
       die riesige Klimalücke im Gebäudesektor wächst“, kommentierte Lisa Badum
       die Studienergebnisse. Sie ist klimapolitische Sprecherin der
       Grünen-Fraktion im Bundestag. „Mir ist schleierhaft, wie ein rechtssicheres
       Klimaschutzprogramm unter diesen Bedingungen möglich sein soll“, sagte sie.
       
       Umweltminister Schneider [2][muss bis zum 25. März ein Klimaschutzprogramm
       vorlegen], das erklärt, wie die Bundesregierung die gesetzlichen Klimaziele
       einhalten will. Welche Maßnahmen die Mehremissionen aus der geplanten
       Gesetzesreform kompensieren sollen, ist bislang unbekannt. Auch im
       Umweltausschuss des Bundestages konnte ein Vertreter des Ministeriums keine
       Antwort auf entsprechende Fragen der Abgeordneten geben, wie die taz von
       Teilnehmer*innen der nicht öffentlichen Sitzung erfuhr.
       
       „Es wurde deutlich, dass das Umweltministerium keinen Plan hat, wie die
       durch die Reform entstehende Emissionslücke geschlossen werden soll“, sagte
       ein Ausschussmitglied. „Das Ministerium hat nicht weiter konkretisiert, wie
       die Mehremissionen aufgefangen werden sollen.“ Ein anderes
       Ausschussmitglied ergänzte, dass der Ministeriumsvertreter die
       Emissionslücke noch nicht beziffern wolle, „weil nur Eckpunkte für die
       Reform vorgelegt wurden“.
       
       ## Schneider: „Setzen auf Vernunft“
       
       Genaueres konnte auch Umweltminister Schneider auf Nachfrage im Bundestag
       nicht sagen. Er respektiere die Entscheidung des Parlaments, sowohl was das
       Klimaschutzgesetz angeht, das CO₂-Einsparungen vorschreibt, als auch
       bezüglich der Maßgaben der Koalitionsfraktionen zur Novelle des
       Heizungsgesetzes.
       
       „Wir geben die Entscheidung, wie geheizt wird, an die Eigentümer zurück“,
       sagte Schneider. Er warnte zugleich, der Einbau einer Gasheizung sei „ein
       Kostenrisiko“. Deswegen erhalte die Bundesregierung die Förderung von
       Wärmepumpen. „Wir setzen auf die Vernunft der Eigentümer“, sagte er. Es
       brauche aber Anreize dafür, dass Vermieter in nachhaltige Heizungen
       investieren „und die Mieter nicht die Zeche zahlen“.
       
       Schneider betonte, dass „wir alles tun müssen, um unabhängig von
       Energie-Importen zu werden“. Aktuell zeige sich an den Tankstellen, wo die
       Mineralölkonzerne als Reaktion auf den Irankrieg die Spritpreise erhöhen,
       „wie verletzlich wir Verbraucher sind“. Importe von Brennstoffen wie Öl,
       Gas und Kohle müssten ersetzt werden durch Wind- und Solarstrom sowie
       Energiesparmaßnahmen. Wie das mit dem anhaltenden Einbau von Öl- und
       Gasheizungen zusammenpasst, sagte er nicht.
       
       4 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Auswirkungen-GebaudeModG-Klimaziele.pdf
 (DIR) [2] /Leak-Bundesregierung-schreibt-schwaches-Klimaschutzprogramm/!6152945
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Waack
       
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