# taz.de -- Präsident will Argentinien umkrempeln: Milei erklärt Südatlantik zum Schlachtfeld der Zukunft
       
       > Mit 90 Reformen will der Ultraliberale das Land neu gestalten. Bündnis
       > mit den USA soll „Staatspolitik“ sein. Oppositionelle beschimpft er als
       > „Parasiten“
       
 (IMG) Bild: Der Inszenator: Javier Milei bei seiner Ankunft im Kongress vor der Rede zur Lage der Nation am Sonntag
       
       afp/dpa/taz | Argentiniens Präsident Javier Milei hat ein weitreichendes
       Reformprojekt für das südamerikanische Land angekündigt. Mit 90 Reformen
       strebe er eine „Neugestaltung“ Argentiniens „für die nächsten 50 Jahre“ an,
       sagte Milei am Sonntag (Ortszeit) in seiner Jahresansprache vor dem
       argentinischen Parlament in Buenos Aires. Die Reformen sollen demnach die
       Wirtschaft, Steuern, das Strafrecht, das Wahlsystem, Bildung, die Justiz
       und die Verteidigung betreffen.
       
       In seiner Jahresansprache, die von verbalen Auseinandersetzungen mit
       Abgeordneten der Opposition geprägt war, sagte Milei außerdem, er wolle das
       „strategische Bündnis“ mit den USA zur „Staatspolitik“ machen. Der
       Südatlantik sei „das strategische Schlachtfeld der kommenden Jahrzehnte“,
       sagte der argentinische Präsident und betonte, Argentinien müsse ein
       „Akteur“ in der Region sein. „Wir müssen das Jahrhundert Amerikas
       gestalten“, forderte er.
       
       Auch wirtschaftlich sieht sich Milei dem Westen eng verbunden. „Wir
       verfügen über die kritischen Mineralien, die der Westen benötigt. Die
       Energie – Gas, Öl, Kernkraft und erneuerbare Energien –, um Lieferketten zu
       versorgen. Land und Wasser, um die Ernährungssicherheit der Hemisphäre zu
       gewährleisten“, sagte er bei der Eröffnung der regulären Sitzungsperiode
       des Kongresses. „Wir sind ein natürliches Glied in der strategischen
       Wertschöpfungskette des Westens.“
       
       ## Heftige Wortgefechte im Parlament
       
       Die Rede wurde immer wieder von Sprechchören und Applaus von Mileis
       Anhängern sowie Zwischenrufen der Opposition unterbrochen. Milei
       attackierte mehrfach regierungskritische Abgeordnete, lieferte sich
       zwischen seinen Ausführungen heftige Wortgefechte mit der Opposition und
       beschimpfte sie als „Diebe“, „Korrupte“ und „Parasiten“.
       
       Argentinien ist hochverschuldet. 2001 ging das südamerikanische Land
       infolge einer Finanzkrise bankrott und stürzte in eine tiefe soziale und
       wirtschaftliche Krise. Der seit Dezember 2023 amtierende Milei, der sich
       selbst als „Anarcho-Kapitalisten“ bezeichnet, nahm massive Einschnitte bei
       Regierungsbehörden und im Staatsapparat vor und strich Subventionen. Damit
       sorgte er für den ersten Haushaltsüberschuss in Argentinien seit 14 Jahren,
       die Inflation ging deutlich zurück.
       
       Die Kehrseite des Sparkurses sind unter anderem ein Rückgang der
       Wirtschaftsleistung, Arbeitsplatzverluste sowie Kürzungen bei den Renten.
       Zuletzt machte sich zudem ein Abschwung im verarbeitenden Gewerbe des
       Landes bemerkbar: Seit Mileis Amtsantritt mussten mehr als 21.000
       Unternehmen schließen. Nach Angaben der Gewerkschaften verloren rund
       300.000 Menschen ihre Arbeitsplätze.
       
       [1][Vor zwei Wochen hatten Gewerkschaften vergeblich versucht, mit einem
       Generalstreik] eine Reform des Arbeitsrechts zu verhindern.
       
       2 Mar 2026
       
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