# taz.de -- Deutschland-Monitor 2025: Fast jeder fünfte Ostdeutsche offen für eine Diktatur
       
       > In einer Studie sind rund 8.000 Menschen zu Demokratie und Diktatur
       > befragt worden. Eine Einheitspartei oder einen starken Anführer fänden
       > viele gut.
       
 (IMG) Bild: Diktatoren-Dämmerung im Osten: Parteitag der AfD Mecklenburg-Vorpommern Ende Januar
       
       dpa/taz | Erschreckend viele Menschen sind auch in Deutschland offen für
       autoritäre Ideen – etwa die Forderung nach einer Einheitspartei oder einem
       starken Anführer ohne parlamentarische Zwänge. Bundesweit sympathisiert mit
       solchen Ansätzen etwa jeder Fünfte, in Ostdeutschland sogar jeder Vierte.
       Fast 20 Prozent der Ostdeutschen können generell einer Diktatur viel
       abgewinnen. Das [1][geht aus dem Deutschland-Monitor 2025 hervor], einer
       umfassenden Studie mit etwa 8.000 Befragten, gefördert von der
       Ostbeauftragten der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser.
       
       „Zum einen ist es so, dass der Deutschland-Monitor schon aufzeigt, dass es
       generell eine Zufriedenheit mit Demokratie gibt“, versuchte die
       SPD-Politikerin am Donnerstag im ZDF, die Ergebnisse schönzureden. Um dann
       einzuschränken: Wer – wie viele im Osten – in der Vergangenheit schlechte
       Erfahrungen mit Wandel gemacht habe, blicke eben skeptischer auf die
       Zukunft und die Demokratie, gerade in Gegenden, die sich abgehängt fühlten.
       Das müsse man ernst nehmen, sagte [2][Kaiser].
       
       In der Umfrage ergaben direkte Fragen nach Demokratie und Diktatur
       scheinbar eindeutige Antworten: Die „Idee der Demokratie“ befürworteten 98
       Prozent. 89 Prozent lehnen eine Diktatur unter allen Umständen ab. Mit dem
       „Funktionieren der Demokratie“ sind den Ergebnissen zufolge aber bundesweit
       nur 60 Prozent zufrieden, [3][in Ostdeutschland sogar nur 51 Prozent].
       Insgesamt sehen 71 Prozent eher eine negative Entwicklung der Demokratie in
       Deutschland.
       
       Indirekte Fragen der Forscher zeigen aus deren Sicht den „Graubereich“, wo
       autoritäre Ideen durchaus Anklang finden. So stimmten bundesweit 31 Prozent
       der Aussage zu: „Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke
       Partei, die den Willen des Volkes insgesamt verkörpert.“ Weitere 23 Prozent
       stimmen zumindest zum Teil zu. In Ostdeutschland liegt die volle Zustimmung
       sogar bei 35 Prozent, weitere 26 Prozent sagen teils, teils.
       
       ## Diktatur als „bessere Staatsform“?
       
       Dass politische Entscheidungen von einer „starken Führungspersönlichkeit“
       ohne Rücksicht auf das Parlament getroffen werden sollen, unterstützen
       bundesweit 11 Prozent, weitere 21 Prozent sagen: teils, teils. Auch hier
       ist die Quote in Ostdeutschland höher: 15 Prozent bejahen das voll, weitere
       22 Prozent teilweise.
       
       Die These „Unter bestimmten Umständen ist eine Diktatur die bessere
       Staatsform“ tragen bundesweit 4 Prozent ganz und weitere 7 Prozent
       teilweise mit. In Ostdeutschland findet dies bei 6 Prozent der Befragten
       volle Zustimmung, weitere 12 Prozent sagen teils, teils.
       
       „Es ist momentan einfach auch die Vielzahl an Herausforderungen, die die
       Menschen ja auch wahrnehmen in ihrem Alltag“, sagte Kaiser. Globale Krisen
       kämen bei ihnen im Alltag an, vor allem wenn nicht genügend Bildung oder
       genügend Geld da sei und der Lebensstandard nicht auf Dauer sicher
       erscheine. „Das verunsichert die Menschen und das sorgt dafür, dass sie
       eher affin sind für populistische Antworten“, sagte sie.
       
       Aufgabe der Politik sei es, klar zu kommunizieren und für Sicherheit zu
       sorgen. „Das betrifft die soziale Sicherheit, das betrifft aber auch die
       Sicherheit im Allgemeinen“, sagte Kaiser. Genau das habe sich die Regierung
       vorgenommen: Es gehe um Stärkung der Konjunktur, um Erhalt von
       Arbeitsplätzen, gerade auch in Ostdeutschland, aber auch um Leistungen wie
       Kinderbetreuung und Daseinsvorsorge vor Ort.
       
       Der Deutschland-Monitor wird seit 2023 jährlich erstellt und von der
       Ostbeauftragten gefördert. Dahinter stehen Forschungsteams des Zentrums für
       Sozialforschung Halle, der Universität Jena und des Leibnitz-Instituts für
       Sozialwissenschaft Mannheim. Sie befragten im vergangenen Jahr 4.000
       Menschen über 16 Jahre bundesweit sowie 4.000 weitere in einer
       Regionalstichprobe, um Aussagen nach Stadt und Land sowie nach reicheren
       und weniger wohlhabenden Gegenden treffen zu können.
       
       19 Feb 2026
       
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